Personal & Führung

Bedarfsgerechte Angebote bringen den größten Nutzen

Den Betrieb familienfreundlich zu gestalten, ist nicht nur gut für das Betriebsklima – es bringt Unternehmern handfeste Rendite. Das zeigt eine neue Studie.

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Unternehmen sollten familienfreundliche Strukturen schaffen, weil das ihre Wettbewerbsfähigkeit stärkt – dieser Standpunkt ist nicht neu. Wenn die Rahmenbedingungen passen, gehen manche qualifizierte Fachkräfte vielleicht doch lieber nach Laufen/Oberbayern als nach London/England. Wer dafür sorgt, dass Frauen im Betrieb in Führungspositionen kommen, gibt durch ihre frischen Ideen neue Wachstumsimpulse. Wer Beschäftigte bei Problemen mit der Kinderbetreuung unterstützt, erhöht ihre Konzentrationsfähigkeit und Produktivität. Firmenchefs erkennen Familienfreundlichkeit als Wert, zeigt der „Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) – auch wegen der Förderung durch das zuständige Ministerium. Immer mehr Unternehmer entscheiden sich sogar dafür, selbst für die Betreuung von Mitarbeiterkindern zu sorgen.

Der Wert der Familienfreundlichkeit lässt sich beziffern

Bis auf den letzten Cent durchgerechnet sind solche Maßnahmen zur Familienfreundlichkeit selten. Welcher Firmenchef weiß schon, wie er die sogenannten weichen Faktoren in betriebswirtschaftliche Kennzahlen fassen soll? Wie bewertet man zufriedene und weniger gestresste Mitarbeiter, die dem Betrieb eng verbunden sind, seltener krank werden und früher aus der Elternzeit zurückkehren? Werden Unternehmer zu ihrem familienfreundlichen Engagement befragt, äußern sie sich oft erfreut über die Ergebnisse, ohne die finanziellen Vorteile mit Zahlen untermauern zu können. Das ist schade, denn natürlich lassen sich Kennzahlen herleiten, die nicht nur die Kosten, sondern auch den Nutzen familienfreundlicher Maßnahmen beziffern und einen betriebswirtschaftlichen Vorteil belegen. Der ist eindeutig vorhanden, wie eine aktuelle Studie des BMFSFJ zeigt.

Umgerechnet locken Renditen von bis zu 40 Prozent

Demnach erzielen Unternehmen schon mit den Klassikern der Familienförderung – feste Teilzeitmodelle, Home-Office, Kinderbetreuungsangebote – positive Renditen von bis zu 25 Prozent. Vor allem schlagen Kosteneinsparungen durch das Reduzieren von Fehltagen zu Buche. Gespart wird auch über kürzere Überbrückungslösungen, wenn etwa Elternzeitvertretungen nicht so lange dauern, weil Beschäftigte nach einer familienbedingten Pause schneller auf ihren Arbeitsplatz zurückkehren. „Im Status quo der betrachteten Unternehmen nehmen Eltern im Durchschnitt elf Monate Elternzeit in Anspruch, die Fehltagequote beläuft sich durchschnittlich auf 13 Fehltage – und sind damit deutlich geringer als in einem Unternehmen, das keine familienfreundlichen Angebote hat“, betont die Studie. Ein klarer betriebswirtschaftlicher Nutzen. Zudem wachsen laut Untersuchung mit familienfreundlichen Angeboten die Optionen der Mitarbeiter zur Arbeits- und Lebensgestaltung, was betriebswirtschaftliche Potenziale erhöht und die Renditen auf bis zu 40 Prozent anhebt.

Sprechen Sie mit den Mitarbeitern über deren Wünsche

So sehr die Zahlen Mut machen: Niemand muss sie für seinen eigenen Betrieb exakt erfassen. Die neue Studie ergab nämlich auch: Es kommt gar nicht darauf an, jede einzelne Kennzahl zu ermitteln oder in die neuesten innovativen Konzepte für Familienfreundlichkeit zu investieren. Betriebswirtschaftlichen Nutzen bringen schon die ganz herkömmlichen Angebote – und oft reichen sie aus, um die Mitarbeiter vollkommen zufriedenzustellen. Dafür müssen sie nur eines sein: in hohem Maß auf die Wünsche der Mitarbeiter zugeschnitten.
Fazit: Unternehmer sollten mit ihren Mitarbeitern über deren Wünsche reden, bevor sie die Familienfreundlichkeit angehen. Das ist wichtig, denn im Prinzip wollen die meisten Eltern zwar durchaus dasselbe – bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Form bedarfsgerechter Kinderbetreuungszeiten, mehr Zeit für die Familie, weniger Stress und Interessenkonflikte. Nur was dem jeweiligen Mitarbeiter dabei konkret am meisten hilft, kann im Einzelfall sehr unterschiedlich aussehen. Etwa so verschieden wie Familien und Menschen.

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Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter lady-godiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.