Personal & Führung

Lieber Schneidersitz im Büro als krank im Bett

Wer die Zahl der Krankentage reduzieren will, sollte seinen Beschäftigten steuerfreie Extras zur Gesundheitsvorsorge anbieten oder Präventionsprogramme auflegen. Die Kosten dafür lassen sich teilweise als Betriebsausgaben ansetzen, und das Unternehmen profitieren von geringeren Fehlzeiten.

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Ein Laufband neben dem Schreibtisch? Warum nicht, wenn es der Gesundheit dient. Erst vor kurzem haben wir hier im Blog berichtet, dass sich immer mehr Büroarbeiter solch ein Trimmgerät zulegen, um auf jene 10.000 Schritte täglich zu kommen, die Mediziner als wichtig für Bewegungsapparat und Wohlbefinden betrachten. Mir würde bei diesem Indoor-Rennen zwar die frische Luft fehlen, aber lieber so bewegen als gar nicht, denke ich.

Gesundheitsförderndes Arbeitsumfeld schaffen

Das Verwaltungsgericht Trier sieht das anders: Beamten steht kein Anspruch auf Sofa und Laufband im Dienstzimmer zu. Die Meinung der Richter, die viele Ärzte verwundern dürfte: Medizinische Notwendigkeit und therapeutische Eignung der Gegenstände zur Erhaltung der Dienstfähigkeit seien fraglich. Ihre Entfernung durch den Vorgesetzten lasse sich nicht beanstanden. Die Richter bezweifelten, dass das – von der Beamtin privat gekaufte – Laufband der Bestandteil eines sogenannten dynamischen Arbeitsplatzes sei, obwohl Atteste über entsprechende gesundheitliche Beschwerden vorlagen. Dafür folgten sie dem Argument des Dienstherren, die Gegenstände würden die Brandsicherheit beeinträchtigen, die Reinigung des Büros erschweren und wegen fehlender Abstandsflächen eine erhöhte Unfallgefahr mit sich bringen. Viele Unternehmer denken fortschrittlicher: Sie achten bei Planung und Ausstattung ihrer Büros auf Ergonomie, um eine gesundheitsfördernde Umgebung zu schaffen.

Ich hoffe, Sie sind aufgeschlossen für unkonventionelle Methoden des betrieblichen Gesundheitsmanagements und lassen den Mitarbeitern Spielraum, wenn es darum geht, etwas für die Gesundheit zu tun. Das wird gerade in kleinen Unternehmen immer wichtiger, denn hier leiden die Beschäftigten zunehmend unter Langzeiterkrankungen – und das sind oft Probleme mit dem Rücken, von Verspannungen über Bandscheibenvorfälle bis zu krankhaften Veränderungen der Wirbelsäule. Gegensteuern können Firmenchefs beispielsweise durch Programme zur betrieblichen Gesundheitsvorsorge in Kooperation mit Krankenkassen oder anderen Partnern. Ideen liefert etwa das Deutsche Netzwerk für Betriebliche Gesundheitsförderung (DNBGF). Rund eine Milliarde Euro gehen schon in solche Maßnahmen. Ein Großteil davon lässt sich absetzen, und viele Präventionsangebote an Mitarbeiter gelten als steuerfreie Extras – sprechen Sie mit Ihrem Steuerberater über die entsprechenden Summen und Möglichkeiten.

In ergonomische Büroausstattung investieren

Interessant sind auch die Zuschüsse für Unternehmen, die Langzeiterkrankten eine Wiedereingliederung ins Berufsleben ermöglichen. Als „Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben“ übernehmen die Sozialversicherungsträger oder die Agentur für Arbeit teilweise die Kosten beispielsweise rückengerechter Büromöbel oder ergonomischer Hilfsmittel. Wichtig ist dabei, dass vor dem Kauf ein Antrag auf Zuschuss für Hilfsmittel zum Erhalt der Arbeitsfähigkeit oder zur Rehabilitation gestellt wird. Und diese Zuschüsse fließen natürlich nur, wenn eine entsprechende Verordnung des Arztes vorliegt, die vom Sozialversicherungsträger oder der Agentur für Arbeit akzeptiert wird. Das verursacht etwas Aufwand, aber dafür gibt es dann eventuell einen schönen Zuschuss.
Trotz solcher Zuschüsse gilt natürlich auch bei der Ergonomie am Arbeitsplatz: Vorbeugen ist besser als heilen. Außer bei Beamten natürlich. Da sollte vor allem das Büro einfach zu reinigen sein …

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Frank Wiercks

ist Mitglied der Redaktion von TRIALOG, dem Unternehmermagazin für Mittelständler, Selbständige und Freiberufler. Außerdem arbeitet er für verschiedene Wirtschafts- und Managementmagazine. Zuvor war er unter anderem Chefredakteur von handwerk magazin und Markt und Mittelstand.

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