Steuern & Finanzen

Seien Sie bei Ihren Zahlen nur so transparent wie unbedingt nötig

Viele Betriebe boykottieren die gesetzlich vorgeschriebene Veröffentlichung ihrer Zahlen im eBundesanzeiger. Das kann teuer werden. Besser wäre es, exakt das Geforderte zu publizieren und nicht mehr.

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Man könnte es Starallüren nennen: So mancher namhafte Mittelständler ist bekannt dafür, keine Geschäftszahlen im eBundesanzeiger zu veröffentlichen, etwa die Unternehmensberatung Roland Berger. Das kann teuer werden, denn für gut 1,1 Millionen Kapitalgesellschaften in Deutschland gilt die Publizitätspflicht. Bei Verstößen droht ein Ordnungsgeld. Die Strafe kann für Wiederholungstäter empfindlich hoch ausfallen, betont das Bundesamt für Justiz (BfJ) – wohl auch, um dem Trend entgegenzuwirken, dass immer mehr Betriebe die geforderten Zahlen für sich behalten. 2015 wurden 190.000 Unternehmen dafür abgemahnt, dass sie die Daten nicht rechtzeitig ein Jahr nach Ende des Geschäftsjahres offengelegt hatten. 55.000 beeindruckte das nicht – sie ließen auch die Nachfrist verstreichen und leisteten lieber Strafzahlungen in Höhe von 81 Millionen Euro. Mehr Veröffentlichungsverweigerer gab es nur 2008, als das BfJ die Veröffentlichung der Geschäftszahlen erstmals in einem einheitlichen Onlineportal einforderte und systematisch überprüfte.

Falschangaben sind ein Vorsatzdelikt und damit strafbar

„Markt und Mittelstand“ warnt Firmenchefs jetzt vor Tricks. Sie sollten beispielsweise nicht – angeblich versehentlich – eine zu kleine Größenklasse für ihr Unternehmen anklicken. Erst recht indiskutabel wäre es natürlich, falsche Zahlen einzugeben – das ist ein Vorsatzdelikt und damit strafbar. Für Gesellschaften, die nur noch auf dem Papier existieren, etwa aus steuerlichen Gründen oder weil sie abgewickelt werden sollen, besteht das Risiko, dass der formelle Geschäftsführer mit dem ersten verhängten Ordnungsgeld eine Insolvenzverschleppung begeht. Alles sehr unerfreuliche Perspektiven, weshalb „Markt und Mittelstand“ dazu rät, lieber die Bilanz auszulagern.

Viele Unternehmer veröffentlichen aus Unkenntnis zu viel

Man könnte natürlich auch einfach die geforderten Angaben machen, es sind gar nicht so viele wie oft gedacht. Es ist aber wichtig, das Thema erst mit dem Steuerberater zu besprechen und gemeinsam die Daten aufzubereiten. Eine Studie hat ergeben, dass gerade die sonst so verschwiegenen Mittelständler beim Offenlegen ihrer Bilanzen – wohl aus Unkenntnis – über das Ziel hinausschießen. Wer nicht zu den Verweigerern aus Prinzip zählt, scheint kurz vor dem Abgabetermin hektisch alle möglichen Zahlen zusammenzukratzen und dem eBundesanzeiger zu schicken – und dabei mehr Informationen als gefordert zu liefern. Presseberichten zufolge meldeten etwa grundlos 100.000 Unternehmen den Posten „Nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag“ – dies könnte bedeuten, dass Banken die Kredite verteuern oder Lieferanten die Konditionen neu verhandeln. Ebenfalls durch die Presse ging der Fall einer Sanitärfirma, der ein Konkurrent mithilfe von im eBundesanzeiger veröffentlichten Daten gute Mitarbeiter abgeworben hatte – kein großes Ding mehr, nachdem sie Angaben zu Stundensätzen und anderen Daten der Beschäftigten ins Netz gestellt hatte, wozu es natürlich keine Veranlassung gab.

Transparenz und Offenlegung müssen genau geplant werden

Der beste Rat mit Blick auf die Transparenz in Sachen Finanzdingen wird sein: Kümmern Sie sich rechtzeitig. Nehmen Sie sich Zeit dafür. Machen Sie es richtig. Lassen Sie sich vom Steuerberater genau erklären, was Sie angeben müssen und was nicht. Geht Ihnen die geforderte Transparenz dann tatsächlich zu weit, können Sie Ihren Berater gleich danach zu alternativen Strategien befragen. Und falls Sie in Ihrem kleinen Firmenreich tatsächlich irgendwo einen dieser nicht mehr oder derzeit nicht benutzten Unternehmensmäntel haben, fragen Sie Ihren Steuerberater oder Anwalt am besten gleich, wie mit dessen Offenlegungspflichten umzugehen ist.

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Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter lady-godiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.

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