Personal & Führung

Wer nicht genug lobt, sorgt für steigende Fehlzeiten

Sind Mitarbeiter häufig krank, ist daran oft der Chef mit mürrischem Verhalten und einsamen Entscheidungen schuld. Wer auf ein gutes Betriebsklima achtet, fördert die Gesundheit der Beschäftigten.

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Gesund essen, ausreichend trinken, regelmäßig Sport. Dazu den Alkoholgenuss einschränken und mit dem Rauchen aufhören. Auf diese Weise achtet so mancher auf seine Gesundheit – oder hat es zumindest vor. Viele tun auch etwas gegen Stress – das ist sinnvoll, weil er längst als mögliche Krankheitsursache erkannt ist. Doch was passiert, wenn der Chef die Mitarbeiter krank macht? Ja, genau: Sie. Oder genauer: die von Ihnen geprägte Unternehmenskultur. Die lässt nicht selten die Beschäftigten erkranken, betont der diesjährige Fehlzeitenreport der AOK.

Viel Kontrolle und wenig Lob machen die Mitarbeiter krank

Was an schlechten Unternehmenskulturen kritisiert wird, lässt sich getrost als Klassiker im negativen Sinne bezeichnen: Zu wenig Lob und Motivation, zu viel Kontrolle, fehlende Eigenverantwortung, ungerechte Bezahlung – all das nagt der Studie zufolge weit mehr an den Menschen als gelegentlicher Stress oder Überstunden. Wer sich dagegen in seiner Firma wohlfühlt, sich mit ihren Zielen identifiziert und spürt, dass sein Arbeitgeber loyal hinter ihm steht, wird deutlich seltener krank. Das gilt nicht nur für psychische Leiden, sondern interessanterweise sogar noch etwas mehr für körperliche Beschwerden.

Fehlzeiten von über zwei Wochen sind dann keine Seltenheit

Für den Report befragten die Studienautoren bundesweit gut 2.000 Beschäftigte zwischen 16 und 65. Mehr als jeder Vierte, der über eine schlechte Unternehmenskultur im Betrieb klagte, war auch unzufrieden mit der eigenen Gesundheit. Bei den Arbeitnehmern, die die Firma positiv bewerteten, lag dieser Wert unter zehn Prozent. Von denen, die die Betriebsatmosphäre kritisierten, litten zwei Drittel an körperlichen Beschwerden im Zusammenhang mit der Arbeit wie Rückenschmerzen oder Müdigkeit – doppelt so viele wie in der Gruppe, die keine Kritik übte. Ähnliches ergab die Studie bei psychischen Problemen: Hier waren es 65,1 zu 35,8 Prozent. Kaum verwunderlich, dass in Betrieben mit als schlecht empfundener Unternehmenskultur doppelt so viele Beschäftigte auf Fehlzeiten von mehr als zwei Wochen kamen als in gut bewerteten Firmen.

Kosten für Ausfallzeiten und Rehabilitation verhageln die Bilanz

Zwar wird das Betriebsklima der kleinen Mittelständler generell gelobt. Trotzdem sollten Sie die Studie zum Anlass nehmen, selbstkritisch zu prüfen, wie es um die Stimmung in Ihrem Unternehmen bestellt ist. Fehlzeiten sowie Leistungsbeeinträchtigungen durch Krankheit verursachen bis zu 15 Prozent an zusätzlichen – vermeidbaren – Personalkosten, zitiert der „Tagesspiegel“ den Bielefelder Gesundheitswissenschaftler Bernhard Badura. Auch kleine Betriebe leiden statistisch gesehen unter langen Fehlzeiten. Daher liegt es in Ihrem wirtschaftlichen Interesse, dass die Stimmung im Betrieb wirklich so gut ist, wie Sie glauben oder hoffen – sollte dem nicht so sein, könnten die Kosten für Ausfallzeiten oder Rehabilitation Ihnen früher oder später die Bilanz verhageln.

Darum sollten Chefs mehr loben und Glücksfaktoren messen

Dem können Sie auf vielfältige Weise vorbeugen. Worauf es neben gesundheitlichen Präventionsmaßnahmen besonders ankommt, dazu gibt die Studie gute Tipps. Der Firmenchef sollte hinter seinen Beschäftigten stehen und sie für gute Arbeit auch loben. Die Mitarbeiter sollten Einfluss auf wichtige Entscheidungen nehmen können, Veränderungen mit den betroffenen Personen oder Gruppen abgesprochen werden. Auch gute freiwillige Sozialleistungen nannten 62,3 Prozent der Befragten als wichtig. Zu den Tipps, die „Zeit“ und „Deutsche Handwerkszeitung“ ihren Lesern fürs gute Chefsein geben, gehören neben klaren Spielregeln und klarer Rollenzuweisung auch ein konstruktiver Umgang mit Fehlern und allgemein menschliche Verträglichkeit und Freundlichkeit. Auch hier konnten Sie ja schon lesen, dass Sie Ihre Mitarbeiter loben und ihnen danken sollen. Von Glücksfaktoren und wie sich die im Unternehmen messen lassen, war ebenfalls schon die Rede.
Sie können also viel Gutes bewirken – für Ihre Mitarbeiter und auch sich selbst und Ihr Unternehmen.

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Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter lady-godiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.

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