Wirtschaft & Recht

Fünf zusätzliche Tage an Arbeitsleistung für gleiches Geld

Der deutsche Feiertags-Flickenteppich beeinflusst Kosten - und Personalplanung: wenn etwa über Ländergrenzen pendelnde Mitarbeiter keine Kinderbetreuung haben.

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3. Oktober, das ist leicht zu merken: Am Tag der Deutschen Einheit haben die Bürger überall frei, bundesweit einheitlich – was nicht selbstverständlich ist. Wie die Übersicht zeigt, gibt es in den einzelnen Regionen zwischen neun und 14 gesetzliche Feiertage, abhängig von Bundesland und Kommune. Nur neun Tage gelten in ganz Deutschland. Für die übrigen hilft mir grob die Faustregel: Alles südlich des Weißwurstäquators hat frei, da katholisch. Aber es gibt natürlich Ausnahmen. Der Buß- und Bettag etwa wird nur in Sachsen gefeiert, ist das katholisch? Und Fronleichnam ist auch in Hessen ein Feiertag.

Regionale Feiertage und Bräuche beeinflussen Arbeitszeitvolumen

Überhaupt: Hessen. Mal abgesehen davon, dass die Karnevalstage in manchem Feiertagskalender fehlen, während andere sie aufführen – hier gab es für mich eine Überraschung. Ich muss dazusagen, dass ich lange in Nordrhein-Westfalen gewohnt habe, in Karnevalshochburgen. Hessen spielte in dem Zusammenhang für mich schlicht keine Rolle. Nie hätte ich mit Karneval in der Landeshauptstadt gerechnet. Und war entsprechend überrascht, als sich mit dem Heranwachsen der Kinder herausstelle: Hier in Wiesbaden zieht man nicht nur sonntags mit Pappnasen durch die Gegend – Kinder und manchmal sogar die Arbeitnehmer bekommen außerdem am Rosenmontag frei. So nett es auch sein mag, dass die Kinder frei haben – viele berufstätige Eltern wie mich stellt es vor Probleme, wenn sie plötzlich für eine alternative Kinderbetreuung sorgen müssen.

Bei Standortentscheidung an Sonn- und Feiertagszuschläge denken

Und genau das ist es, was Firmenchefs bedenken sollten: Feiertage können durchaus ein Standortfaktor sein. Je nach Branche und Bereich entgehen ihnen Umsätze, oder sie müssen mit zusätzlichen Kosten etwa durch Sonn- und Feiertagszuschläge kalkulieren. Zwar dürfte die Verlegung eines Betriebs wegen zu vieler Feiertage am aktuellen Standort nur für wenige Unternehmen infrage kommen. Aber in die Entscheidung über neue Standorte sollten entsprechende Überlegungen schon einfließen. Wichtig ist es, frühzeitig mit dem Steuerberater die Berechnung der Zusatzbelastung zu klären. Und ohne eine Stadt schlechtreden zu wollen – viele Unternehmer dürften sich schon fragen, ob es wirklich unbedingt Augsburg sein muss – hier kommen zu neun bundesweiten Feiertagen noch drei bayerische, ein südbayerischer und einer, den es nur hier gibt, das Friedensfest.

Feiertage der Bundesländer bei Urlaubsplanung berücksichtigen

Wichtig ist das Thema übrigens nicht nur für die Standortplanung, sondern auch für das Tagesgeschäft. Wenn ein Betrieb nahe der Grenze zu einem anderen Bundesland liegt und die Verkehrsanbindung gut ist, kann es passieren, dass viele Mitarbeiter aus einem Land mit wenigen Feiertagen in eines mit vielen pendeln oder umgekehrt. Dann ist es gut, sich rechtzeitig Gedanken über die Schicht- und Urlaubsplanung zu machen, denn manche Beschäftigte könnten Probleme mit der Kinderbetreuung bekommen, wenn sie arbeiten müssen, Schulen, Kitas und Kindergärten am Wohnort aber feiertagsbedingt geschlossen sind. Vor allem Brückentage sollten besprochen werden.

Niedrige Hebesätze können eine Betriebsverlagerung rechtfertigen

Natürlich kann man die Standortoptimierung über das Thema Feiertage hinaus weitertreiben und zudem die unterschiedlichen Hebesätze berücksichtigen. Das nordrhein-westfälische Monheim gelangte zu Ruhm, weil es den Hebesatz von 435 auf 300 Punkte senkte und nun schuldenfrei ist. In manchen Gewerbegebieten sparen Betriebe schon dann Steuern, wenn sie auf die andere Straßenseite und damit die Kommune wechseln. Fragen Sie mal Ihren Steuerberater, und bevor Sie umziehen, vielleicht noch mal den Bürgermeister, ob sich eventuell bald was beim Hebesatz tut. Die Kommunen sehen sich da durchaus in einem Senkungswettbewerb, sodass der günstigere Standort es vielleicht bald gar nicht mehr ist. Dann könnten Sie sich die Kosten für die Umsiedlung natürlich sparen.

Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter ladygodiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.