Wirtschaft & Recht

Vermeiden Sie unbedingt die Abfärbung auf alle Umsätze

Bei Unternehmen, die gewerbesteuerfreie Tätigkeiten ausüben, führen geringe gewerbliche Einnahmen zur Gewerbesteuerpflicht für den Gesamtumsatz. Das gilt es zu verhindern, etwa mit neuen Strukturen.

Teilen auf

LinkedIn Xing Whatsapp

Neues in Sachen Gewerbesteuer – der Bundesfinanzhof (BFH) hat in mehreren Fällen klargestellt, ab welcher Grenze bei Unternehmen, die gewerbesteuerfreie Tätigkeiten ausüben, schon geringe gewerbliche Einnahmen zur Gewerbesteuerpflicht für den Gesamtumsatz führen können. Die Grenze für das, was Steuerrechtler als „Abfärbewirkung“ bezeichnen, setzten die Richter bei nur drei Prozent vom Gesamtumsatz oder 24.500 Euro. Eine Karnevalstruppe ließen sie gewerbesteuerfrei davonkommen, weil der Umsatz mit CDs unter drei Prozent vom Gesamtnettoumsatz einbrachte und auch unter der Gewerbesteuerpflichtgrenze von 24.500 Euro lag. Dagegen setzten sie in einem anderen Fall Gewerbesteuer an, weil die gewerblichen Umsätze die Grenze von drei Prozent in den Streitjahren überschritten hatten.

In Ausnahmen ist die Gewerbesteuerpflicht zu vermeiden

Wenn der Fall bei Ihnen ähnlich liegt, sollten Sie mit Ihrem Steuerberater sprechen – vielleicht lässt sich durch eine organisatorische Trennung die Abfärbung vermeiden oder wenigstens die Steuerlast reduzieren. Eventuell kann es sogar besser sein, auf ein wenig Umsatz aus gewerblicher Tätigkeit zu verzichten, als komplett unter die Gewerbesteuerpflicht zu fallen. Man kann natürlich Glück haben wie kürzlich der Vermieter eines Einkaufszentrums, der dieses auch bewirtschaftete. In seinem Kampf gegen das Finanzamt gab der Bundesfinanzhof ihm recht und urteilte: Der Vermieter muss keine Gewerbesteuer abführen, weil auch die eigentlich gewerblichen Teile seines Angebots, etwa die Ausrichtung von Werbemaßnahmen für die Mieter, nichts am eigentlichen Zweck änderten, der Vermietung nämlich. Und somit ebenfalls keine Gewerbesteuer fällig wird. Aber das ist wohl eine Ausnahme.

Die Anstellung von Kollegen kann sehr teuer werden

Es lohnt sich also, die Gewerbesteuerpflicht genau zu prüfen – natürlich insbesondere vor womöglich heiklen unternehmerischen Entscheidungen, beispielsweise wenn Sie als Freiberufler darüber nachdenken, einen Berufskollegen in Ihrer Praxis, Kanzlei oder Ihrem Büro anzustellen. Das kann Ihnen mit Blick auf die Gewerbesteuerpflicht ebenfalls zum Verhängnis werden. So verdonnerten die Richter des Finanzgerichts Sachsen eine Gesellschaft aus zwei Ingenieuren zur Zahlung von Gewerbesteuer, weil sie drei angestellte Ingenieure beschäftigten, die eigenverantwortlich Hauptuntersuchungen von Kraftfahrzeugen abnahmen. Das Problem war hier die Eigenverantwortung. Das Verfahren ist vor dem BFH anhängig. Dass sich eine sehr genaue Prüfung vorab lohnt, zeigt schon der Blick auf die Details, mit denen Sie möglicherweise eine Gewerbesteuerpflicht umschiffen können. Falls Sie in einer ähnlichen Konstellation bereits vom Finanzamt zur Abgabe einer Gewerbesteuererklärung oder sogar zu einer Steuernachzahlung aufgefordert wurden, lohnt sich der Einspruch mit Verweis auf das BFH-Verfahren samt Aktenzeichen (Az.: III R 7/16).

Umzug in eine Niedrigsteuer-Gemeinde ist selten die Lösung

Organisatorische Veränderungen oder Einsprüche beim Finanzamt sind sicher besser als das, was nach der Lektüre von Artikeln über die ständig steigende Gewerbesteuer zunächst als Alternative erscheinen könnte: In eine Kommune mit niedrigeren Hebesätzen umzuziehen, um Steuern zu sparen. Ihren Umsatz und Ihre Firmenstruktur können Sie – in Abstimmung mit dem Steuerberater – auf dieses Thema ausrichten. Die Höhe der Gewerbesteuer kann der Gemeinderat jederzeit neu festsetzen – und nach den bisherigen Erfahrungen wird es dann nach oben gehen.

Hat Ihnen der Beitrag gefallen?

Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter lady-godiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.