Steuern & Finanzen

Stoppen Sie die Verjährung durch Mahnantrag oder Klage

Am 31. Dezember 2017 verfallen die Forderungen aus Rechnungen, die einem Kunden im Jahr 2014 zugegangen sind. Klären Sie am besten mit Steuerberater und Anwalt, wie Sie Ihre Ansprüche sichern.

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Sechs Wochen bis zum Jahresende. Langsam steigt die Vorfreude auf ein ruhiges Weihnachtsfest sowie eine fröhliche Silvesterparty mit Familie oder Freunden. Wer die kommenden Feiertage entspannt genießen will, sollte aber vorher seine unternehmerischen Hausaufgaben gemacht haben. Dazu gehört insbesondere die Klärung, ob Ende 2017 eine noch offene Rechnung verjährt.
Verjährungsfrist: Seit 2002 beträgt sie für Zahlungsansprüche des täglichen Geschäftsverkehrs in der Regel drei Jahre und beginnt am Ende des Jahres, in dem der Anspruch entstand. Am 31. Dezember 2017 verfallen also Zahlungsforderungen, die einem Kunden 2014 zugegangen sind. Abweichende Fristen gelten für Ersatzansprüche etwa aus Miete und Leihe wegen Veränderung/Verschlechterung der Sache (sechs Monate ab Rückerhalt der Sache); Fracht- und Speditionskosten (ein Jahr ab Ablieferung der Ware); kauf- und werkvertragliche Mängelansprüche (zwei Jahre ab Ablieferung oder Abnahme); Mängelansprüche bei Bauwerken und eingebauten mangelhaften Sachen (fünf Jahre ab Übergabe/Abnahme).
Mahnung: Schicken Sie dem Kunden ein freundliches Schreiben mit Hinweis auf den Verzug und dessen Folgen. Setzen Sie ein konkretes Zahlungsdatum mit zehn Tagen Frist. Fügen Sie bei älteren Forderungen noch einmal die Originalrechnung und eventuell weitere Unterlagen wie Abnahmeprotokolle bei.
Letzte Mahnung: Sollte der Zahlungstermin verstreichen, können Sie nochmals zur Erinnerung anrufen und etwa eine Abschlagszahlung anbieten. Lassen Sie sich aber nicht hinhalten, denn die Uhr tickt. Schicken Sie eine weitere Mahnung mit neuem konkreten Datum und einer Woche Frist.
Verjährung: Bedenken Sie, dass Mahnungen auch als Einschreiben die Verjährung nicht stoppen. Eine solche Hemmung erfordert die Aufnahme von Verhandlungen zwischen Gläubiger und Schuldner oder das rechtzeitige Beantragen und Zustellen eines gerichtlichen Mahnbescheids innerhalb der Frist. Die Verjährungsfrist beginnt neu, wenn ein Anerkenntnis des Schuldners vorliegt oder eine gerichtliche oder behördliche Vollstreckungshandlung beantragt oder vorgenommen wird. Der Schuldner kann auch schriftlich einen „Verzicht auf Einrede der Verjährung“ abgeben. Solche Dokumente sollten aber nicht ohne Hilfe durch einen Anwalt formuliert werden.
Inkassounternehmen: Wollen Sie sich nicht selbst weiter mit dem Eintreiben der offenen Forderung herumschlagen, müssen sie schnellstens ein Inkassounternehmen einschalten.
Mahnantrag: Aufhalten können Sie die Verjährung durch einen gerichtlichen Mahnbescheid, der möglichst einen Monat vor Jahresende beantragt werden sollte. Das geht sehr komfortabel per Internet unter www.online-mahnantrag.de.
Vollstreckungsbescheid: Sind alle Angaben enthalten, ist der Mahnbescheid beim Kunden eingegangen und hat der nicht widersprochen, erlässt das Gericht den Vollstreckungsbescheid. Damit können Sie Ihr Geld etwa durch Lohnpfändung, Sachpfändung oder die Pfändung von Bankguthaben eintreiben.
Klage: Sollte Ihnen klar sein, dass der Schuldner sowieso nicht mehr zahlen will, können Sie auch gleich ein gerichtliches Mahnverfahren einleiten. Hier gilt aber ebenfalls, dass die Formalien in diesem Jahr erledigt werden müssen, damit keine Verjährung eintritt.
Unterstützung: Besprechen Sie ausstehende Zahlungen, den besten Weg zur Eintreibung und den Einsatz eines Inkassodienstleisters mit Steuerberater und Rechtsanwalt – aber nicht erst kurz vor knapp, sonst lässt sich die Verjährung nicht mehr verhindern.

Frank Wiercks

ist Mitglied der Redaktion von TRIALOG, dem Unternehmerblog für Mittelständler, Selbständige und Freiberufler. Außerdem arbeitet er für verschiedene Wirtschafts- und Managementmagazine. Zuvor war er unter anderem Chefredakteur von handwerk magazin und Markt und Mittelstand.