Steuern & Finanzen

BFH-Entscheidung bringt kleine Steuererleichterung

Selbständige dürfen trotz eigener Betriebsräume ein häusliches Arbeitszimmer steuerlich ansetzen. Und es darf personenbezogen mehrfach berücksichtigt werden. Davon könnten Unternehmer profitieren.

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Derzeit meint es der Bundesfinanzhof (BFH) gut mit den Steuerpflichtigen – bereits zum zweiten Mal binnen weniger Wochen hat er in Sachen häusliches Arbeitszimmer für die Bürger und gegen den Fiskus entschieden. Im Februar veröffentlichten die obersten Finanzrichter ihr Urteil, dass für einen von zwei Personen beruflich genutzten Raum auch zweimal Kosten von bis zu 1.250 Euro berücksichtigt werden können. Bislang galten die Aufwendungen als objektbezogen, konnten also nur einmal angerechnet werden. Jetzt hat der BFH seine Rechtsauslegung dahingehend geändert, dass die Höchstbetragsgrenze von 1.250 Euro personenbezogen anzuwenden ist – jeder Nutzer des häuslichen Arbeitszimmers kann die Kosten also bis zu dieser Obergrenze einkünftemindernd geltend machen. Außerdem stellten die Richter klar, dass die Kosten bei Ehegatten jedem Ehepartner grundsätzlich zur Hälfte zuzuordnen sind, wenn sie bei hälftigem Miteigentum ein häusliches Arbeitszimmer gemeinsam nutzen.

Häusliches Arbeitszimmer trotz eigener Betriebsräume

Vor allem Selbständige dürften von einer weiteren BFH-Entscheidung profitieren, die jetzt bekannt wurde: Sie können ein häusliches Arbeitszimmer unter Umständen auch dann begrenzt von der Steuer absetzen, wenn sie anderswo eigene Betriebsräume unterhalten. Im konkreten Fall waren ein Logopäde und seine vier Angestellten in zwei Praxen tätig, wo er jeweils Behandlungsräume angemietet hatte. Für Verwaltungsarbeiten nutzte er das häusliche Arbeitszimmer. Dass die Aufwendungen dafür bis zur Höhe von 1.250 Euro abzugsfähig sind, begründeten die Richter unter anderem mit Größe, Lage und Ausstattung der gemieteten Betriebsräume. Es sei dem Logopäden nicht zuzumuten, sie als außerhäusliches Arbeitszimmer für seine Verwaltungsarbeiten zu nutzen – beispielsweise sei nicht die Vertraulichkeit der für die Bürotätigkeit erforderlichen Unterlagen sowie den Umfang der Büro- und Verwaltungstätigkeiten gewährleistet.

Unternehmer können doppelt von Urteilen profitieren

Diese Urteile könnten so manchem Unternehmer helfen, seine Steuerbelastung zu reduzieren. Am besten wäre es, mit dem Steuerberater die individuellen Gegebenheiten dahingehend zu prüfen, ob eine oder sogar beide Entscheidungen im konkreten Fall zutreffen. Ein Handwerker beispielsweise, der nur Räume zur Lagerung von Material oder den Betrieb bestimmter Maschinen hat, aber keinen als Büro geeigneten Bereich, kann mit guten Argumenten darauf verweisen, dass er zur strategischen Planung das häusliche Arbeitszimmer nutzt und hier auch etwa Angebote schreibt. Erledigt außerdem noch die Unternehmerfrau die allgemeine Verwaltungstätigkeit der Firma, kann sie ebenfalls Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer geltend machen. Es dürfte sich lohnen, die möglichen Konsequenzen schon für die laufende Steuererklärung zu prüfen.

Frank Wiercks

ist Mitglied der Redaktion von TRIALOG, dem Unternehmerblog für Mittelständler, Selbständige und Freiberufler. Außerdem arbeitet er für verschiedene Wirtschafts- und Managementmagazine. Zuvor war er unter anderem Chefredakteur von handwerk magazin und Markt und Mittelstand.