Personal & Führung

So lassen sich die Hundstage auf der Baustelle überstehen

Einige Tage im Jahr ist es richtig heiß. Kein Problem für den SHK-Unternehmer Joachim Kreuz, einen Experten in Sachen Arbeitssicherheit: Er organisiert die Arbeit um die Hitze herum und stattet seine Mitarbeiter der Witterung entsprechend aus.

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Schon Anfang Juli waren die Temperaturen auf Rekordkurs. Mal sehen, ob wir eine noch stärkere Hitzewelle kriegen. Über einen richtigen Sommer freuen wir uns natürlich auch hier bei der Kreuz GmbH. Allerdings erschweren uns die Hundstage auch die Arbeit, denn wer auf dem Dach tätig ist, befindet sich an einer exponierten Stelle. Je nach Tageszeit und Außentemperatur können dort Temperaturen bis zu 70 Grad herrschen. Diese spezielle Situation geht natürlich in die aktuelle Gefährdungsanalyse des Arbeitsplatzes ein, die wir für jede Baustelle machen. Als Arbeitgeber bin ich nach § 4 des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG) verpflichtet, die Arbeit so zu gestalten, dass es keine Gefährdung für Leben und Gesundheit meiner Leute gibt.

Arbeit neu organisieren und Sonne meiden

Die einfachste Lösung dafür ist es, die Arbeit neu einzuteilen. Tipps, um die Arbeit je nach Witterung optimal zu organisieren, gibt das Arbeitsschutzgesetz. Ich habe beispielsweise zwei Aufträge mit Außenarbeiten verschoben. Das war gar kein Problem, denn die Kunden haben Verständnis dafür, dass meine Leute nicht bei glühender Hitze mit aufgeheiztem Handwerkszeug auf ihrem Dach herumklettern sollen. Außerdem ist klar, dass diese Ausnahmesituation höchstens ein paar Tage im Jahr besteht.
Sollte eine Verschiebung unmöglich sein, können meine Mitarbeiter zwischen zwei Arbeitszeitmodellen wählen – auch das ist übrigens eine Anregung im Arbeitsschutzgesetz: Entweder fangen sie um sechs Uhr an und arbeiten bis 14 Uhr. Oder sie legen eine lange Mittagspause ein – ähnlich der Siesta in Südeuropa – und machen am Abend weiter. Das zweite Modell hat aber noch nie jemand gewollt.

Ausrüstung an Wetterverhältnisse anpassen

Eine zentrale Rolle beim Thema Arbeitssicherheit spielt die Persönliche Schutzausrüstung (PSA), die jeder unserer Mitarbeiter in einem Rucksack bei sich hat. Die haben wir schon im Frühjahr mit Blick auf die heißen Temperaturen und besonders auf die erhöhte UV-Strahlung ausgestattet. Jeder Mitarbeiter besitzt eine Sonnencreme, die wir auf das Verfallsdatum hin überprüft und wo nötig ersetzt haben. Außerdem trägt jeder, wenn kein Schutzhelm nötig ist, ein Käppi. Einen zusätzlichen Kühlschrank haben wir im Sozialraum angeschlossen, aus dem sich meine Mitarbeiter genügend gekühltes Mineralwasser herausnehmen, bevor sie auf die Baustellen fahren.

Anregungen der Mitarbeiter ernst nehmen

Bereits im Frühsommer haben wir in unseren regelmäßigen Gesprächsrunden mögliche Anzeichen für einen Hitzekollaps besprochen. Das ist in unserem Betrieb noch nie passiert. Aber Anzeichen wie Übelkeit, Schwäche, Blässe oder sogar Fieber würden meine Leute richtig deuten und entsprechend handeln. Da bin ich sicher. Besonders in diesem Jahr zeigte sich, dass unsere kontinuierlichen Schulungen in und die Gespräche über Arbeitsschutz Früchte getragen haben. Unsere Mitarbeiter sind sensibilisiert für das Thema. Schon im Frühjahr haben sie angeregt, dass wir die dunklen T-Shirts, die zur firmeneigenen Arbeitskleidung gehören, austauschen. Die sähen zwar gut aus, seien im Sommer aber nicht sehr praktisch. Ich selbst habe daran gar nicht gedacht. Das ist ein Beispiel dafür, wie wichtig es ist, Arbeitsschutz in die Verantwortung jedes Einzelnen und nicht nur in die der Firmenleitung zu legen.

Vita:

Joachim Kreuz ist Chef der Kreuz GmbH in Schallstadt. Er ist Handwerksmeister und Ehrenobermeister der SHK-Freiburg. Arbeitsschutz ist ihm ein persönliches Anliegen. Für sein Engagement erhielt er 2013 den Deutschen Arbeitsschutzpreis.
Foto: Shutterstock

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