Personal & Führung

Aus Fürsorgepflicht besser auf Arbeitsleistung verzichten

Viele Beschäftigte kommen krank zur Arbeit. Unternehmer sollten sie heimschicken, um Ansteckungen und Haftungsrisiken zu vermeiden. So lassen sich die Folgekosten einer Erkrankung reduzieren.

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Am Aschermittwoch ist alles vorbei? Nicht unbedingt – die gesundheitlichen Folgen der Faschingsfeierei dürften so manches Unternehmen noch einige Zeit beschäftigen. Wohl dem, der in der fünften Jahreszeit nur zu tief ins Glas geschaut hat. Ein Kater lässt sich durch erprobte Hausmittel in ein bis zwei Tagen überwinden. Auch die heisere Stimme durch lautes Singen und der Muskelkater vom anhaltenden Schunkeln sind eher Petitessen. So etwas schränkt nicht wirklich ein und vergeht rasch. Was aber, wenn sich ein Mitarbeiter beim Umzug im Schneeregen richtig was eingefangen hat? Eine Erkältung ist da immer drin. Und die aktuelle Grippewelle war zwar bereits im Abklingen, eine Zunahme der Erkrankungen durch Busseln bei Faschingsball oder Straßenkarneval scheint aber nicht ausgeschlossen.

Wer krank arbeitet, riskiert Ansteckung und Chronifizierung

Wenn es einen Ihrer Mitarbeiter getroffen hat, sind Sie in den nächsten Tagen besonders gefragt. Derzeit müssen Sie verstärkt gegen eine (zunächst) kaum sichtbare Gefahr kämpfen, die die Produktivität Ihres Unternehmens nach den Karnevalstagen mehr als sonst bedroht, aber durchaus auch zu anderen Zeiten ein Thema ist: den Präsentismus. Es geht vereinfacht gesagt darum: Ein Mitarbeiter schleppt sich trotz Krankheit in den Betrieb, da er um Job oder Karriere fürchtet oder die Kollegen nicht hängen lassen will. Die wichtigsten Beweggründe hat die „Karrierebibel“ aufgelistet. Grundsätzlich klingt der Einsatz für das Unternehmen zunächst gut. Nur: Ein gesundheitlich eingeschränkter Mitarbeiter leistet weniger als im Normalzustand, macht häufig teure Fehler, riskiert eine Chronifizierung seines Leidens und steckt schlimmstenfalls sogar Kollegen an, die ihrerseits krankheitsbedingt ausfallen.

Präsentismus ist teurer als die normalen Fehlzeiten

So kostet der Präsentismus mehr, als der Erkrankte beim Erscheinen im Betrieb an Leistung bringt. Eine Studie der Felix-Burda-Stiftung und der Unternehmensberatung Booz & Company beziffert die Kosten, die deutschen Unternehmen durch krankheitsbedingte Fehlzeiten entstehen, pro Jahr und Mitarbeiter auf im Schnitt 1.199 Euro. Dem gegenüber stehen Präsentismuskosten von 2.399 Euro – doppelt so viel wie bei einer Abwesenheit vom Arbeitsplatz. Alle weiteren Folgen eingerechnet, ist es laut „Zeit online“ für einen Betrieb sogar zehnmal teurer, wenn der Betroffene zur Arbeit geht, als wenn er sich zu Hause auskuriert hätte. Wie verbreitet und umfassend das Problem ist, zeigt eine Analyse der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.

Unternehmer muss seine Fürsorgepflicht erfüllen

Was uns wieder zu Ihrer Rolle als Firmenchef bringt. Sie sollten stets zuerst ans Wohl Ihrer Mitarbeiter denken. Dazu gehören ein durchdachtes System für das betriebliche Gesundheitsmanagement und der Mut, im konkreten Fall jemanden heimzuschicken, der ganz offenkundig kränkelt und die Kollegen anzustecken droht. Vor allem bei einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung durch den Arzt sollten Sie konsequent sein: Wer krankgeschrieben ist, darf zwar arbeiten – aber Sie als Chef müssen die vorzeitige Arbeitsleistung nicht annehmen, so die „Wirtschaftswoche“. Außerdem sollten Sie bedenken, dass Ihre Fürsorgepflicht für den Beschäftigten mit Ihrer Haftung zusammenhängen kann: Was passiert beispielsweise, wenn ein Taxiunternehmer einen erkennbar kranken Fahrer ans Steuer lässt, der dann einen Unfall baut?
Firmenchefs sind also gut beraten, das Vorgehen bei Krankschreibungen wie auch im Umgang mit offenbar gesundheitlich eingeschränkten Mitarbeitern mit ihrem Anwalt zu besprechen. Es kann um viel gehen – um viel mehr als nur die Ansteckung weiterer Kollegen.

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Frank Wiercks

ist Mitglied der Redaktion von TRIALOG, dem Unternehmermagazin für Mittelständler, Selbständige und Freiberufler. Außerdem arbeitet er für verschiedene Wirtschafts- und Managementmagazine. Zuvor war er unter anderem Chefredakteur von handwerk magazin und Markt und Mittelstand.

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