Wirtschaft & Recht

Denken Sie an Ihre Kunden – und deren Schutz

Unternehmer tragen Verantwortung. Teils in ungeahnter Hinsicht. Manchmal kann sie sich sogar bis in das Privatleben der Kunden erstrecken – wenn es um Gewalt geht.

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Eigentlich geht sie das Privatleben ihrer Kunden nichts an. Aber irgendwie erfahren viele Unternehmer dann doch einiges an Persönlichem – mal im Gespräch, mal durch Beobachtung. Daher ist es gut vorstellbar, dass Firmenchefs oder ihre Mitarbeiter bald einen Betroffenen über Hilfsangebote für Opfer häuslicher Gewalt informieren müssen. Denn so mancher Trend schwappt aus den USA nach Deutschland herüber. Und der US-Bundesstaat Illinois ermuntert derzeit 80.000 Inhaber von Friseur- oder anderen Betrieben der Schönheitsbranche sowie deren Mitarbeiter, bei ihren Kunden auf Hinweise für häusliche Gewalt zu achten. Beschäftigte der Beautybranche lernen seit Jahresbeginn in einem verpflichtenden Training, die Anzeichen zu erkennen – und sollen Betroffene auf Hilfsangebote hinweisen.

Viele Gewalttaten finden im privaten Umfeld statt

Auch mit Blick auf Gewalt greift also der Präventionsgedanke um sich. Das ist durchaus sinnvoll. Leider geht im aktuellen Nachrichtengetöse unter, dass Gewalt vor allem gegen Frauen und Kinder nicht nur auf der Straße und bei Großveranstaltungen wie Silvester in Köln oder dem Oktoberfest stattfindet. Laut Bundeskriminalamt sind die Täter überwiegend Partner, Freunde, Familienangehörige oder sonstige Personen aus dem engeren Umfeld der Opfer. Das Problem ist groß. Laut aktueller BKA-Statistik werden beispielsweise jährlich mehr als 100.000 Frauen Opfer von Gewalt in der Partnerschaft.

Gewaltschutz ist für Mediziner längst Programm

Für medizinische Berufsgruppen gibt es in Deutschland bereits Gewaltschutzvorgaben. Kinderärzte etwa unterstützt die Bundesärztekammer mit klaren Leitlinien, wie auf Vernachlässigung oder Misshandlung von Kindern zu achten ist. Außerhalb des medizinischen Bereichs schulen Frauenschutzorganisationen wie der Frauennotruf Mainz die Angehörigen verschiedener Berufsgruppen im Umgang mit Opfern von Gewalt – in Schulen, bei der Polizei, bei Juristen. Auch IHKs bieten Ausbildern hier Schulungen und Informationen an, besonders mit Blick auf Jugendgewalt. Die Frage ist, ob oder wann Schulungen oder sogar Meldepflichten für Unternehmer in Deutschland obligatorisch werden – eventuell quer durch alle Branchen. In Illinois ist geplant, nach den Schönheitsdienstleistern die Schulung auf Mitarbeiter von Bars auszuweiten. Bars, Discos und Kneipen in Münster nehmen hierzu seit kürzlich an einer Aktion des Münsteraner Frauennotrufs teil, wie kürzlich die ZDF-Nachrichtensendung heute plus berichtete.

Stellen Sie Kontakt zu Hilfsorganisationen her

Vermutlich springen bald auch hierzulande Branchenorganisationen und der Gesetzgeber auf diesen Zug auf. Eine gute Sache könnte das in dem einen oder anderen Unternehmen durchaus sein – egal, ob dessen Hauptkunden nun Frauen oder Männer, Kinder oder Senioren sind. Falls Sie es für sinnvoll halten, können Sie auch jetzt schon für Ihre Kunden ein paar Ratschläge vorbereiten und Adressen von Organisationen parat halten, die auf den Schutz vor Gewalt spezialisiert sind – oder auf die Experten der Polizei hinweisen. Passen Sie also schön auf Ihre Kunden auf – nicht nur mit Blick auf möglichen Schaden durch Sie und Ihre Mitarbeiter.

Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter ladygodiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.