Personal & Führung

Wissen Sie eigentlich, was Ihre Mitarbeiter fahren dürfen?

Wird der alte „Lappen“ gegen einen neuen Führerschein getauscht, dürfen manche Fahrzeuge nicht mehr bewegt werden. Eventuell sollten Unternehmer dem Mitarbeiter dann die Fahrprüfung bezahlen.

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War früher wirklich alles besser? Wohl kaum. Ich für meinen Teil zähle nicht zu jenen Nostalgikern, die grundsätzlich der Meinung sind, mit der Zeit entwickle sich alles zum Schlechteren. Allerdings gibt es durchaus einige Dinge, denen ich nachweine – übersichtlichen Führerscheinklassen beispielsweise. Zu meiner Zeit war die Sache klar. Damals gab es die Kategorien von 1 bis 5. Mit Klasse 3, so meine ich mich erinnern zu können, durfte ich ans Steuer von Autos, kleinen Motorrädern und Lkw mit bis zu 7,5 Tonnen Gesamtgewicht. Als Student habe ich Obst mit so einem Laster ausgeliefert. Und heute? Zieren die Rückseite des neuen Führerscheins in Scheckkartenformat nicht nur 17 Kategorien von „AM“ bis „T“, sondern auch noch Ziffern hinter fast jeder gültigen Kategorie, die für weitere Beschränkungen oder Zusatzangaben stehen. Übersichtlich geht anders.

Führerschein auf Firmenkosten als Zusatzqualifikation

Okay, ich fahre nur Auto, darum interessiert mich das Klassen-Chaos moderner Prägung nicht. Unternehmer jedoch müssen die Bedeutung der Buchstaben und Ziffern auf dem Führerschein jedes Mitarbeiters verstehen – egal, ob sie ihre eigene Fahrerlaubnis erst vor kurzem erworben haben oder noch zur Generation „Klasse 1 bis 5“ gehören. In Betrieben mit einem größeren, verschiedene Motorgefährte umfassenden Fuhrpark ist es wichtig, die Beschäftigten so einzuplanen oder Teams so zusammenzustellen, dass die benötigten oder zugeteilten Wagen auch bewegt werden können und dürfen. Fehlt die entsprechende Fahrerlaubnis, muss sie erworben werden. Klären Sie mit dem Steuerberater, ob hier eine Fortbildung auf Firmenkosten und die Ansetzung als notwendige Betriebsausgaben möglich ist, was wiederum einen geldwerten Vorteil für den Mitarbeiter bedeuten könnte.

Ohne zusätzliche Fahrprüfung nicht mehr ans Steuer

Dieses Thema dürfte bald an Bedeutung gewinnen. Bei Einführung der neuen Führerscheinklassen hieß es zunächst, die alten „Lappen“ sollten bis 2033 gültig bleiben, ein rascher Umstieg auf die neuen Scheckkarten sei nicht geplant. Inzwischen ist ein Gesetz in Vorbereitung, das den Austausch für bestimmte Geburtsjahrgänge noch vor dem Jahr 2020 vorschreiben könnte. Auch wenn es noch etwas dauert – Firmenchefs müssen sich darauf einstellen, dann jeden ersetzten Führerschein genau unter die Lupe zu nehmen. Das gilt übrigens auch jetzt schon, wenn jemand etwa nach Verlust oder Diebstahl des alten Führerscheins eine neue Plastikkarte bekommt. Wegen der unterschiedlichen Kategorien kann es passieren, dass er dann plötzlich nicht mehr ans Steuer bestimmter Fahrzeuge darf – wie es einem meiner Bekannten gerade passiert ist. Und erst vor kurzem bestätigte das Verwaltungsgericht Berlin, bei Umstellung der Fahrerlaubnis werde nicht automatisch und prüfungsfrei aus der alten Klasse „3“ neben der neuen Klasse „B“ auch die neue Klasse „T“, mit der Zugmaschinen oder selbstfahrende Arbeitsmaschinen bewegt werden dürfen. Wer nicht tatsächlich solche Fahrzeuge gesteuert hat und dies nachweisen kann, muss die entsprechende Fahrprüfung absolvieren.

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Frank Wiercks

ist Mitglied der Redaktion von TRIALOG, dem Unternehmermagazin für Mittelständler, Selbständige und Freiberufler. Außerdem arbeitet er für verschiedene Wirtschafts- und Managementmagazine. Zuvor war er unter anderem Chefredakteur von handwerk magazin und Markt und Mittelstand.