Personal & Führung

Sandwich-Lob nein, Frauenförderung ja

Unternehmer müssen klare Botschaften senden – wird Kritik in zu viel Lob verpackt, kommt beides nicht an. Und sie müssen langfristige Strategien verfolgen – wer heute die Frauenquote der EU belächelt, wird übermorgen einen Mangel an qualifizierten Fachkräften beklagen.

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Als die ARD für die ihr angeschlossenen öffentlich-rechtlichen Sender eine Frauenquote von 20 Prozent für Regisseurinnen ankündigte, bekam sie zunächst Beifall von Pro Quote Regie. Diesem Lob ließ die Initiative von Regisseurinnen, die eigentlich 50 Prozent der Jobs für Frauen fordert, aber gleich Kritik folgen und verlangte einen höheren Anteil. Kommt Ihnen diese Kombination bekannt vor? Die Episode ist ein gutes Beispiel für eine Unsitte, in die viele Firmenchefs verfallen – nämlich nach der Sandwich-Methode ihre Kritik zwischen zwei Lobanfällen zu verpacken. Dabei, so der Harvard Business Manager, belegen Studien, dass ein schnelles, direktes und ehrliches Feedback immer noch am besten ist, um positive wie negative Nachrichten zu überbringen.

Verwässern Sie Kritik nicht durch begleitendes Lob

Wer ein Lob aufspart, um es später zur Abmilderung von Kritik zu spenden, beschädigt eher das Verhältnis zu den Mitarbeitern. Weder akzeptieren sie negatives Feedback leichter, nur weil es mit Lob daherkommt, noch lässt sich mit einer negativen Botschaft zwischen zweimal streicheln so etwas wie ein ausgeglichenes Feedback geben. Im Gegenteil dient die Methode eher der Manipulation als dem Feedback – und sei auch noch leicht durchschaubar.

Hüten Sie sich beim Frauenthema vor Pink-Painting

Grundsätzlich gilt: Loben ist das eine, Konsequenz und klare Vorgaben sind das andere. Auch dafür ist das Thema Gleichstellung ein gutes Beispiel, und so wären wir bei einem weiteren, für Unternehmer ebenfalls wichtigen Punkt: Die in diesem Bereich bislang eher weichen Vorgaben frei von Konsequenzen sind so wenig erfolgreich, dass es bei gleichem Tempo bis zum Jahr 2230 dauern würde, bis ein Zustand der Gleichberechtigung von Frau und Mann erreicht ist. Andere Berechnungen ergeben auch schon mal 480 Jahre bis zum Erreichen des erklärten Ziels. Länger als gewollt jedenfalls.
Nicht nur das: Der Anteil der Führungsfrauen ist zuletzt sogar gesunken, berichtet der Deutschlandfunk. Er liege laut Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) bei im Schnitt unter 30 Prozent. Deutschland hat weniger Chefinnen als alle anderen Wirtschaftsnationen, so eine Studie der Beratungsgesellschaft Ernst & Young. Selbst die Vereinigten Arabischen Emirate haben mehr Chefinnen. Vor allem in den Dax-Konzernen mit drei Prozent weiblichen Vorstandsmitgliedern bleibt noch sehr viel zu tun. Und auch die, kritisiert eine Gastautorin der Zeitung Die Zeit, dienen eigentlich nur dem Pink-Painting – eine Art weibliche Schwester des Öko-Greenwashing. Im Mittelstand ist der Frauenanteil höher, aber immer noch zu niedrig, stellt KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner fest.

Nehmen Sie die von der Politik gesetzte Quote ernst

Statt auf Lob, kleine Schritte und freiwillige Selbsterklärungen setzen die Politiker jetzt auf Vorschriften. Der Bundestag hat eine Frauenquote von 30 Prozent beschlossen, die Anfang nächsten Jahres in Kraft treten soll. Ignorieren sollten Sie das Gesetz lieber nicht. Zwar ist eine erste Frist bereits Ende September verstrichen: Die geforderte Formulierung von Zielvorgaben haben die Unternehmen fast durchweg still und heimlich unterlassen. Dass man damit auf Dauer durchkommt, darauf würde ich mich aber nicht verlassen. Und auch das EU-Parlament gibt für Aufsichtsräte vom kommenden Jahr an eine Quote in Höhe von 40 Prozent vor, die laut der Zeitschrift Markt und Mittelstand auch bis zu rund 21 Millionen deutsche Mittelständler betreffen könnte.

Mehr Führungsfrauen nützen Ihrem Unternehmen

Werden Sie also schnell selbst aktiv, um den Anteil von Frauen in Führungspositionen zu erhöhen. Davon profitiert übrigens ein Betrieb, dazu gibt es interessante Studien. Wobei nach meiner Erfahrung der quotenbedingte Zwang die gerade in dieser Hinsicht fortschrittlichen Kleinbetriebe weniger treffen dürfte als Konzerne. Und selbst falls Sie die Bedeutung von mehr Frauen im Unternehmen mit Blick auf den sich anbahnenden Fachkräftemangel schon erkannt haben, können Sie aus den Tipps von Markt und Mittelstand vielleicht noch ein paar Anregungen mitnehmen.
Foto: Fotolia

Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter ladygodiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.