Personal & Führung

Durch Kinderbetreuung und Tanken die Abgabenlast senken

Gerade bei gut verdienenden Angestellten bleibt dank hoher Steuer- und Abgabenlast netto nur die Hälfte einer Gehaltserhöhung übrig. Steuerfreie Extras bringen den Mitarbeitern unter dem Strich mehr – besonders profitieren können davon sogar Minijobber.

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Viele Mitarbeiter durchleben rund um den Jahreswechsel immer wieder den gleichen Kreislauf. Kurz vor Heiligabend: Weihnachtsfeier. Bis Silvester: durchatmen. Neujahr: gute Vorsätze fassen. Bis Ende Januar: um Gehaltserhöhung bitten. Und damit wird dieses Ritual in Phase vier zur Chefsache mit Auswirkungen auf das neue Jahr sowie die ganze Belegschaft. Wie viele Ihrer Beschäftigten haben schon um ein Gespräch gebeten?
Auch wenn sich derzeit solche Terminanfragen häufen – Gehaltsgespräche sollten nicht als Bürde betrachtet werden, sondern als Chance. Abgesehen davon, dass sie jedem Mitarbeiter zustehen, können Unternehmer diese Gelegenheit auch nutzen, um Wertschätzung zu zeigen und sich mit finanziellen Aufmerksamkeiten für Engagement und Einsatzfreude erkenntlich zu zeigen. Das gilt besonders, wenn das vergangene Jahr gut gelaufen ist und es auch für die nächsten Monate so aussieht.

Mehr Geld durch steuerfreie Extras

Eines aber wird rasch zum Motivationskiller: Dass Sie als Firmenchef vor so einem Gespräch nicht über mögliche Wünsche des Mitarbeiters nachdenken und deshalb kein interessantes Angebot unterbreiten können. Wobei Sie ja nicht gezwungen sind, immer nur über Geld zu reden beziehungsweise Gründe dafür zu finden, warum es keinen Zuschlag geben kann. Denken Sie beim Thema Lohn- und Gehaltserhöhung lieber an die vielen Möglichkeiten, einem Beschäftigten lohnsteuer- und sozialabgabenfreie Extras zu gewähren. Davon hat er mehr als von der einfallslosen pauschalen Anhebung des monatlichen Entgelts, die mit hohen gesetzlichen Abzügen belegt wird.
Datev Arbeitnehmer onlineDurch Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge bleibt für Angestellte mit höheren Gehältern wenig mehr als die Hälfte vom Brutto übrig. Und bei Minijobbern kommt es noch bitterer, wenn sie den zulässigen Monatsdurchschnitt von 450 Euro übersteigen – trotz Gleitzone: Durch eine Erhöhung des Gehalts würden sie womöglich zu sozialversicherungspflichtigen Mitarbeitern, was weder ihnen noch dem Unternehmen passt. Warum also nicht über das ein oder andere Extra in Naturalien reden? Gerade wenn ein Betrieb nicht aufgrund von Tarifverträgen oder -verhandlungen zu einer Bruttolohnerhöhung gezwungen ist und damit Spielraum hat.

Vereinbarungen vom Steuerberater prüfen lassen

Für Mitarbeiter sind Extras zum Gehalt bis zu gewissen Höchstgrenzen lohnsteuer- und sozialabgabenfrei. Die Firma zahlt für das Extra keine Arbeitgeberanteile an die Sozialversicherungsträger. Die Summe kommt voll beim Begünstigten an. Allerdings sollte mit jedem individuell besprochen werden, welches Extra er wirklich will und braucht. Ein Überblick über die beliebtesten Möglichkeiten findet sich in handwerk magazin. Wichtig: Gehen Sie, bevor Sie etwas vereinbaren, jeden Fall mit Ihrem Steuerberater durch, damit tatsächlich das Extra selbst und dessen im Raum stehender Wert als lohnsteuer- und sozialabgabenfrei durchgeht. Denn der Teufel steckt bekanntlich im Detail.

Tankgutscheine & Co. sind besonders beliebt

Hoch im Kurs stehen etwa Tankgutscheine. Wichtig ist, dass darauf nur Treibstoffart und exakte Spritmenge vermerkt sind. Den Lohnsteuerrichtlinien (LStR) zufolge ist der Literpreis zu dem Zeitpunkt maßgeblich, zu dem Sie Ihrem Mitarbeiter den Gutschein aushändigen – am besten, Sie drucken den aus und legen ihn mit den Lohn- und Gehaltsunterlagen ab. Gehen Sie auf Nummer sicher, und wählen Sie eine Literzahl, mit der Sie den steuerfreien Grenzwert für Tankgutscheine von 44 Euro auch nach einer Preiserhöhung nicht gleich überschreiten – bei den derzeit extrem niedrigen Preisen könnte es bald stärker nach oben gehen, falls Rohöl wieder teurer wird. Eine Tankkarte dürfen Sie nicht aushändigen – die ist als Bargeldersatz steuer- und sozialversicherungsrechtlich normaler Arbeitslohn. Höchstens Anschreiben des mit dem Gutschein eingelösten Betrags auf Ihre Firmenrechnung bei der Stammtankstelle geht in Ordnung. Fragen Sie Ihren Steuerberater, welche Lösung er Ihnen empfiehlt.

Einfach Gehalt in Extra umwandeln geht nicht

Datev Ratgeber GehaltsextrasMit Extras rund um die Gesundheit tun Sie ebenfalls ein gutes Werk – im Zweifelsfall sich selbst und dem Mitarbeiter. Die Übernahme der Kinderbetreuungskosten freut auch viele Eltern. Sie können Ihren Mitarbeitern sogar zusätzlich zum Gehalt einen privaten PC, ein Tablet oder Smartphone gewähren. Oder ein – im Rahmen des Marktüblichen – günstiges Darlehen. Nur eines dürfen Sie nicht, so praktisch und attraktiv es für beide Seiten auch wäre: einfach Bruttoentgelt in steuerfreie Extras umwandeln. Selbst wenn ein Mitarbeiter dazu bereit wäre, da er sich das Extra sowieso schon von seinem Netto leistet – solche Extras muss es tatsächlich zusätzlich zum Gehalt geben, um sie lohnsteuer- und sozialabgabenfrei gewähren zu können.
Und denken Sie an dieses Thema nicht erst bei Gehaltserhöhungen, sondern schon bei Einstellungen. Reden Sie mit Bewerbern gleich über solche Extras als Bestandteil des Gehalts. Auch und gerade mit angehenden Minijobbern – für sie gelten bei den Extras dieselben Grenzbeträge und Regeln. Diese fallen, gemessen am relativ niedrigen Gehalt, deutlich stärker ins Gewicht.

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Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter lady-godiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.