Wirtschaft & Recht

Eine Kettenreaktion an Pleiten – auch noch nach Jahren

Kommt es zur Zahlungsunfähigkeit, muss der Firmenchef schnell und richtig handeln. Aber auch Geschäftspartner sind betroffen. Zunehmend wollen Insolvenzverwalter Geld zurück, mit dem vor Jahren berechtigte Forderungen beglichen wurden – manchmal mit schlimmen Folgen.

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Solche Nachrichten lassen mich innehalten und dem Klang des Unternehmensnamens nachhängen. Immer wieder melden Traditionshersteller Insolvenz an, so vergangene Woche Fleischmann. Mit dieser Marke verbinde ich den öligen Duft von Modelleisenbahnen und ein leises Rattern. Märklin und Fleischmann – wer je älteren Herren beim Spielen damit zusehen und ihrem Fachsimpeln lauschen durfte, wird die Namen dieser beiden Anbieter oft gehört haben. Und nun nach Märklin auch den von Fleischmann im Zusammenhang mit Zahlungsunfähigkeit. Bei Fleischmann haben Pensionslasten zur existenziellen Schieflage geführt: 33 Mitarbeiter werden noch beschäftigt, und sie sollen die Betriebspensionen für 600 ehemalige Kollegen im Ruhestand erwirtschaften – das kann nicht funktionieren.

Oft trifft eine Pleite auch ehemalige Auftragnehmer

Wie viele andere Traditions- und auch jüngere Unternehmen will die Fleischmann-Geschäftsführung den Betrieb in Eigenregie sanieren. Wie so oft ist die Insolvenz nicht das DATEV Factoring Schnittstellenendgültige Aus. Just zeitgleich lässt der 1927 gegründete Diätkosthersteller Schneekoppe die Insolvenz hinter sich. So ziemlich jedes Unternehmen kann in eine missliche Lage geraten. Wichtig ist, dass der Firmenchef in der Krise rasch reagiert, wie hier schon zu lesen war. Es geht nicht nur darum, die Chance der Sanierung zu erhöhen. Es geht auch darum, als Geschäftsführer den rechtlichen Verpflichtungen bei einer Insolvenz nachzukommen. Wer Fehler begeht, läuft Gefahr, sich strafbar zu machen, betont impulse aktuell. Mehr dazu lesen Sie aiuch in der Ausgabe 3/2015 des Unternehmermagazins TRIALOG. Ein schnelles Gespräch mit Steuerberater und Rechtsanwalt ist also dringend zu empfehlen.

Berechtigte Forderungen werden geltend gemacht

Vor allem dann, wenn der eigene Betrieb durch Probleme – ehemaliger – Kunden in eine finanzielle Schieflage oder Insolvenz zu rutschen droht, obwohl es ihm eigentlich blendend geht. Denn: In Insolvenzverfahren ist unter bestimmten Voraussetzungen die Rückforderung früherer Zahlungen für berechtigte Forderungen über einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren möglich – und dass Insolvenzverwalter davon Gebrauch machen, ist von der Ausnahme längst zur Regel geworden, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ).

So löst die Insolvenz eine Kettenreaktion aus

Für ehemalige Geschäftspartner eines insolventen Unternehmens birgt das ein immenses Risiko. Schon wenn mit einem Kunden öfter Ratenzahlungen oder Stundungen vereinbart wurden, reicht Insolvenzverwaltern das zunehmend als Hinweis darauf, die Schieflage des Kunden sei bekannt gewesen. Und wer in Kenntnis dieser Situation Zahlungen erhält, kann schon einen unberechtigten Vorteil eingestrichen haben. Klingt absurd, ist aber als Gefahr absolut real. Auch Carsten Röttgers musste diese Erfahrung bereits machen, weil sein Inkasso-Dienstleister nicht sorgfältig genug gearbeitet hatte, wie hier im Blog zu lesen war. Auftragnehmer müssen in einem solchen Fall damit rechnen, dass der Insolvenzverwalter selbst Jahre später Rückerstattungen verlangt – ohne Rücksicht darauf, ob dadurch ein weiteres Unternehmen in Schieflage gerät. Die FAZ berichtet über einen 63-jährigen Bauingenieur, von dem der Insolvenzverwalter drei Jahre nach der Pleite eines Kunden über 100.000 Euro plus Zinsen zurückforderte – und dessen Ingenieurbüro mit seinen 900.000 Euro Jahresumsatz und 26 Mitarbeitern so in die Insolvenz rutschte. Eine Kettenreaktion, noch nach Jahren.

Überprüfen Sie Ihr Forderungsmanagement

Dieses Problem ist offenkundig so groß, dass die Bundesregierung laut FAZ nun darüber nachdenkt, die Anfechtungsfrist von zehn auf vier Jahre zu verkürzen. Immerhin. Bis es so weit ist, sollten Sie mit Ihrem Steuerberater oder Rechtsanwalt über das Risiko und mögliche Maßnahmen sprechen. Und dieses Thema zum Anlass nehmen, einmal mehr Ihr Forderungsmanagement zu überprüfen und, falls nötig, auf eine solidere Basis zu stellen, so wie der Naturkosmetikhersteller Phamos.

Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter ladygodiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.