Personal & Führung

Lohnen sich Mitarbeiter auf Zeit für Ihren Betrieb künftig noch?

2017 treten Gesetzesänderungen zur Zeitarbeit in Kraft. Daher sollten Sie Ihre Personalplanung hinterfragen. Am besten jetzt, damit Sie keine böse Überraschung erleben, wenn ein akuter Personalengpass droht.

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Zeitarbeit Arbeiternehmerueberlassung Leiharbeit Befristung Arbeitsrecht Betriebsgroesse Tarifvertrag VollzeitarbeiternehmerFür die meisten Unternehmen sind Zeitarbeiter ein klassischer Puffer: Dieses von Dienstleistern überlassene Personal kommt in der Regel bei Auftragsspitzen zum Einsatz, wird manchmal allerdings auch über längere Strecken beschäftigt, entsprechend spezieller gesetzlicher Vorgaben. Über deren Reform wurde seit Jahren gerungen. Vor kurzem beschloss die Bundesregierung nun eine Neuregelung. Sie soll 2017 in Kraft treten. Wer häufiger oder längerfristig Zeitarbeiter einsetzen will, muss sich auf Änderungen einstellen. Gleich vorweg: Die ganze Sache ist nicht unkompliziert – und einige wichtige Punkte hängen davon ab, ob ein Unternehmen direkt oder indirekt tarifgebunden ist. Eventuell betroffene Firmenchefs sollten unbedingt mit ihrem Anwalt klären, was sie künftig beachten müssen und ob sich Fallen für sie auftun.

Nehmen Sie den Gleichbezahlungsgrundsatz ernst

Beispielsweise sind Einsätze künftig für sechs statt wie bislang drei Monate zu unterbrechen, um zu vermeiden, dass für den jeweiligen Zeitarbeiter die gesetzlich zulässige Höchstüberlassungsdauer überschritten wird. Die wiederum kann variieren und beträgt höchstens 24 Monate – in vielen Unternehmen wird sie ab nächstem Jahr aber wohl auf die eigentlich gesetzlich vorgesehenen 18 Monate begrenzt sein. Nicht ganz ohne ist auch der im Gesetz festgeschriebene Gleichbezahlungsgrundsatz „equal pay“. Mit dem Anwalt darüber reden sollte, wer seinen Mitarbeitern zusätzliche oder freiwillige Vergütungsbestandteile zahlt. Im Gesetz steht nicht genau drin, was mit „equal pay“ gemeint ist, welche Lohn- und Gehaltsbestandteile also betroffen sind. Dies zu interpretieren, sollte man besser einem Experten überlassen.

Achten Sie auf Änderungen bei der Betriebsgröße

Wichtig zu wissen ist auch: Zeitarbeiter zählen künftig als reguläre Mitarbeiter – ihr Einsatz kann dazu führen, dass ein Unternehmen bestimmte Grenzen überschreitet, unter denen es bisher noch liegt. Diese Betriebsgrößengrenzen sind von enormer Tragweite, sowohl arbeits- und tarifrechtlich wie auch steuerlich. So greift beispielsweise der reguläre Kündigungsschutz erst, wenn eine Firma regelmäßig mehr als zehn Vollzeitarbeitnehmer oder eine entsprechende Zahl an Teilzeitarbeitnehmern beschäftigt. Ab 2017 müssen bei der Berechnung die Zeitarbeiter berücksichtigt werden.

Überdenken Sie Ihre komplette Personalplanung

personalmanagementsystemeDie verschiedenen Gesetze rund um die Arbeitnehmerüberlassung regeln vieles neu. Vielleicht kommen Sie ja mit Blick auf die anstehenden Änderungen zu dem Schluss, dass Sie die Leute künftig gleich selbst anstellen können – das mag durchaus Vorteile haben, wenn Sie an Dinge wie Teamzugehörigkeitsgefühl, Einsatzfreude oder Loyalität denken. In jedem Fall sind die Änderungen ein guter Grund, die Personalplanung zu überdenken – damit Sie nicht vor überraschenden Problemen stehen, wenn ein akuter Personalengpass droht. Am besten machen Sie sich sofort ans Werk – der September ist traditionell ein guter Monat zur Personalplanung. Führen Sie sich auch die vielen arbeitsrechtlichen Fristen zu Gemüte, und wägen dann nach Rücksprache mit Anwalt und Steuerberater ab, ob und in welchem Umfang Sie künftig Zeitarbeiter einsetzen oder zusätzliche Stellen schaffen.

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Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter lady-godiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.