Technologie

M-Commerce boomt, E-Business wird für alle zur Pflichtübung

Nicht nur für Onlinehändler sind Apps und für Mobilgeräte optimierte Webseiten enorm wichtig. Jeder Unternehmer sollte prüfen, wie er die Chancen nutzen kann, die Digitalisierung und Internet eröffnen. Mit etwas Veränderungsbereitschaft lassen sich Kundenservice und interne Prozesse sehr verbessern.

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Solche Schlagworte erfreuen Unternehmer: Umsatzverdoppelung; treibender Motor; Höchstwert; beeindruckende Quote. In diesem Fall geht es um die Untersuchung des Centre for Retail Research und des Gutscheinportals Retailmenot zum Mobile Commerce in Deutschland. Die Kernaussagen: Mit einem Onlineumsatz von 52,79 Milliarden Euro – 23,1 Prozent mehr als im Vorjahr – erzielte der Handel 2015 einen Höchstwert und lag beim Verhältnis Online- zu Gesamtumsatz international hinter Großbritannien und den USA auf Platz drei. Der Mobile Commerce verdoppelte sich sogar. Weil statistisch gesehen jeder vierte Euro im E-Commerce via Smartphone oder Tablet umgesetzt wird und jeder zweite deutsche Onlineshopper über mobile Endgeräte eingekauft hat, sagt Karina Spronk, Leiterin Partner Management Deutschland bei Retailmenot: „Der mobile Handel hat sich zum treibenden Motor im deutschen E-Commerce entwickelt.“

Mobile Commerce verzeichnet rasante Zuwachsraten

Zugegeben: Für die Erkenntnis, dass E-Commerce und vor allem M-Commerce massiv auf dem Vormarsch sind, brauche ich solche Studien eigentlich nicht. Dafür muss ich mich nur in meinem direkten Umfeld umsehen. Ich selbst kaufe zwar nicht unterwegs via Smartphone ein, aber immer mehr Bekannte haben damit begonnen. Und zum schnellen Preisvergleich habe auch ich schon das Mobilgerät gezückt. Interessant ist in diesem Zusammenhang übrigens Spronks Analyse, der stationäre Handel profitiere vom M-Commerce-Ausbau, weil lokale Händler „das omnipräsente Smartphone“ für sich nutzen wollten. Stimmt irgendwie: Wenn der Elektronikmarkt meines Vertrauens wieder mal eine attraktive Onlineaktion startet, steigt bei mir das Bedürfnis, auch im Laden vorbeizuschauen.

M-Commerce erhält durch Plattformen neuen Schub

Apropos schauen: Ich empfehle, sich diese Studien anzusehen, auch wenn sie vermeintliches Allgemeinwissen transportieren. Tatsächlich geht es weniger um eine aktuelle Bestandsaufnahme als um Trends, die sich aus Zahlen – und der Entwicklung DATEV Produktbox Mobile Commerce CeBITneuer Technologien – ableiten lassen. Wer die richtigen Schlussfolgerungen zieht und seine Marketing- oder Vertriebsstrategie darauf ausrichtet, sichert sich einen Wettbewerbsvorteil. Zur Popularität des M-Commerce haben intuitives Shoppingerlebnis, attraktive Shopping-Apps und leichtere mobile Zahlungsmöglichkeiten beigetragen. Künftige Treiber könnten neue Plattformen sein, so die Internetworld. Swipy und Swipybay etwa kombinierten die von der Dating-App Tinder bekannte Auswahl per Wischen über den Monitor mit Services und Funktionen für M-Commerce. „Swipy verbindet das Tinder-Prinzip mit der Suche nach Klamotten“, wird Mitgründer Benjamin Bilski zitiert. „Swipybay nutzt das Prinzip zum Stöbern im eBay-Angebot.“ Chatshopper integriert Nachrichtendienste wie Whatsapp und Facebook Messenger. „Kunden schreiben uns dort, was sie brauchen, wir schlagen ihnen Passendes vor“, erklärt Antonia Ermacora den Service. Auch kleine Händler könnten über solche Wege ein großes Publikum erreichen – und vor allem jüngere Zielgruppen.

Auf Trends bei Apps und mobilem Internet achten

Das ist wichtig, denn die Auswirkungen des mobilen Internets sind laut „Mobile Effects“-Studie der Forward Ad Group enorm. Horizont hat die Ergebnisse in informative Grafiken gepackt. Interessant auch die Trends, die bei der CeBIT zum M-Commerce vorgestellt wurden, etwa „M-Commerce meets persönliche Beratung“. Zudem erwarten Experten, dass mobile Assistenten wie Microsofts Cortana, Apples Siri oder Google Now durch autonome Kaufalgorithmen automatisch Shoppingentscheidungen für den Besitzer eines Mobilgeräts treffen könnten. Ebenso wichtig: Das mobile Web scheint beim Einkaufen populärer als Apps zu sein. Die App-Nutzung beschränke sich vor allem auf die großen Marken. Insgesamt werde nicht einmal ein Drittel der mobilen Umsätze über die Apps der Händler erzielt. Wer sich nicht beides leisten kann, sollte also genau prüfen, ob er besser in eine eigene App oder die Optimierung seiner Homepage für Mobilgeräte investiert. Dazu passt die Erkenntnis, dass manche Menschen exzessiv Apps nutzen, andere dafür kaum oder gar nicht.
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E-Business wird für alle Unternehmer zur Pflichtübung

Falsch wäre es übrigens, das Thema „Mobiles Internet“ auf M-Commerce und die Verkaufsbemühungen von Händlern zu beschränken. Die Ergebnisse der Studie „Mobile Effects“ zeigen, dass die Mobilgeräte in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind und neben dem Einkaufs- auch generell das Arbeitsverhalten verändern werden – den Einsatz der richtigen Technologie vorausgesetzt. Service und Beratung lassen sich damit verbessern, etwa durch die einfache digitale Terminvereinbarung. Unternehmer können während des Gesprächs beim Kunden aktuelle Bestandsdaten, Preisinformationen sowie Produktspezifikationen abrufen. Mit der richtigen Software ist sogar eine regelmäßige Überprüfung wichtiger Kennzahlen von unterwegs möglich, um das Unternehmen auch außerhalb des Büros seriös führen zu können. Solche Lösungen für E-Business sind ein organisatorischer Überbau, den sich Firmenchefs heute schaffen sollten, um nicht von investitionsfreudigeren und reaktionsschnelleren Wettbewerbern abgehängt zu werden. E-Commerce mag nur Händler betreffen. E-Business wird für alle Unternehmer zur Pflichtübung.

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Frank Wiercks

ist Mitglied der Redaktion von TRIALOG, dem Unternehmermagazin für Mittelständler, Selbständige und Freiberufler. Außerdem arbeitet er für verschiedene Wirtschafts- und Managementmagazine. Zuvor war er unter anderem Chefredakteur von handwerk magazin und Markt und Mittelstand.

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