Personal & Führung

Ist Ihr Azubi auch müde, schlapp und rückengeplagt?

Lernen von den Alten ist gut und schön. Aber viele Auszubildende folgen offenbar auch gesundheitlich zu oft deren Vorbild und leiden unter ähnlichen Zipperlein wie die älteren Semester. Unternehmer sollten mehr in die betriebliche Gesundheitsvorsorge investieren.

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Jung und gesund – zumindest bei deutschen Auszubildenden besteht da offenbar kein allzu großer Zusammenhang. Die rund 1,4 Millionen Lehrlinge hierzulande klagen laut Fehlzeitenreport 2015 der AOK bereits über ähnliche gesundheitliche Probleme wie ihre älteren Kollegen. Zwar schätzten die meisten ihr Befinden insgesamt als gut oder sehr gut ein. Doch das sei mehr schöngeredet als Tatsache: Immerhin ein Drittel der Azubis vermeldet der Studie zufolge häufig auftretende körperliche und psychische Beschwerden. Zu wenig Bewegung, schlechte Ernährung, wenig Schlaf, Suchtmittelkonsum oder die Dauernutzung digitaler Medien belasten immerhin jeden fünften Azubi. Sie leiden unter Müdigkeit, Mattheit, Kopf- und Rückenschmerzen – wie die Alten.

Azubi finden, binden – und gesund halten

Das sind keine guten Nachrichten. Wenn Sie in Ihrem Unternehmen ausbilden, müssen Sie also nicht mehr nur darüber nachdenken, wie sie den richtigen Azubi finden und – vor allem jetzt zu Beginn des Ausbildungsjahrs – halten, sondern auch, wie Sie ihm helfen können, gesund zu bleiben. Natürlich sind Sie nicht Mama oder Papa und sollen den Jugendlichen gegenüber keinesfalls so auftreten. Aber gesunde Arbeitsbedingungen für Ihre Mitarbeiter sollten bei Ihnen sowieso ganz oben auf der Prioritätenliste stehen, und dazu gehört offensichtlich der neue Unterpunkt „Gesunde Azubis“. Immerhin geht es um den Fachkräftenachwuchs Ihres Unternehmens.

Prävention ist auch Unternehmenssache

Etwas bewirken können Sie vor allem durch Prävention. Und wo fängt die an, wenn nicht beim Essen? Laut Fehlzeitenreport frühstückt jeder Vierte der Befragten nicht regelmäßig, und fast jeder Fünfte verzichtet auf ein tägliches Mittagessen. Ebenso viele essen mehrfach pro Woche Fastfood. Und mehr als die Hälfte greift häufig zu Süßigkeiten. Verschärft wird das alles dadurch, dass jeder vierte Azubi kaum sportlich aktiv ist. Denken Sie also unbedingt darüber nach, was Sie für eine gesunde und regelmäßige Ernährung der Mitarbeiter im Speziellen und mehr sportliche Betätigung im Allgemeinen tun können.

Steuervorteile der Gesundheitsvorsorge nutzen

Am Finanziellen jedenfalls sollte es nicht scheitern: Für Gesundheitsförderung gibt es Steuerbegünstigungen, da kann Ihr Steuerberater sicher interessante Möglichkeiten zusammenstellen. Unter bestimmten Voraussetzungen können Sie Sportangebote als Betriebsausgabe geltend machen – da sind bis zu 500 Euro für Gesundheitskosten pro Mitarbeiter drin. Es muss ja nicht gerade das voll ausgestattete Fitnessstudio auf dem Firmengelände sein, aber warum nicht das ein oder andere Sportgerät in einer ruhigen Ecke oder ein paar Hanteln und Ringe irgendwo. Oder vielleicht Diensträder? Bei SAP gibt es die jetzt, hat die FAZ berichtet. Das ist gut für Ihre Azubis und die anderen Kollegen gleich mit. Und es beugt praktisch nebenbei unter anderem auch einem weiteren nicht zu unterschätzenden Gesundheitsproblem vor: der Depression.

Alkohol- und Drogenprobleme ernst nehmen

Neulich hat eine Unternehmerin berichtet, ihr Azubi sei nicht in der Lage, sich auf irgendetwas zu konzentrieren. Kennen Sie das auch: Jugendliche, die Sie mit der immer gleichen Frage löchern oder bestimmte Gegenstände immer neu suchen müssen? Gibt es neuerdings etwa Azubi-Alzheimer? Bei solchen unerklärlichen Problemen sollten Sie ruhig gerade bei den jungen Hüpfern zumindest in Erwägung ziehen, dass hierbei auch übermäßiger Alkohol- oder Drogenkonsum eine Rolle spielen kann. Wie Sie mit dem Thema am geschicktesten umgehen, können Sie hier nachlesen.
Ihre Azubis abends rechtzeitig ins Bett zu schicken fällt natürlich nicht in Ihren Verantwortungsbereich. Allerdings geht es hier auch um den Biorhythmus. Wegen der Umbaumaßnahmen im Gehirn – in dem Punkt wirkt anscheinend die Pubertät noch bis durchaus etwa Mitte 20 nach – brauchen junge Leute zwar nicht unbedingt weniger Schlaf, aber diesen meist später. Es ist also kein Wunder, dass viele von denen so gern bis in die Puppen aufbleiben und morgens am liebsten erst um elf antanzen würden. Falls es in Ihrem Betrieb zu machen ist: warum nicht?
Foto: Shutterstock

Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter ladygodiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.