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Leichte Massage und ein Spaziergang wirken Wunder

Ein langer Messetag kann einem ganz schön die Glieder verspannen. Hilft das Chillen im Massagestuhl oder die Nackenmassage am Stand? Ein Interview mit Physiotherapeutin Ute Merz.

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TRIALOG: Nach drei oder vier Messetagen sind Nacken und Füße verspannt. Auf der Messe stehen hier und da Massagestühle herum – bringen die etwas oder sind sie bestenfalls ein angenehmer Zeitvertreib?
Wenn man keine Vorerkrankungen wie Bandscheibenschäden oder bereits länger anhaltende Beschwerden am Bewegungsapparat hat, kann eine Massage zur Entspannung durchaus beitragen. Warum dann nicht kurz mal die Füße hochlegen und einen der Massagestühle ausprobieren? Ob es tatsächlich hilft, merkt man erst danach.
TRIALOG: Wie steht es mit einer Adhoc-Nackenmassage, wie sie ja teils am Stand oder im Hotel angeboten wird? Oder mit einem Besuch im Wellness-Massagesalon nach der Messe? Ist so etwas hilfreich?
Hier gilt das gleiche wie bei den Massagestühlen. Es spricht nichts dagegen, sich und seinem Körper Entspannung zu gönnen. Aber natürlich sollten Sie auch diesen Service nur dann nutzen, wenn Sie keine Vorerkrankungen haben, sondern wirklich nur verspannte Muskeln lockern lassen möchten. Dann ist es eine Wellnessbehandlung, die immer schmerzfrei sein muss.

Wer gesund ist, kann sich das Angebot aussuchen

TRIALOG: Der Masseur sollte also genau wissen, was er tut – wie erkenne ich denn als Laie, ob jemand qualifiziert genug ist, dass ich ihn an meinen Nacken lassen sollte?
Grundsätzlich sollte derjenige, der die Massage durchführt, unbedingt über ausreichende Qualifikationen als Masseur oder Physiotherapeut verfügen. Danach sollten Sie fragen oder, wenn Sie die Räume betreten, einen Blick auf die Zertifikate an der Wand werfen. Und wie gesagt: Während einer solchen Wellness-Behandlung sollen keine Schmerzen auftreten – auch das wäre ein klares Alarmsignal und auch Grund, die Behandlung vorsichtshalber lieber abzubrechen.
TRIALOG: Gibt es grundsätzlich harmlosere Arten von Massagen – Angebote, bei denen die Gefahr, dass es schadet, geringer ist als bei anderen? Zum Beispiel gelten ja Shiatsu oder Ayurveda eher als sanft im Gegensatz zu Thai-Massage oder der Tuina-Akupressur, die als intensiver gelten – gibt es hier etwas zu beachten?
Wenn Sie keine echten Probleme haben, können Sie sich das Angebot aussuchen, das Ihnen am ehesten behagt. Da sind der persönliche Eindruck und das Wohlbefinden bei der Massage eigentlich das einzige Kriterium. Einen gut qualifizierten Masseur vorausgesetzt, können Sie als gesunder Mensch nicht viel falsch machen.
TRIALOG: Was würden Sie Messebesuchern mit Vorerkrankungen oder auch immer wieder auftretenden Schmerzen raten? Gerade auf Messen dürften sich deren Beschwerden ja ebenfalls verschlimmern?
Menschen, die bereits Beschwerden haben, ist von einer Adhoc-Massage eher abzuraten. Diese Menschen sollten lieber auf aktive Entspannungstechniken zurückgreifen, von denen sie sicher wissen, dass sie den gewünschten Erfolg bringen: Das können zum Beispiel Lockerungsübungen für die Bein-, Nacken- und Rumpfmuskulatur sein oder spezielle Dehnübungen. Ich empfehle Menschen mit Vorerkrankungen schon vor solchen Messewochen mit ihrem Physiotherapeuten darüber zu sprechen. Dann kann der Therapeut individuelle Maßnahmen zusammenstellen, die nach einem Messetag für körperlichen Ausgleich sorgen.
TRIALOG: Was für Maßnahmen könnten das sein?
Das ist individuell und hängt von der Vorerkrankung ab. Meistens sind es Übungen, die einem auch im normalen Alltag helfen, Beschwerden zu lindern oder gar zu beseitigen. Diese haben die Betroffenen meistens im Rahmen einer physiotherapeutischen Behandlung mit dem Therapeuten erarbeitet und geübt.
Grundsätzlich sollten sich auch für gesunde Menschen solche Ausgleichmaßnahmen nicht – in Anführungszeichen nur – auf Massage beschränken, sondern körperliche und seelische Entspannung bieten. Das kann und sollte also gern auch ein bisschen Bewegung an der frischen Luft beinhalten oder abends Schwimmen im Hotel. Eine aktive Entspannung, die neben dem körperlichen Wohlbefinden auch den Kopf frei macht, ist nach einem langen Messetag das Beste.
Gegen eine leichte Massage ist also unter den oben genannten Voraussetzungen nichts einzuwenden. Aber gerade Bewegung bringt Körper und Geist nach einem langen Messetag wieder in Schwung und weckt die Lebensgeister. Meistens fehlt ja auf Messen ausreichend Tageslicht, und die Ernährung kommt auch zu kurz. Also ruhig auch ein Spaziergang und ein leichtes Abendessen in entspannender Atmosphäre.
Vita
Merz_250x190Ute Merz ist Physiotherapeutin und Sprecherin des Deutschen Verbands für Physiotherapie (ZVK) e.V. in Köln, der sich als Interessensverband seiner angestellten und freiberuflichen Mitglieder für hohe Ausbildungs- und Qualitätsstandards und damit qualitativ hochwertige Patientenversorgung einsetzt.
Foto: Shutterstock

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Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter lady-godiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.