Technologie

Überwachungskameras und Smart Home laden Diebe ein

Wer Geräte mit dem Internet verbindet, muss sie gegen Hacker schützen. Wenn das nicht funktioniert, sollte besser auf die umfassende Vernetzung verzichtet werden.

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Der Bundesgerichtshof hat doch eigentlich im Sinn durchschnittlich technikbegabter Menschen geurteilt, oder? Vergangene Woche veröffentlichte er seine Entscheidung, der Inhaber eines Internetanschlusses müsse das voreingestellte WLAN-Passwort für den Router nicht aus Sicherheitsgründen ändern. Werde über dieses Gerät von unbekannten Dritten eine Urheberrechtsverletzung begangen, hafte der Inhaber nicht, auch wenn er den aus 16 Ziffern bestehenden Schlüssel auf der Gehäuserückseite seit Inbetriebnahme nicht aktualisiert habe. Der „Spiegel“ titelte daraufhin zufrieden: „Sicherheitslücke im Router kann Verbrauchern nicht angelastet werden.“

Urheberrechtsverletzung ist ein kleiner Teil des Problems

Juristisch scheint also alles klar. Es ging aber nur um einen Bruchteil der kriminellen Aktivitäten im digitalen Raum. Zwar liefern Urheberrechtsverletzungen – gerade das Hochladen von Hollywood-Blockbustern oder Chart-Hits – über die Anschlüsse unbescholtener Bürger, etwa älterer Damen, tolle Schlagzeilen. Aber die wirkliche Gefahr für Betroffene ist nicht die falsche Verdächtigung, sondern der echte Datenverlust – wer Zugang zum Router hat, kann im Nu angeschlossene Geräte entern. Das wäre wirklich schlimm, egal ob es um den Diebstahl intimer Fotos oder geschäftlicher Kontoinformationen geht. Daher ist die „Spiegel“-Schlagzeile grob verharmlosend. Es sollte für Router-Nutzer nicht nur darum gehen, wem eine Sicherheitslücke angelastet wird, sondern darum, sie zu schließen. Der groß angelegte Angriff auf Router vom Wochenende zeigt eindringlich, wie wichtig eine wirkungsvolle Verteidigung gegen Hacker ist.

Cyberkriminelle klinken sich in Überwachungskameras ein

Welches Ausmaß das Problem ungesicherter Daten beziehungsweise offener Zugänge hat, entlarvte am vergangenen Wochenende ein Bericht der „Süddeutschen Zeitung“. Vor allem das sogenannte Smart Home – also die von unterwegs steuerbare Beleuchtung und Heizung – sowie die Fernüberwachung von Räumen per Videokamera finden oft via Internet vor den Augen der Welt statt. Viele Geräte scheinen sich konstruktionsbedingt kaum vor unbefugtem Zugriff schützen zu lassen. Das ist nicht nur ein Problem für Privatleute, sondern auch für Unternehmer. So kann etwa die Kamera, mit der ein Bäcker seine Filiale überwacht, leicht zum Instrument für Diebe werden, die mithilfe der Direktübertragung ihren Beutezug detailliert planen können, was Räumlichkeiten und Routinen angeht.

Datenschutz und Datensicherheit mit Experten besprechen

datev-routerWer in seinen Laden eine Kamera installiert, muss also erstens die Besucher darauf hinweisen und sollte dies mit einem Anwalt besprechen. Er muss sich zweitens des Risikos bewusst sein, dass die Geräte gehackt werden, sobald sie online sind – um manipulationsanfällige Verkehrskameras in Großstädten weltweit gibg es hier ja schon. Daraus folgt, drittens, dass jede Art der Vernetzung mit Experten besprochen oder der Betrieb der IT kompetenten Dienstleistern überlassen werden sollte, damit keine Sicherheitslücke entsteht. Zwar gibt es im DsiN-Blog, dem IT-Sicherheitsblog für den Mittelstand der Initiative „Deutschland sicher im Netz“, gute Tipps zum Thema Smart Home. Und bei der Überprüfung des Routers hilft zum Beispiel ein Test, den „heise Security“ zusammen mit dem Land Niedersachsen anbietet – bei mir schien alles in Ordnung zu sein. Aber was hätte ich getan, wenn ein Problem angezeigt worden wäre? Bestimmt nicht selbst Hand angelegt, dafür kenne ich mich wie vermutlich viele Unternehmer, Selbständige und Freiberufler zu wenig mit den technischen Details aus.

Wichtig ist mehr Problembewusstsein bei der IT-Sicherheit

Der neue „DsiN-Sicherheitsmonitor 2016“ wird mit der Überschrift beworben: „Mittelstand benötigt passgenaue Angebote“. Dem ist kaum etwas hinzuzufügen. Außer vielleicht, nach der Lektüre der Beispiele für Sicherheitslücken in der „Süddeutschen Zeitung“, ein Wunsch: Der Mittelstand braucht noch mehr Problembewusstsein in Sachen IT-Sicherheit.

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Frank Wiercks

ist Mitglied der Redaktion von TRIALOG, dem Unternehmermagazin für Mittelständler, Selbständige und Freiberufler. Außerdem arbeitet er für verschiedene Wirtschafts- und Managementmagazine. Zuvor war er unter anderem Chefredakteur von handwerk magazin und Markt und Mittelstand.

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