Steuern & Finanzen

25 Milliarden Euro Steuern zu viel für Pensionsrückstellungen

Der Fehler steckt im System und ist bekannt: Ein fiktiver Zinssatz bewirkt, dass Unternehmen bei ihren Pensionsrückstellungen über Gebühr mit Steuern belastet werden. Neue Zahlen belegen, dass die Reformbemühungen der Bundesregierung nicht ausreichen.

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Problem erkannt, Problem gebannt? Nicht ganz. Zwar beklagen Experten: Pensionsrückstellungen von Unternehmen werden angesichts der anhaltenden Niedrigzinsphase deutlich zu hoch besteuert. Die Bundesregierung brachte im Frühjahr jedoch lediglich eine kleine Entlastung auf den Weg – unter anderem wurde der Zeitraum zur Berechnung des Durchschnittszinssatzes von sieben auf zehn Jahre verlängert, obwohl der Bundesrat 15 Jahre gefordert hatte. Offenbar wissen viele Politiker nicht, wie enorm die Betriebe belastet sind – oder wollen nicht auf die zusätzlichen Steuereinnahmen verzichten. Denn es geht um eine Menge Geld, so aktuelle Berechnungen: Bis zu 25 Milliarden Euro hätten die Unternehmen in den vergangenen Jahren zu viel an die Finanzämter überweisen müssen, berichtet das Magazin „Finance“.

Unternehmen zahlten bisher 25 Milliarden Euro zu viel

Der Grund liegt darin, dass für verschiedene Bilanzen unterschiedliche Zinsen festgeschrieben sind. Der für die Ermittlung der steuerlichen Werte seit 1981 geltende Zins ist mit sechs Prozent deutlich höher als sowohl die für die Handelsbilanz nach HGB wie auch nach internationalem Rechnungslegungsstandard IFRS geforderten Werte. Der Fiskus geht rechnerisch von einem höheren späteren Ertrag aus, als seit Jahren am Markt zu erzielen ist, und bewertet Pensionsrückstellungen damit geringer, als sie sind. Daraus folgt, dass die steuerliche Bemessungsgrundlage größer ist – und das wiederum erhöht die Steuerbelastung auf den genannten Mehrbetrag von bis zu 25 Milliarden Euro. Unternehmer haben hier kaum Spielraum. Sie könnten zwar die Pensionsansprüche aus der Bilanz auslagern, etwa über einen Pensionsfonds. Wegen der Kosten wäre das aber wohl die Wahl zwischen Pest und Cholera.

Bei den Pensionsrückstellungen gibt es wenig Spielraum

Neben der konkreten Belastung für die Betriebe hat das Thema eine weitere Dimension – es ist symptomatisch dafür, wie Unternehmen öffentlich wahrgenommen werden. Regelmäßig heißt es, sie könnten „alles absetzen“ und zahlten „praktisch keine Steuern“. Dabei erzählen Firmenchefs eine ganz andere Geschichte. Zahlreiche der bis vor ein paar Jahren existierenden – und für die betriebliche Praxis sinnvollen – Gestaltungsmöglichkeiten hat die Bundesregierung peu à peu zusammengestrichen. Manches ließ sich von jeher schlechter ansetzen, etwa Bewirtungsbelege – die können Unternehmer zu 70 Prozent, Angestellte dagegen voll als Betriebsausgabe beziehungsweise Werbungskosten steuerlich geltend machen. Bei der Gewerbesteuer wird sogar das Prinzip verletzt, Unternehmer nach ihrer Leistungsfähigkeit zu besteuern, indem zusätzlich zu den Einnahmen auch Betriebsausgaben mit Gewerbesteuer belegt werden – mit höchstrichterlichem Segen vom Bundesverfassungsgericht. Praktisch keine Steuern zahlen nur internationale Konzerne durch großzügigen Verrechnungsspielraum. Der Mittelstand trägt dagegen durchaus seinen Teil zur Finanzierung des Staatshaushaltes bei.

Nicht die betriebliche Altersvorsorge vernachlässigen

Vielleicht sollten die Inhaber kleiner und mittlerer Betriebe diese Geschichte mal laut und deutlich erzählen, etwa bei Politikern und in Diskussionsrunden. Nur eins sollten sie nicht: sich davon abhalten lassen, eigene Programme zur betrieblichen Altersvorsorge anzubieten, für die Steuerberater gute individuelle Lösungen zusammenstellen können. Denn so etwas wird immer wichtiger, um gefragte Fachkräfte zu finden oder zu binden, wie ein sehenswerter Beitrag in TRIALOG.tv zeigt.

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Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter lady-godiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.

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