Technologie

Datenbanken, Drohnen, Apps – Handwerk rüstet technisch auf

Kleine Unternehmen können massiv vom Einsatz moderner Technologie und der zunehmenden Digitalisierung profitieren. Neben der Auswahl einer passenden Lösung ist aber auch Kenntnis der rechtlichen Rahmenbedingungen wichtig. Hier kann oft nur ein Anwalt weiterhelfen.

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Zwischen den Veranstaltungen liegen Welten: In der ersten Wochenhälfte sorgte der Mobile World Congress (MWC) in Barcelona für Schlagzeilen, in der zweiten begann die Internationale Handwerksmesse (IHM) in München. Beim MWC holte der Milliardenkonzern Samsung den Facebook-Gründer Mark Zuckerberg auf die Bühne, der einen Blick in die Zukunft von Hightech und sozialen Netzwerken wagte. Um die Welt gingen Bilder von Besuchern mit Virtual-Reality-Brillen, dem nächsten großen Ding, aber auch von eleganten und leistungsfähigen Geräten, die bei vielen Menschen einen heftigen Haben-wollen-Reflex auslösen. Die IHM eröffnete Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer. In den Nachrichten gab es Bilder von einem Podium mit vier Diskutanten in mausgrau, im Ausstellungskatalog finden sich Hinweise auf Sonderschauen wie Handwerk & Design oder Garten München – und in den Messehallen auch Hersteller von Fliegengittern. Also: Mobile ist sexy, Handwerk ist, freundlich gesagt, bodenständig?

Auch kleine Unternehmen arbeiten zunehmend digital

Tatsächlich verbindet die IHM mehr mit dem MWC, als man zunächst erwarten würde. Natürlich geht es in München weiterhin um gutes Essen vom Bäcker oder Metzger, um formschönen Schmuck beim Juwelier oder um kompetente Leistungen rund um Bau und Haustechnik – jene Themen, mit denen das klassische Handwerk automatisch in Verbindung gebracht wird. Aber ein wichtiger Schwerpunkt ist „Handwerk 4.0 – Digitalisierung im Handwerk“. Nicht nur die Samsungs und Facebooks dieser Welt können Innovation, sondern auch kleine Unternehmen in Deutschland. Zumindest dann, wenn als Innovation der gezielte Einsatz modernster Technologie für mehr Service und Kundenorientierung, für hochwertigere Produkte oder bessere Prozesse gilt. Wie das funktioniert, zeigt handwerk magazin anhand interessanter Praxisbeispiele und mit einem animierten Film.

Es gibt schon sehr viele kleine Unternehmen, in denen digitale Technik, mit welchem Schwerpunkt auch immer, aus dem betrieblichen Alltag nicht mehr wegzudenken ist – ob es sich nun um den Friseur handelt, bei dem Termine per App gebucht werden, um den Zimmerer, der eine ausgefeilte Kunden- und Produktdatenbank führt oder den Maler, der soziale Netzwerke für Marketing und Mitarbeitersuche nutzt. Das Video „Ein digitaler Tag im Handwerk“ zeigt noch mehr Beispiele.

Allerdings ist die Digitalisierung kein Selbstläufer. Wer auf sie setzen will, braucht einen Plan, die richtige Technik und die richtigen Ratgeber. Die ersten beiden Punkte sind sehr individuell, sie dürften sich je nach Betrieb und Branche stark unterscheiden. Zu Punkt drei allerdings gehört mindestens ein Experte, den jeder Unternehmer vor dem Projektbeginn konsultieren muss: sein Rechtsanwalt. Jede Digitalisierung von Produktion ist mehr oder weniger mit dem Sammeln und Analysieren von Daten verbunden. Hier sind also die Regelungen der neuen europäischen Datenschutz-Grundordnung zu beachten. Und Verstöße können teuer werden.

Einsatz von Drohnen nur mit Regeln und Versicherung

Es geht nicht nur um Datenaufzeichnung und -auswertung. Ein Erfolgsbeispiel ist für handwerk magazin die Bauwerksüberwachung mit einer Drohne. Gute Idee. Nur gehört hierzu eine passende Police, damit die Versicherung bei einem Unfall den Schaden trägt. Außerdem müssen den Mitarbeitern – eventuell mit Unterstützung eines Anwalts – die exakten Spielregeln für den Einsatz so eines Fluggeräts eingebläut werden, denn hier wird schnell mal vom Kurs abgewichen. Und das kann Nachbarn sauer machen: Das Amtsgericht Potsdam gab der Klage eines Grundstückseigentümers statt, dessen im Garten sonnenbadende Freundin durch eine in sieben Metern Höhe schwebende, mit einer Kamera ausgerüstete Drohne ihre Persönlichkeitsrechte verletzt sah. Derartige Ausflüge sollten Unternehmer ihren Beschäftigten beim Einsatz solcher Arbeitsgeräte klar verbieten, um viel Ärger zu vermeiden.

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Frank Wiercks

ist Mitglied der Redaktion von TRIALOG, dem Unternehmermagazin für Mittelständler, Selbständige und Freiberufler. Außerdem arbeitet er für verschiedene Wirtschafts- und Managementmagazine. Zuvor war er unter anderem Chefredakteur von handwerk magazin und Markt und Mittelstand.