Technologie

Wer die Risiken versteht, kann die Chancen besser nutzen

Die Digitalisierung verändert die Wirtschaft. Auch Elektro- oder Sanitärhandwerker sollten sich mehr weiterbilden. Wer Kunden bei Smart-Home-Lösungen kompetent berät, hat Wettbewerbsvorteile.

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Kaum ein Tag ohne neue Horrormeldung zu den teuren Konsequenzen des Fachkräftemangels. Gerade hat das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) erklärt, dass 2017 am Arbeitsmarkt etwa 440.000 Fachkräfte fehlten, Tendenz seit Jahren steigend. Dadurch falle das Wirtschaftswachstum jährlich um fast ein Prozent geringer aus als möglich, was Minderumsätze von gut 30 Milliarden Euro bedeute. Viele Unternehmer suchen verzweifelt Auszubildende für das kommende Lehrjahr und nutzen dabei die ganze Palette vom Schülerpraktikum über den Girl’s Day/Boy’s Day bis zur Verbundausbildung. Vor allem in Handwerk und Gastronomie bleiben die Bemühungen aber oft vergeblich, da viele Berufe dort nicht sexy sind und immer mehr Schüler zur Hochschule wollen – die Zahl der Studienanfänger stieg zwischen 2007 und 2017 von rund 360.000 auf gut 510.000, die Zahl der neuen Ausbildungsverträge im Handwerk ging im gleichen Zeitraum von 180.000 auf 140.000 zurück.

Elektroinstallateure werden zu Smart-Home-Profis

Vielleicht sollten die Unternehmer mehr in der Öffentlichkeit darüber reden, dass die Digitalisierung auch an ihrer Branche nicht vorbeigeht und sich ganz neue berufliche Perspektiven eröffnen, etwa durch das Smart Home. Besonders in baunahen Gewerken, aber auch bei vielen Dienstleistern. Kaum überraschen dürfte dabei, dass vor allem Elektriker zunehmend mit Digitalisierung zu tun haben – klar, geht es doch irgendwie stets um Stromversorgung, Datenleitungen, Verbindungen. Erstaunlich ist aber schon, wie massiv das Elektrohandwerk sich mit dem Smart Home beschäftigt. Eine Befragung von BauInfoConsult hat ergeben, dass hierzulande bereits mehr als drei Viertel der Elektroinstallateure regelmäßig smarte Lösungen bei ihren Kunden realisieren, etwa zur Steuerung von Haustechnik oder für mehr Komfort und Sicherheit.

Auch Sanitärhandwerk von Digitalisierung betroffen

Auf den ersten Blick verwundern dürfte dagegen die Tatsache, dass auch Sanitärbetriebe zunehmend mit Sensoren und Smart Devices arbeiten. Aber selbst hier entwickeln sich faszinierende Geschäftsmodelle und interessante Kooperationen. Die Gothaer Versicherung etwa will zusammen mit dem Armaturenhersteller Grohe ihr Smart-Home-Angebot ausbauen, um die Prävention von Wasserschäden zu verbessern. Da im Durchschnitt alle 30 Sekunden ein Leck in einer Wasserleitung auftritt und so jährlich Schäden von 1,1 Millionen Euro entstehen, wollen die Partner ein dem Feuermelder ähnelndes Konzept realisieren: Der Sensor schickt bei Kontakt mit Wasser automatisch eine Warnmeldung auf das Smartphone und kann über Messung von Raumtemperatur sowie Luftfeuchtigkeit außerdem Hinweise auf Schimmelgefahr geben. Um ihre Kunden zu solchen innovativen Lösungen beraten und die Systeme richtig installieren zu können, müssen sich natürlich auch SHK-Betriebe verstärkt mit den praktischen Auswirkungen des Smart Home beschäftigen. Aus gutem Grund gibt der Smart-Home-Experte Christopher Strobel daher in seinem Blog einem sehr interessanten Beitrag zu diesem Thema die Überschrift: „Neue digitale Berufsbilder: Der ‚Smart-Home-Handwerker‘ wird Realität.

Smart-Home-Lösungen werden zum Sicherheitsrisiko

Zu dieser Realität gehört ebenso, dass sich Unternehmer – als Dienstleister wie als Kunde – nicht nur mit den Chancen, sondern auch den Risiken der Digitalisierung und der Smart-Home-Anwendungen auseinandersetzen. Der gedankenlose Einsatz smarter Geräte, die laufend Daten sammeln beziehungsweise aufzeichnen und an Hersteller schicken, verbietet sich schon aus Gründen des Datenschutzes. Wer solche Lösungen installiert, sollte sie verstehen und dem Kunden falls nötig von Komponenten abraten, die ein Sicherheitsrisiko bergen könnten. Übrigens auch zum eigenen Schutz: Wer Lösungen installiert und nutzt, um dem Kunden mithilfe der gewonnenen Daten weitere Dienstleistungen anzubieten, fällt rasch unter die Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO). Wer solche Lösungen im eigenen Umfeld installieren lässt, sollte sie sich erklären lassen und dann alles in seiner Macht Stehende tun, um die IT-Sicherheit aktiv zu steigern – etwa, indem er Passworte nach Inbetriebnahme ändert, und zwar in komplexe Zeichenkombinationen mit hohem Sicherheitsgrad. Wie gefährlich undurchdachte oder nicht gut bediente Smart-Home-Lösungen sein können, hat die Stiftung Warentest untersucht, mit erschreckenden Ergebnissen. Es droht die Gefahr, dass sich Kriminelle in eigentlich zur Erhöhung der Sicherheit installierte Überwachungskameras hacken und ihre Beobachtungen der Räumlichkeiten und Routinen nutzen, um einen Beutezug besser zu planen. Oder das smarte Schloss überlisten, um auch ohne Schlüssel locker die Tür zu öffnen.

Einsatz von Überwachungskameras verstößt gegen Gesetz

Konflikte gibt es bei manchen Smart-Home-Lösungen übrigens nicht nur mit dem Datenschutz, indem intime Informationen eventuell auf Servern einer IT-Firma irgendwo in der Welt landen. Auch Persönlichkeitsrechte von Nachbarn sind schnell betroffen, wenn zur Sicherheit installierte Überwachungskameras alle Bewegungen im Umkreis aufzeichnen. Das Amtsgericht Bergisch Gladbach etwa verbot einem Wohnungseigentümer, eine Kamera auf den Hausflur zu richten. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg untersagte einem Zahnarzt wegen Verstoßes gegen das Bundes­daten­schutz­gesetz (BDSG), öffentliche Bereiche wie den Flur vor dem Anmeldetresen bis zur Eingangstür per Video zu überwachen. Die abstrakte Gefahr von Diebstählen begründe kein berechtigtes Interesse an der Überwachung der öffentlichen Bereiche.

Spezielle DsiN-Workshops für IT-Sicherheit in KMU

Ein Elektroinstallateur, der sich entsprechend weitergebildet hat, sollte einem Kunden mit guten Argumenten von solchen Smart-Home-Lösungen abraten und Alternativen empfehlen. Dazu gibt es inzwischen viele Schulungsangebote, auch in anderen Branchen. Umfassender nähert sich die Initiative „Deutschland sicher im Netz“ (DsiN) dem Thema: Sie bietet eine Reihe spezieller Workshops für Entscheider in kleinen und mittelgroßen Unternehmen an, bei denen es über das Smart Home hinaus generell um IT-Sicherheit für KMU in Zeiten zunehmender Digitalisierung geht. Diesem Thema sollte sich kein Firmenchef verweigern.

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Frank Wiercks

ist Mitglied der Redaktion von TRIALOG, dem Unternehmerblog für Mittelständler, Selbständige und Freiberufler. Außerdem arbeitet er für verschiedene Wirtschafts- und Managementmagazine. Zuvor war er unter anderem Chefredakteur von handwerk magazin und Markt und Mittelstand.