Personal & Führung

Brückentage – 2017 eine noch größere Herausforderung

71 freie Tage bei 31 Tagen Urlaub – das sorgt für Schlagzeilen. Unternehmer sollten frühzeitig mit der Personalplanung für 2017 beginnen und Betriebsferien in Erwägung ziehen, falls es die Kosten senkt.

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Was für Zufälle es doch gibt … Am Montag habe ich beim Bäcker für ein entspanntes Brückentagsfrühstück eingekauft, denn der folgende Allerheiligen-Dienstag war in Bayern ein Feiertag, weshalb ich es auch am Montag etwas ruhiger angehen ließ. Viele Arbeitnehmer nutzen derartige Feiertagskonstellationen, um mit dem Einsatz eines Urlaubstags auf vier freie Tage am Stück zu kommen. Und was brüllte mir beim Bäcker die Schlagzeile der „Bild“ entgegen? „Brückentag-Kalender – Wie Sie 2017 71 Tage Urlaub machen!“ 71 freie Tage bei 31 Tagen Urlaub, das ist ein ziemlicher Hebel. Okay, nicht jeder hat 31 Tage Urlaub, die Zahl mag den Ansprüchen der „Bild“-Redakteure oder auch nur der schöneren Rechnung geschuldet sein. Und die von Bundesland zu Bundesland unterschiedliche Zahl an Feiertagen, von der hier ja schon die Rede war, wurde auch nicht berücksichtigt. Trotzdem: 31 Tage, wow …

Schon jetzt an die Brückentage im Jahr 2017 denken

Bei genauerer Lektüre habe ich dann festgestellt, dass der Zeitpunkt der Veröffentlichung kein Zufall war. 2017, das bedeutet 500 Jahre Reformation, und deshalb ist im nächsten Jahr der Reformationstag ein bundesweiter Feiertag. Dann haben am 31. Oktober alle Bürger frei, und die in Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz sowie im Saarland außerdem auch am 1. November – Allerheiligen fällt wegen des Reformationsjubiläums natürlich nicht aus, sondern hier bleiben die Geschäfte dann zwei Tage zu. 2017, so viel kann man also sagen, wird für Arbeiter, Angestellte und Beamte brückentagstechnisch ein Fest.

Entscheidungsspielraum mit dem Rechtsanwalt klären

Unternehmer betrachten dieses Thema naturgemäß aus einem anderen Blickwinkel. Erstens treiben bezahlte Feiertage ihre Personalkosten, zweitens sind Brückentage eine Option, die sie selbst eher selten nutzen – wenn Arbeit anliegt, wird sie erledigt, egal ob an einem Wochentag, Feiertag oder Sonntag. Auch ich als Freiberufler kann davon ein Lied singen. Ignorieren darf man das Thema deshalb aber keinesfalls. Jeder Firmenchef sollte sich frühzeitig informieren, was ihn in Sachen Brückentage im nächsten Jahr erwartet – und genau wissen, wie er damit umgeht. Am besten ist natürlich eine frühzeitige Urlaubsplanung im ganzen Team oder auf Abteilungsbasis, die auch die besonderen Wünsche etwa von Eltern berücksichtigt. Sinnvoll kann es auch sein, mit einem Anwalt zu besprechen, inwieweit Unternehmer auf die Urlaubswünsche ihrer Mitarbeiter eingehen müssen und wo sie nicht mehr zuzustimmen brauchen, weil es den Betrieb vor Probleme stellen würde.

Betriebsferien allen Kunden rechtzeitig mitteilen

Eventuell bietet es sich sogar an, über das Thema Betriebsschließung nachzudenken. Wenn nächstes Jahr etwa zwischen dem letzten Oktoberwochenende und zwei freien Tagen am 31. Oktober und 1. November nur ein Arbeitstag liegt, dürften sich Lebensmittelgeschäfte freuen. Ob es sich aber lohnt, in einem Produktionsbetrieb nur für den Montag die Maschinen hochzufahren? Da sind fünf Tage Betriebsschließung von Samstag bis Mittwoch oder sogar neun von Samstag bis zum übernächsten Sonntag eventuell sinnvoller – und der Firmenchef kann sich auch mal eine Auszeit gönnen, in der er nicht zu viel verpasst.
Aber Achtung: Sollten Sie Ihren Betrieb wirklich ein paar Tage dichtmachen, müssen Sie das rechtzeitig umfassend bekannt geben oder einen Notdienst einrichten – wenn ein Kunde überraschend vor einer unerwartet verschlossenen Tür steht und sich darüber so richtig ärgert, beispielsweise auch während der Karnevalszeit, wird er nämlich schnell zum Ex-Kunden …

Frank Wiercks

ist Mitglied der Redaktion von TRIALOG, dem Unternehmermagazin für Mittelständler, Selbständige und Freiberufler. Außerdem arbeitet er für verschiedene Wirtschafts- und Managementmagazine. Zuvor war er unter anderem Chefredakteur von handwerk magazin und Markt und Mittelstand.