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Eine lohnende Angelegenheit für Erzeuger und Verbraucher

Durch eine neue Förderung sollen auch Mieter von der Energiewende profitieren. Immobilienbesitzer müssen entsprechende Vorhaben aber genau durchrechnen und die rechtlichen Rahmenbedingungen prüfen.

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Die Kritik ist bekannt: Arme Mieter im Ruhrgebiet finanzieren wohlhabende Eigenheimbesitzer in Bayern – sie zahlen mit ihrer Stromrechnung über die EEG-Umlage dafür, dass jemand mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach Strom erzeugt und dafür eine hohe Einspeisevergütung einstreicht. Nun will die Bundesregierung diese Ungerechtigkeit beim Subventionieren erneuerbarer Energien korrigieren und hat einen Gesetzentwurf zur Förderung von sogenanntem Mieterstrom vorgelegt. Photovoltaikanlagen oder Blockheizkraftwerke auf beziehungsweise in vermieteten Häusern sollen künftig unterstützt werden – und die Mieter von billigem Strom profitieren, der in ihrem Gebäude produziert wird. „Mit der Förderung von Mieterstrom beteiligen wir die Mieter direkt an der Energiewende“, meint Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries. Noch in diesem Jahr soll die Förderung greifen.

Mieter sollen von billigerem Strom profitieren

Wobei die Bezeichnung Mieterstrom natürlich etwas irreführend ist. Denn errichtet und betrieben wird die Anlage vom Besitzer der Immobilie beziehungsweise einem damit beauftragten Dienstleister – falls die Mieter nicht eine Genossenschaft gründen und die Fläche zur Eigenstromerzeugung pachten, aber diese Fälle dürften eher selten sein. Profitieren können die Mieter dadurch, dass sie Strom beziehen, der billiger ist als die Energie von einem Versorger, da unter anderem die Netzumlage entfällt. Zum Abnahmevertrag mit dem Betreiber gezwungen werden darf aber kein Mieter.

Mit dem Steuerberater eine realistische Rendite berechnen

Interessant sein dürfte die neue Förderung für Unternehmer, die beispielsweise zur Altersabsicherung in Immobilien investiert haben, bei denen sich bislang die Stromerzeugung nicht rechnete – sei es durch die seit Jahren sinkende Einspeisevergütung oder weil einfach nicht genug Sonne scheint. In diesem Fall könnte sich jetzt ein Mieterstrom-Blockheizkraftwerk lohnen. Allerdings sollte jedes denkbare Vorhaben zunächst mit spitzem Stift kalkuliert und mit dem Steuerberater genau geprüft werden – nicht jede Förderung bringt das, was sie verspricht, die Liste der Reinfälle reicht von den Bauherrenmodellen der frühen Achtzigerjahre bis zu den Containerschiff-Fonds des vergangenen Jahrzehnts. Eine seriöse Berechnung muss belegen, dass die Mieterstromanlage auch bei konservativen Annahmen kein Verlustgeschäft ist.

Gewerbesteuer auf Einnahmen aus Vermietung vermeiden

Dringend erforderlich ist bei einem entsprechenden Vorhaben auch die Prüfung durch den Rechtsanwalt. Er muss sicherstellen, dass die Abnahmeverträge mit den Mietern in Ordnung sind. Das gilt nicht nur für die Geschäftsbedingungen, sondern auch für die Rechtsform, in der die Stromerzeugung stattfindet. Immobilienbesitzer müssen darauf achten, dass durch ein Mieterstromangebot nicht auch die Erträge aus dem Vermietungsgeschäft gewerbesteuerpflichtig werden. Nicht zuletzt darum haben sich bereits lange vor dem Gesetzentwurf der Bundesregierung zum Mieterstrom verschiedene Dienstleister darauf spezialisiert, sich als Partner des Immobilienbesitzers um die Stromerzeugung zu kümmern.
Richtig gemacht, ist der Mieterstrom für Erzeuger wie Verbraucher eine gute Sache. Und er wird durch die Initiative der Bundesregierung sicher noch interessanter.

Frank Wiercks

ist Mitglied der Redaktion von TRIALOG, dem Unternehmermagazin für Mittelständler, Selbständige und Freiberufler. Außerdem arbeitet er für verschiedene Wirtschafts- und Managementmagazine. Zuvor war er unter anderem Chefredakteur von handwerk magazin und Markt und Mittelstand.