Personal & Führung

Weniger tödliche Arbeitsunfälle, aber mehr Berufskrankheiten

Gefährdungsbeurteilungen, Sicherheitsunterweisungen und persönliche Schutzausrüstungen haben die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle deutlich sinken lassen. Jetzt macht eine Verordnung der EU neue Vorgaben. Unternehmer sollten dies mit ihrem Anwalt besprechen.

Teilen auf

LinkedIn Xing Whatsapp

Manchmal ist weniger mehr – und eine gute Nachricht. Im vergangenen Jahr ging die Zahl der Arbeitsunfälle um 0,5 Prozent auf 865.500 zurück. Noch besser sah es 2015 bei den Todesfällen aus: 438 Menschen kamen bei der Arbeit ums Leben, fast zehn Prozent weniger als im Jahr davor. Dass zugleich fast acht Prozent mehr Anzeigen auf Verdacht einer Berufskrankheit bei Berufsgenossenschaften und Unfallkassen eingingen, könnte dagegen alarmieren. Doch Joachim Breuer, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, ordnet die Tatsache in „handwerk magazin“ sachlich ein: „Die Zunahme erklärt sich im Wesentlichen dadurch, dass 2015 vier neue Berufskrankheiten in die Berufskrankheitenliste aufgenommen wurden.“ Das wiederum ist eine gute Nachricht: Werden Gesundheitsgefährdungen als solche erkannt und offiziell anerkannt, erscheinen sie in der Statistik und treiben die Zahlen nach oben – vor allem aber lassen sich Gefahrenquellen durch Präventionsmaßnahmen im Betrieb beseitigen, auch mit Unterstützung der Berufsgenossenschaften.
Arbeitsunfall Statistik Entwicklung Arbeitssicherheit Arbeitsschutz

Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit sind sehr hoch

Um den Arbeitsschutz ist es hierzulande also offenkundig recht gut bestellt. Dass sich jemand zu Tode arbeitet wie in Japan, hat bisher noch nicht für Schlagzeilen gesorgt. Und 438 Tote bei Arbeitsunfällen sind – auch wenn jeder einzelne Fall natürlich einer zu viel ist – eine vergleichsweise kleine Zahl. Im gleichen Zeitraum starben auf deutschen Straßen fast 3.500 Menschen. Aber diese relativ gute Bilanz kommt nicht von ungefähr: Die meisten Firmenchefs nehmen ihre Verantwortung für das Wohl der Mitarbeiter wahr, indem sie auf ausreichende Sicherheitsmaßnahmen achten und entsprechende Ausrüstung stellen, auch wenn das kostet. Sogar Praktikanten oder Ferienjobber kommen bei ihm nur mit kompletter persönlicher Schutzausrüstung (PSA) aufs Dach, erklärte Unternehmer Joachim Kreuz mal an dieser Stelle. Eine vorbildliche Einstellung. Denn 90 Prozent der tödlichen Arbeitsunfälle, gerade am Bau, entstehen durch Fehler der Beteiligten, vor allem Stürze. Aufklärung sowie Ausstattung durch den Firmenchef auf Basis einer soliden Gefährdungsbeurteilung können hier viel Unheil verhindern und sogar eine Sicherheitskultur im Betrieb verankern, wie ein informativer Beitrag in TRIALOG.tv zeigt.

EU-Richtlinie für persönliche Schutzausrüstung (PSA)

Dass ein so wichtiges Thema hierzulande keinen Niederschlag in Gesetzen oder Verordnungen findet, ist jedoch unabhängig vom großen Engagement vieler Unternehmer kaum vorstellbar. Und daher sollte sich jeder Firmenchef über die seit kurzem geltende neue PSA-Verordnung der Europäischen Union informieren, die die PSA-Richtlinie 89/686/EWG ersetzt. Sie gilt in erster Linie für die Hersteller von persönlichen Schutzausrüstungen, aber auch deren Kunden müssen darauf achten, bei Ausstattung und Information ihrer Mitarbeiter die aktuellen Anforderungen zu erfüllen. Betroffen von den Änderungen sind sowohl die Unterweisungen der Beschäftigten als auch konkrete Produkte, die der Arbeitssicherheit dienen, etwa Rettungswesten oder Gehörschutz. In der nun zwei Jahre laufenden Übergangszeit sollten Firmenchefs mit ihrem Anwalt darüber reden, inwieweit sie betroffen sind und was sie tun sollten. Informationen gibt es auch bei der zuständigen Berufsgenossenschaft.

Hat Ihnen der Beitrag gefallen?

Frank Wiercks

ist Mitglied der Redaktion von TRIALOG, dem Unternehmermagazin für Mittelständler, Selbständige und Freiberufler. Außerdem arbeitet er für verschiedene Wirtschafts- und Managementmagazine. Zuvor war er unter anderem Chefredakteur von handwerk magazin und Markt und Mittelstand.

  • Schwerpunktthemen
  • Trialog-Newsletter

    Sie möchten künftig keine wichtigen Tipps für Ihr Unternehmen verpassen?
    Mit dem kostenlosen Newsletter halten wir Sie auf dem Laufenden.

  • Experten-Suche

    Kein einfaches Thema!
    Am besten hilft ein steuerlicher Berater! Sie haben noch keinen? Dann können Sie auf DATEV SmartExperts nach den passenden Experten suchen.

    Ich suche








  • Auf Facebook mitdiskutieren

    Sie möchten das Thema vertiefen?
    Dann werden Sie gerne Fan und beteiligen sich an der Diskussion auf unserer Facebook-Fanpage

    Jetzt TRIALOG-Fanpage besuchen

  • DATEV im Web
    YouTube LinkedIn