Wirtschaft & Recht

Bewahren Sie ruhig Blut, und planen Sie voraus

Es hat schon viel von Wunschdenken, dass mit einem US-Präsidenten Trump so wenige gerechnet hatten. Nun ist vieles ungewiss – und Unternehmer sollten sich vorsorglich absichern.

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Der erste Schock ist vorbei, aber klarer ist nichts geworden: Die Tage nach der US-Präsidentenwahl erinnern in mancherlei Hinsicht an jene nach dem Brexit-Votum. Kaum jemand hatte mit diesem Ausgang gerechnet. Er schockiert viele und bringt politische wie wirtschaftliche Unsicherheit. Auch und nicht nur für die immerhin 3.700 deutschen Unternehmen, die die deutsch-amerikanische Handelskammer (AHK) in den USA zählt. „Brexit hoch fünf“, wie der Kandidat vor der Wahl prahlerisch ankündigte, ist es dann zwar doch nicht geworden. Der Ton des zuvor mit üblem Sozialverhalten sowie einer gehörigen Portion Sexismus, Rassismus und Behindertenfeindlichkeit aufgefallenen Trump klang plötzlich ungewohnt versöhnlich. Mancher traut ihm nun sogar eine positive Wirkung als Präsident zu. Trotzdem: Die große Unsicherheit bleibt.

Nach der Schockstarre folgt Ratlosigkeit

Dass Trump die Hand locker am Atomknopf haben könnte, diese Angst schwindet mit der Aussicht auf eine Annäherung an Russland – von Präsident Wladimir Putin scheint er viel zu halten. Die für Infrastruktur nötigen öffentlichen Ausgaben könnten die Republikaner ihrem eigenen Präsidenten eher zugestehen als dem demokratischen Amtsvorgänger Barack Obama. Ob er aber wirklich eine Mauer an der Grenze zu Mexiko baut? Unsicherheit ist immer schwierig für die Wirtschaft. Also brachen die internationalen Börsen erst mal kurzfristig ein, der große Crash allerdings blieb aus. Link 6 Und schon Stunden nach dem Wahlsieg lagen Wertpapiere etwa von privaten Gefängnisbetreibern oder Rüstungskonzernen im Plus, einen Tag später der Gesamtmarkt.

Das Wahlergebnis ist kein Grund zur Panik

Die gute Nachricht: Manche politische Entwicklung unter Trump könnte für deutsche Unternehmen gut sein. Das zeichnet sich mit Blick auf die geplanten Investitionen in die Infrastruktur bereits ab. Ob es jetzt geschickt ist, sich gleich vorzuwagen wie der Chef des Baustoffkonzerns HeidelbergCement, darüber kann man geteilter Meinung sein. Zu Demut in jeder Hinsicht ruft das Portal „Gründerszene“ Unternehmer auf: Gerade mit Blick auf die wirtschaftliche Schere, nicht nur in den USA, sondern auch hier und in anderen Ländern. Schlechte Nachrichten sind natürlich einige der vielen ökonomisch bedenklichen Wahlversprechen des erklärten Freihandelsgegners Trump. Dass er TTIP vorerst nicht unterzeichnet, davon ist auszugehen. Dass dieses Freihandelsabkommen nicht vorankommt, war aber schon vorher zu erwarten. Es gibt Experten und Verbände, die dadurch sowieso überwiegend Nachteile für Mittelständler sehen – ebenso wie manche Unternehmer.

Unternehmer sollten gut vorausplanen

Zumindest der Export in die USA dürfte leiden. „Die Zölle, die er vorschlägt, und die Abschiebung von illegal eingewanderten Migranten werden die US-Wirtschaft über kurz oder lang in die Rezession stürzen“, zitiert die „WirtschaftsWoche“ einen Bankvolkswirt. Und vom Export in die Vereinigten Staaten hängen immerhin eine Million Jobs ab, rechnet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) besorgt vor. Wer Zulieferer einer stark an die USA gekoppelten Branche wie Automobil- oder Maschinenbauindustrie ist, sollte das eine oder andere Szenario durchspielen, wie sich zu erwartende Umsatzverluste ausgleichen lassen. Mit Blick auf strategische Entscheidungen wie auch mit Blick auf mögliche Notfallmaßnahmen und Überbrückungen oder Absicherungen für Worst-Case-Szenarios. Das sollte zu jedem guten Risikomanagement gehören.
Unter diesem Aspekt wäre es übrigens sinnvoll, sich frühzeitig auf weitere Überraschungen einzustellen, die nach Trump-Wahl und Brexit folgen könnten – stehen doch im nächsten Jahr gleich weitere Wahlen an, nicht zuletzt auch in Deutschland.

Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter ladygodiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.