Steuern & Finanzen

Der Einspruch beim Fiskus lohnt sich immer öfter

Vor den Gerichten laufen zahllose Verfahren zu Steuerfragen. Laien verlieren da komplett den Überblick. Deshalb sollten sie mit einem Experten klären, welche Prozesse einen Grund bieten, die Steuererklärung offenzuhalten. Die Statistik belegt: Bei vielen Einsprüchen bekommen die Steuerzahler recht.

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Es ist schon faszinierend, wie miteinander verwandte Themen manchmal fast nahtlos ineinander übergehen. Erst vor einer Woche habe ich hier darüber berichtet, dass am 17. August in allen Mitgliedstaaten außer Dänemark, Großbritannien und Irland die neue Europäische Erbrechtsverordnung in Kraft tritt. Sie soll, falls Vermögen in mehreren EU-Staaten vererbt wird, mehr Rechtssicherheit bringen. Dazu regelt sie, welches nationale Erbrecht anzuwenden ist. Besonders stark betroffen sind bei diesem Thema im Ausland lebenden Deutschen und jene, die – etwa in Urlaubsregionen – eine Immobilie besitzen. Wer betroffen ist, sollte einen Einspruch gegen den Steuerbescheid prüfen.

Spanien muss Erbschaftsteuer zurückerstatten

Passend zu diesem Aspekt – dem Haus oder der Ferienwohnung – tauchte nämlich bei der Recherche ein Tipp von Börse Online auf: In Spanien zu viel gezahlte Erbschaftsteuern sind rückholbar. Unabhängig von der gesetzlichen Neuregelung in der EU hatte sich der Europäische Gerichtshof nämlich mit der Frage beschäftigen müssen, ob es rechtens ist, dass nicht in Spanien ansässige EU-Bürger, die dort ein Erbe angetreten haben, weitaus mehr Steuern entrichten müssen als in Spanien lebende Erben. Insgesamt konnte sich eine Mehrbelastung von bis zu 34 Prozent ergeben. Die klare Ansage des EuGH: geht gar nicht. Wer in den vergangenen vier Jahren eine Ferienimmobilie in Spanien geerbt hat, kann die viel gezahlte Erbschaftsteuer plus Zinsen zurückverlangen. Sollten Sie zu den Profiteuren dieses Urteils gehören, empfiehlt sich die rasche Beratung mit einem auf dieses Thema spezialisierten Steuerberater oder Rechtsanwalt. So lassen sich noch Ansprüche geltend machen.

Ein Einspruch beim Fiskus ist oft aussichtsreich

Und schon kommen wir von Spanien nach Deutschland. Hier sorgte fast zur gleichen Zeit die Einspruchstatistik des Bundesfinanzministeriums für 2014 für eine positive Überraschung: Danach gingen knapp 3,47 Millionen Einsprüche beim Fiskus ein – und fast zwei Dritteln wurde stattgegeben. Die Erfolgsquote lag also sogar noch über der von 2013. „Der Einspruch ist leicht zu handhaben und kostenlos“, schreiben die Kollegen von finanzjournalisten.de in ihrem Blog. „Im Einspruchsverfahren wird der Steuerfall nochmals komplett neu aufgerollt. Stößt der Finanzbeamte dabei übrigens auf Aspekte, die zu einer höheren Steuerschuld des Bürgers als bisher führen, muss er den Steuerzahler kontaktieren – dieser darf dann seinen Einspruch zurückziehen – und der ursprüngliche, für ihn günstigere Steuerbescheid bleibt in Kraft.“

Der Steuerberater kennt alle offenen Verfahren

Gute Nachrichten also für Steuerzahler. Und ein Beweis mehr dafür, dass sich Hartnäckigkeit lohnt. Deshalb empfehle ich auch beim Thema Einspruch das regelmäßige Gespräch mit dem Steuerberater. Denn in einigen Fragen hält das Finanzamt einen Steuerbescheid wegen offener Verfahren durch einen Vorläufigkeitsvermerk automatisch selbst offen. In anderen dagegen muss der Steuerpflichtige aktiv werden. Wer sich nicht ausführlich über laufende Steuerverfahren informiert, verpasst also ohne die Tipps eines Experten leicht einen aussichtsreichen Einspruch.
Ich berichte übrigens aus eigener Erfahrung: Als vor einigen Jahren ein Aspekt in Sachen häusliches Arbeitszimmer entschieden wurde, flatterten mir innerhalb weniger Tage die Neuberechnungen und Informationen über Steuerrückerstattungen für drei Jahre ins Haus.

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Frank Wiercks

ist Mitglied der Redaktion von TRIALOG, dem Unternehmermagazin für Mittelständler, Selbständige und Freiberufler. Außerdem arbeitet er für verschiedene Wirtschafts- und Managementmagazine. Zuvor war er unter anderem Chefredakteur von handwerk magazin und Markt und Mittelstand.

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