Personal & Führung

Unbezahlte Überstunden können sehr teuer werden

Egal, mit wie viel Spaß Chef und Mitarbeiter bei der Sache sind – zu viel Arbeiten ist ungesund und kann enorme Folgekosten verursachen. Unternehmer sollten über eine Vier-Tage-Woche nachdenken.

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Haben Sie Platz für noch einen guten Vorsatz im neuen Jahr? Dann achten Sie darauf, sich und Ihre Beschäftigten nicht mehr zu überarbeiten. Der aktuelle Arbeitsreport der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hat ergeben, dass schon zwei Überstunden pro Woche merklich krank machen können. Die Studie ist repräsentativ – befragt wurden 20.000 Arbeitnehmer, die im Schnitt fünf Stunden mehr arbeiteten als vertraglich festgelegt. 17 Prozent kamen in ihrem Vollzeitjob auf 48 Stunden Wochenarbeitszeit. Gut jeder Zweite erklärte, er sei damit unzufrieden.

Überlastungsbedingte Krankheiten sind sehr teuer für die Betriebe

Nicht nur das: Leistungsdruck, der Ausfall von Pausen sowie die Überbelastung – teilweise auch in der Freizeit und am Wochenende – machten sich bei den Befragten deutlich gesundheitlich bemerkbar. Über die Hälfte der Befragten war müde und erschöpft und litt unter Rückenschmerzen, 34 Prozent klagten über Schlafstörungen, 24 Prozent über Niedergeschlagenheit. Dass dies der Produktivität nicht zuträglich sein kann, dürfte klar sein. Über die Kosten von Überbelastung und eine mögliche Abhilfe konnten Sie ja hier schon einiges lesen. Ebenso darüber, dass Sie laut Arbeitsschutzgesetz zu einer psychischen Gefährdungsbelastung verpflichtet sind.

Die Deutschen haben weniger freie Tage, als manche Statistik sagt

Eines sollte jedem Unternehmer klar sein: Überlastung am Arbeitsplatz ist ein massives Problem. Deutsche Arbeitnehmer leisten mehr als 1,8 Milliarden Überstunden ab – die Hälfte davon unbezahlt, so das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Was nach unentgeltlicher Zusatzleistung klingt, kann für den Betrieb durch steigende Ausfallzeiten oder sinkende Qualität wegen permanenter Überarbeitung also schnell eine teure Angelegenheit werden und ihm so mehr schaden als nutzen. Von der Zeit oder Lebensqualität, die Sie als Firmenchef zusätzlich opfern, ganz zu schweigen. So normal es für Unternehmer auch sein mag, nach Feierabend im Büro zu bleiben – auf Dauer ist dies nicht harmlos. Sie sollten deshalb Ihre eigene Arbeitszeit deckeln, das konnten Sie hier schon lesen. Wichtig ist auch, im Hinterkopf zu behalten, dass wir nicht so viel freihaben, wie oft zu hören ist – die kurze Arbeitszeit erklärt sich unter anderem durch eine hohe Quote an Teilzeitarbeit. Bei den Urlaubs- und Feiertagen liegt Deutschland europaweit ebenfalls am unteren Rand.

Viele Unternehmen würden von einer Vier-Tage-Woche profitieren

Vor diesem Hintergrund verwundert es kaum, dass die Vier-Tage-Woche sich einer wachsenden Zahl von Anhängern erfreut. Sie wünschen neue Arbeitszeitmodelle für sich selbst, wie ein Existenzgründer in der „Gründerszene“ erklärt, oder für die Mitarbeiter – nach Amazon oder Google finden auch deutsche Unternehmen an diesem Gedanken zunehmend Gefallen. Die Produktivität jedenfalls sollte nicht leiden, wie Wirtschaftswissenschaftler vorrechnen – weder auf individueller Ebene noch in Unternehmen oder der ganzen Volkswirtschaft. Verwunderlich ist das nicht, wenn Sie mal auf die Schäden aufgrund überlastungsbedingter Krankheiten schauen.
Falls also Platz auf Ihrer To-do-Liste für das laufende Jahr ist, warum nicht für diesen Punkt: Ihre Arbeitszeit und die Ihrer Mitarbeiter auf ein gesundes Maß reduzieren. Vielleicht sogar an vier Wochentagen, falls es sinnvoll machbar ist. Natürlich müssen Sie hierfür ein bisschen umorganisieren und sicher auch Verträge anpassen. Sprechen Sie darüber im Fall der Fälle am besten mit Ihrem Steuerberater sowie Ihrem Rechtsanwalt.

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Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter lady-godiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.