Personal & Führung

So tut der Chef den Mitarbeitern mit dem Dienstfahrrad Gutes

Im Frühling steigt bei vielen die Lust aufs Fahrradfahren. Warum also nicht ein Dienstfahrrad spendieren? Neben Spaß bringt das auch steuerliche und gesundheitliche Vorteile.

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Der April macht bekanntlich, was er will. Hier in Wiesbaden war die zweite Ferienwoche sonnig bis verregnet, während Ostern zuvor in eine frostig-eisige Winterperiode eingehüllt daherkam. Aber jetzt folgen die schönen Tage. Und damit steigt sicher auch die Lust auf eine Fahrradtour. Warum also nicht gleich den regelmäßigen Weg zur Arbeit mit dem Fahrrad zurücklegen? Wer Mitarbeitern ein Dienstfahrrad spendiert, handelt doppelt – oder sogar dreifach – sinnvoll. Erstens tun die Beschäftigten so etwas für die körperliche und seelische Gesundheit. Das ist praktische Prävention, die sich auch für das Unternehmen auszahlt. Zweitens lassen sich Steuern über die Pendlerpauschale oder das Dienstrad als Einkommensbestandteil mittlerweile fast ebenso gut mit Fahrrädern sparen wie mit Autos – dies kann der Steuerberater für den individuellen Fall genau durchrechnen. Und drittens ist das Firmenfahrrad gerade mit Blick auf teure Modelle für viele Beschäftigte die Chance, ein besonders gutes und schickes Rad nutzen und eventuell später gebraucht vom Arbeitgeber übernehmen zu können, dass er sich privat kaum leisten würde. Der Drahtesel als Motivationsturbo.

Das Dienstfahrrad hat viele steuerliche Vorteile

Steuerlich wird das Dienstfahrrad ähnlich behandelt wie der Dienstwagen. Daher ist es wenig verwunderlich, dass diese betriebliche Aufwendung boomt. Mehrere hunderttausend neue Firmenräder stellen Unternehmen jährlich ihren Mitarbeiter, so der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC). Wer so ein Dienstrad fährt, versteuert den geldwerten Vorteil meist nach der Ein-Prozent-Methode. Der Fahrrad-Listenpreis wird auf volle 100 Euro abgerundet, bei einem Preis von 1.099 Euro beispielsweise auf 1.000 Euro. Ein Prozent davon – in diesem Fall also zehn Euro – werden monatlich als Lohnbestandteil bei der Festlegung der Einkommensteuer und in der Regel auch Sozialversicherungsbeiträge erfasst. Bei einem individuellen Steuersatz von 25 Prozent wären das etwa 4,50 Euro Abzüge pro Monat. Dafür kann der Arbeitnehmer in der Einkommensteuererklärung 0,30 Euro je Entfernungskilometer und Arbeitstag an Pendelkosten geltend machen. Ein Vorteil gegenüber Firmenwagenfahrern: Beim Weg zur Arbeit sind im Gegensatz zum Dienstauto nicht 0,03 Prozent vom Listenpreis für jeden Entfernungskilometer als zusätzlicher geldwerter Vorteil zu versteuern, so der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC).

Es darf auch der Ferrari unter den Rädern sein

Anders als oft beim Auto, darf es auch der Ferrari unter den Zweirädern sein. Finanzbeamte schauen beim Fahrrad weniger streng auf die Angemessenheit als bei Dienst- oder Firmenwagen. Es darf also auch das tolle Mountain-Bike, die reinrassige Rennmaschine oder ein Elektrofahrrad sein. Letzteres ist vor allem in hügeligeren Regionen praktisch, oder wenn der Mitarbeiter eine weitere tägliche Anfahrt hat. Als besonderen finanziellen Anreiz kann der Firmenchef einem Mitarbeiter auch anbieten, ihm ein vom Unternehmen geleastes Fahrrad über die Barlohnumwandlung zur Verfügung zu stellen. Dann behält der Arbeitgeber vom Monatsbruttolohn die Leasingrate und die Versicherungsprämie ein. Dazu kommt noch die Ein-Prozent-Methode. Durch die Barlohnumwandlung verringert sich das monatliche Bruttogehalt. Die Leasinganbieter werben auch damit, dass der Beschäftigte das Fahrrad nach Ende der Vertragslaufzeit zu guten Konditionen privat übernehmen kann. Für viele Fahrradfan scheint das als relativ günstiger Weg zum seit langem begehrten Klasse-Rad.

Vorsicht bei der Übernahme von Leasing-Rädern

Allerdings: Chefs wie Mitarbeiter sollten nicht ungeprüft Beispielrechnungen vertrauen, sondern den eigenen Steuerberater individuell kalkulieren lassen, welche Folgen solche Verträge wirklich haben. Nur so lassen sich teure Überraschungen vermeiden, etwa niedrigere Leistungen für einen Beschäftigten infolge der Barlohnumwandlung, falls später Zahlungen der Sozialversicherung etwa bei Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Mutterschaftsgeld fällig werden. Auch das Risiko, einen geldwerten Vorteil auf den Preisvorteil versteuern zu müssen, kann der Steuerberater berücksichtigen – oder besser noch möglichst ausschließen. Er kann etwa sicherstellen, dass beim Dienstrad-Leasing mit vereinbarter Übernahme durch den Begünstigten tatsächlich die Firma als Leasingnehmer eingestuft wird und nicht der Mitarbeiter. Das würde bei einer Betriebsprüfung womöglich die Nachzahlung von Steuern und Sozialabgaben nach sich ziehen. Sehr unerfreulich und dank des Ärgers dann womöglich auch gar nicht gesund.

  • Mitgliedersuchservice: Kein einfaches Thema! Am besten hilft ein steuerlicher Berater. Sie haben noch keinen? Dann können Sie hier nach einem suchen.
Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter ladygodiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.