Wirtschaft & Recht

Gute Fahrt mit Ehevertrag

Nach Weihnachten und auch rund um die Osterferien häufen sich die Scheidungen. Inzwischen scheitert jede dritte Ehe. Deshalb sollten Unternehmer rechtlich vorsorgen – sonst steht im Fall der Fälle rasch die berufliche Existenz auf dem Spiel.

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Fun Fact zum Thema Ehe gefällig? Bitte: Männer sterben in der Woche nach einem vergessenen Hochzeitstag besonders häufig, meldet das Magazin Geo. So etwas macht natürlich nachdenklich. Noch ernsthafter nachdenken sollten Sie als Unternehmer oder Unternehmerin aber über eine andere Tatsache: die Zahl der Ehescheidungen. Fast jeder dritte Bund fürs Leben scheitert, und das nicht nur – wie viele Menschen glauben – in der emotional besonders geladenen Zeit rund um den Jahreswechsel. Rein statistisch steht die nächste Trennungssaison laut Onlineberaterteam gerade bevor: um die Osterferien herum.

Unternehmer sollten das spätere Ehe-Aus einkalkulieren

Es mag unromantisch klingen, ist aber wichtig: Mit Blick aufs Privatleben wie auch auf die Firma sollten Sie ein mögliches Ehe-Ende einkalkulieren und einen Ehevertrag aufsetzen. Am besten gleich bei Hochzeit oder Existenzgründung. Und falls noch nicht geschehen – jetzt. Ohne auf die unternehmerische Tätigkeit zugeschnittenen Ehevertrag steht mit der Scheidung für Firmeninhaber oft die berufliche Existenz auf dem Spiel. Sprechen Sie also ausführlich bei Ihrem Anwalt oder Notar und ruhig auch mit Ihrem Steuerberater über dieses Thema.

Banken und Gesellschafter pochen auf den Ehevertrag

Ohne Ehevertrag gilt hierzulande die sogenannte Zugewinngemeinschaft. Bei einer Trennung muss der Partner, der während der Ehe mehr Vermögen erwirtschaftet hat, die Hälfte des Gewinns dem Ex-Partner geben – ob er gerade liquide ist oder nicht. Schlimmstenfalls müssen dafür Unternehmensteile verkauft oder Schulden gemacht werden. Ich brauche Ihnen nicht zu erklären, dass dann schnell ein ganzer Betrieb auf der Kippe steht – zum Nachteil nicht nur des Inhabers, sondern auch der Mitarbeiter, Lieferanten, Kunden und Kreditgeber. Darum schreiben viele Gesellschafterverträge für geschäftsführende Gesellschafter inzwischen einen Ehevertrag vor. Auch Banken verweigern Unternehmern ohne Ehevertrag nicht selten Kredite.

Vor allem die Vermögensfrage muss geregelt werden

Beim Regeln der Unterhalts- und Versorgungsansprüche sollten Sie zurückhaltend sein. Verträge werden häufig gekippt, wenn sie einen Partner übermäßig benachteiligen, Kinder mit betreffen oder unter Druck zustande gekommen sind, weil einer der Partner bei Vertragsabschluss schwer erkrankt oder etwa die Frau hochschwanger war. Aber auch so sollten Sie die Interessen beider Seiten im Blick haben. Wichtig sind Vereinbarungen zur Vermögensfrage. Ehepartner bleiben grundsätzlich Inhaber ihres jeweiligen Vermögens. Beim gesetzlichen Zugewinnausgleich wird der gemeinsam erwirtschaftete Zugewinn beim Ehe-Aus gerecht geteilt. Für Unternehmer bedeutet das: Erwirtschaftet ein schuldenfreier Betrieb in zehn Jahren Ehe vier Million Euro Gewinn, und der Ehepartner hatte keinen Zugewinn, erhält der oder die Ex im Scheidungsfall zwei Millionen bar auf die Hand. Oft berechnet nach dem Verkehrswert, der in der Regel über dem Steuer- und Bilanzwert liegt.

Denken Sie an die Zukunft – gemeinsam und getrennt

Ziehen Sie neben dem Scheitern Ihrer Ehe aber auch in Betracht, dass sie hält – manche Regelungen wären dann schädlich. Der Ausschluss des Zugewinnausgleichs etwa, also strikt getrenntes Vermögen, gilt auch im Todesfall: Damit gingen Steuervorteile verloren, und der Erbteil des verwitweten Partners wäre geringer. Zum Glück sind modifizierte Zugewinngemeinschaft in allen erdenklichen Formen möglich. Beispielsweise lässt sich der Zugewinnausgleich für den Fall der Scheidung ausschließen, für den Todesfall hingegen ermöglichen. So ist die Gefahr für das Unternehmen gebannt, während Ehepartner die Steuervorteile im Todesfall behalten. Der Weg um die pauschal uneingeschränkte Gütergemeinschaft herum, bei der Partner in unternehmerischen Entscheidungen mitreden dürften, führt auch nicht nur über die Gütertrennung. Oft reicht es schon, wenn die Eheleute das Betriebsvermögen zum sogenannten Vorbehaltsgut des unternehmerisch tätigen Ehegatten erklären.
Das alles sollten Sie durchdenken und schriftlich regeln. Und natürlich den Hochzeitstag nicht vergessen. Und den Geburtstag am besten auch nicht …
Foto: Fotolia

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Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter lady-godiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.

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