Wirtschaft & Recht

Mompreneurs – ein Vorbild an Unternehmergeist

Während die Zahl der Gründungen sinkt, machen sich immer mehr Frauen mit minderjährigen Kindern selbständig - mit beeindruckendem Erfolg. Sie gründen groß und mit Wachstumsambitionen.

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Natürlich gibt es junge Mütter, die neben Babybreikochen und Basteln etwas Geld mit Bloggen verdienen oder das Selbstgebastelte verkaufen. Von diesem Klischee ist die reale Gruppe der Mompreneurs allerdings weit entfernt. Die zunehmend auch hierzulande verbreitete Wortschöpfung setzt sich aus Mom und Entrepreneur zusammen: Mutter und Unternehmerin. Die Mompreneurs sind eine stark wachsende Gründergruppe – und damit eher die Ausnahme, denn insgesamt lässt sich in Deutschland große Zurückhaltung beim Schritt in die Selbständigkeit beobachten.

Mompreneurs ragen aus dem Gründungsmonitor heraus

Im vergangenen Jahr sank die Zahl der Existenzgründer laut KfW-Gründungsmonitor 2017 auf einen neuen Tiefstand. 672.000 Personen nahmen eine selbständige Tätigkeit auf, 91.000 weniger als 2015. Die einzige gute Nachricht: Nie hat es weniger Notgründungen gegeben – was gleich ein weiteres Vorurteil ausräumt, nämlich dass Mompreneurs aus Verzweiflung handeln. Es gibt zwar Gründerinnen mit Kindern, die nach der Elternzeit die üblichen Probleme haben – Stelle weg, Ersatzarbeitsplatz wenig attraktiv oder gleich Kündigung – und deshalb die Selbständigkeit wählen. Aber überraschend viele tragen sich bereits seit längerem mit dem Gedanken an eine Existenzgründung und kündigen dafür selbst.

Überdurchschnittlich viele Frauen setzen auf Expansion

Es hat seinen Grund, dass die KfW die Mompreneurs im Gründungsmonitor 2017 hervorhebt. 16 Prozent der Gründer gehörten 2016 zu dieser Gruppe, insgesamt 105.000. Durchschnittlich sind sie beim Alter: 37 Jahre. Sonst ticken sie anders. Wie zu erwarten, ist ihnen Vereinbarkeit von Familie und Beruf wichtiger als anderen Gründern. Wohl deshalb liegt ihre Arbeitszeit im Vollerwerb laut KfW bei niedrigeren durchschnittlich 36 Wochenstunden. Überraschend oft gründen sie dafür groß und mit Wachstumsambitionen. Das passt zu einer Studie über den Berufserfolg von Mompreneurs im Auftrag von Ebay. Sie sind ja nicht nur Gründerinnen: Es gibt bundesweit fast eine halbe Million selbständig tätige Frauen mit minderjährigen Kindern. Viele davon waren dies bereits vor der Geburt ihrer Kinder, erst danach wurden sie zu Mompreneurs – wie ich selbst übrigens auch. Ihr Erfolg liest sich beeindruckend: Den durchschnittlichen Pro-Kopf-Umsatz beziffert die Studie auf 97.141 Euro im Jahr. Und während insgesamt neun Prozent angeben, deutlich wachsen zu wollen, sind es unter den Mompreneurs 14 Prozent, so das Magazin „Absatzwirtschaft“. Auch gründeten sie häufiger als Nicht-Mütter unter Einsatz von Mitarbeitern und/oder mit Partnern im Team.

Mindestbeitrag zur Sozialversicherung ist Wachstumsbremse

Unter dem Strich erwirtschaften Mompreneurs 42,4 Milliarden Euro Umsatz, schreibt „Impulse“. Und es könnte leicht mehr sein. Strukturelle Faktoren wie der Mindestbeitrag in der Krankenversicherung erschweren ihnen das Unternehmerdasein besonders in der frühen Familienphase deutlich. Bei einem Einkommen in Höhe von 450 Euro monatlich fallen allein 410 Euro für die Krankenversicherung an. Mit Blick auf die hohen Mindestbeiträge würden besonders Frauen im 400-Euro-Gefängnis bleiben oder ihre Kinder komplett weggeben müssen, beklagt Andreas Lutz, Vorstand des Verbands der Gründer und Selbstständigen Deutschland (VGSD). Tatsächlich ist in einschlägigen Gruppen und Foren oft die dringende Frage zu lesen, wie eine aufstrebende Gründerin ihr Wachstum managen soll, ohne dafür zumindest phasenweise den ganzen Gewinn zu verlieren: Steuern plus Sozialversicherung, womöglich nach- und vorausgezahlt zugleich, fressen das Einkommen rasch auf. Zwar gibt es Möglichkeiten wie die Meldung eines Gewinneinbruchs, um von der Krankenkasse eventuell einen Beitragsnachlass zu erhalten – hier kann der Steuerberater helfen. Besser aber wäre, die Politik würde die vom VGSD als Todeszone bezeichnete Hürde beim Wachstum ganz beseitigen. Nicht nur für die Mompreneurs, sie wirkt bei vielen Gründern und Selbständigen als Expansionsbremse.

Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter ladygodiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.