Technologie

Die WhatsApp-Verschlüsselung ist ein Anfang, kein Allheilmittel

Zwar werden Inhalte geschützt, aber weiter Metadaten gesammelt – über Messaging-Dienste sollten keine vertraulichen Informationen ausgetauscht werden. Betriebliche Daten sollten über ordentlich gesicherte Systeme verschickt werden, statt auf US-Servern zu landen.

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Klingt klasse: Alle über WhatsApp verschickten Nachrichten werden jetzt automatisch verschlüsselt. Niemand kann mehr mitlesen, weder der Anbieter des Programms noch staatliche Spitzel, etwa die US-Abhörkrake NSA. Und ein aktueller Test des IT-Fachverlags Heise zeigt: Es funktioniert wirklich. Andere Messaging-Dienste oder soziale Netzwerke könnten und sollten unter Druck kommen, wenn Kunden zunehmend diesen Kommunikationskanal wählen, meint Jürgen Schmidt, Chefredakteur von Heise Security. Schließlich würden Microsoft bei Skype, Facebook beim Messenger oder Google bei Hangouts hemmungslos schnüffeln und dort Inhalte auf für ihre Marketingaktivitäten interessante Informationen durchsuchen. Sein Appell: „Jetzt ist es an uns, zu zeigen, dass uns unsere Privatsphäre wichtig ist. Das tun wir am besten, indem wir den anderen deutlich zeigen: ‚Drunter machen wir es nicht mehr.‘“

Metadaten können an Dritte weitergegeben werden

e-mail-verschluesselungAllerdings müssen für die sichere Kommunikation bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein: So funktioniert das Ganze beispielsweise nur, wenn beide Gesprächspartner die neueste WhatsApp-Version installiert haben. Zusätzlich muss der Nutzer die Funktion in den Einstellungen des Smartphones aktivieren, wie vom Computermagazin Chip beschrieben. Außerdem betont Spiegel Online, dass die Verschlüsselung nur für die Inhalte einer Konversation gilt, nicht aber für die sogenannten Metadaten, die in diesem Zusammenhang anfallen – wer also wann mit wem Kontakt hat, wird sehr wohl erfasst, gespeichert und eventuell an Dritte weitergegeben: „Für Geheimdienste sind Metadaten oft sowieso die wertvolleren Daten: Mit ihnen lassen sich beispielsweise Kommunikations-Netzwerke aufdecken – und WhatsApp-Gruppen machen es besonders leicht, herauszufinden, wer mit wem in Verbindung steht.“

App greift auf vertrauliche Informationen zu

Besonders kritisch sehen Experten unabhängig von der als positiv betrachteten Verschlüsselung, dass WhatsApp die Nummern der Kontakte auf dem Telefon ausliest und zur WhatsApp-Kontaktliste hinzufügt. Außerdem verlangt die App bei der Installation weitreichende Rechte auf dem Smartphone. Peter Burgstaller, Professor für IT- und IP-Recht an der Fakultät für Informatik, Kommunikation und Medien der FH Oberösterreich, meint deshalb sogar, das Programm ist illegal. Seine Kritik: Die App greife auf das Telefonbuch der Nutzer zu und verschaffe sich so Informationen zu Personen, die den Dienst selbst gar nicht nutzen. Darüber hinaus müsse WhatsApp – da die Server in den USA stehen – eigentlich mit jedem Nutzer einen Vertrag schließen, der den Datentransfer dorthin regelt, und die Vereinbarung zusätzlich von den nationalen Datenschutzbehörden genehmigen lassen.

WhatsApp ersetzt keine kaufmännische Software

Also: Verschlüsselung ist gut, löst aber nicht alle Datenschutzprobleme beim Nutzen so einer App. Für mich ist es daher undenkbar, auf diesem Weg wichtige Gespräche über Verträge zu führen oder sensible Unternehmensdaten auszutauschen. Dass Firmenchefs DATEV Unternehmen online Digitaler Belegaustauschaus Bequemlichkeit mit Geschäftspartnern oder Dienstleistern etwa via WhatsApp kommunizieren, verstehe ich nicht – Datenschutz und Datensicherheit sollten immer höchste Priorität haben, zumal wenn es eventuell um Daten unbeteiligter Dritter geht. Außerdem kann ich in diesem Kanal keinen Vorteil für den Austausch von betriebswirtschaftlichen Zahlen oder das Unterbreiten von Angeboten erkennen. Eigentlich ist es doch besser, sie in einer dafür entwickelten Software zu erstellen, zu speichern und weiterzuverarbeiten – und dann aus diesem System gut verschlüsselt per E-Mail oder über seriöse Cloud-Dienstleister mit Standort Deutschland an den Empfänger zu schicken, statt per WhatsApp einen Umweg über die USA zu machen. Falls Sie darüber noch nicht nachgedacht haben sollten: Sprechen Sie doch mal mit Ihrem Anwalt über die Anforderungen der neuen europäischen Datenschutz-Grundverordnung – und mit Ihrem Steuerberater über sinnvolle kaufmännische Lösungen, die eine sichere Digitalisierung der Büroarbeit ermöglichen.

Frank Wiercks

ist Mitglied der Redaktion von TRIALOG, dem Unternehmermagazin für Mittelständler, Selbständige und Freiberufler. Außerdem arbeitet er für verschiedene Wirtschafts- und Managementmagazine. Zuvor war er unter anderem Chefredakteur von handwerk magazin und Markt und Mittelstand.