Wirtschaft & Recht

Schutzschirm gegen Grexit und andere Euro-Austritte

Ein Gutes hat das seit Monaten herumgeisternde Schreckgespenst vom Grexit, dem Austritt Griechenlands aus der Europäischen Währungsunion: Die Politik macht jetzt Spareinlagen bis zu 100.000 Euro EU-weit sicher. Auch die von Unternehmen.

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Erinnern Sie sich noch an den Namen Kaupthing? Vor rund zehn Jahren hatte die größte isländische Bank auch hierzulande mit sehr attraktiven Konditionen gezielt um Sparer geworben. 2008 rauschte das Geldinstitut dann unter dem Druck der Finanzkrise in die Pleite, und die deutsche Zweigstelle fror kurzerhand alle Konten ein. Daraufhin verhängte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ein Zahlungs- und Veräußerungsverbot, um einen überstürzten, ungeordneten Abzug der Einlagen zu verhindern. Für deutsche Sparer begann so ein unerfreuliches, langwieriges Hin und Her: Weil es sich um eine ausländische Bank handelte, griff die deutsche Einlagensicherung nicht. Die damals circa 34.000 auf Rückzahlung ihrer Gelder wartenden Kunden sollten nach isländischen Vorschriften bis zur Höhe von 20.887 Euro entschädigt werden. Nach einem ziemlich unverständlichen Kuddelmuddel darüber, wer wann und in welcher Höhe bedient werden soll, erhielten die Sparer schließlich bis 2009 doch noch ihre Einlagen von der mittlerweile verstaatlichten Bank zurück.

Auch Einlagen von Unternehmen sind abgesichert

Ein Glücksfall, der künftig die Regel wird: Eine EU-weite Einlagensicherung soll Sparer auch bei Instituten aus anderen Mitgliedsländern für Einlagen bis zu 100.000 Euro absichern. Für Privatanleger gibt es zudem Verbesserungen: Ein Antrag auf Entschädigung ist laut Finanzportal biallo künftig nicht mehr nötig. Außerdem sollen die Sparer ihr Geld nach spätestens sieben Arbeitstagen zurückbekommen – nicht wie bisher nach 20.
Für viele Unternehmer ist diese verbesserte Sicherung eine komplette Neuerung. Für sie wird es eine solche Einlagensicherung überhaupt erst ab dem 3. Juli 2015 geben – bisher galt der Schutz nur für kleine Kapitalgesellschaften. Lediglich institutionelle Kunden wie Versicherer, Pensions- und Rentenfonds oder Finanzinstitute und staatliche Stellen legen weiter auf eigenes Risiko an, berichtet biallo.

Weitere Änderungen bis 2025 geplant

Die Neuerung steht in Zusammenhang mit dem seit Monaten drohenden Grexit, dem Austritt Griechenlands aus der Europäischen Währungsunion. „Auch bei einem Grexit können die Deutschen sicher schlafen“, zitiert der Spiegel in einer Vorabmeldung einen Schäuble-Vertrauten im Finanzministerium mit Blick auf die Spareinlagen. Neben der Einlagensicherung wollen die Präsidenten der EU-Institutionen den Euro-Raum mit weiteren Maßnahmen generell krisenfester machen. Geplant ist ein – wie es im Politjargon so schön heißt – mehrstufiges Modell. Die letzte in dem Zug geplante Maßnahme soll bis 2025 vollendet sein, so die Nachrichtenagentur Reuters.
Allerdings: Letztlich sind Sie selbst für die Sicherheit Ihrer Gelder verantwortlich. Informieren Sie sich über die Seriosität einer Bank, bevor Sie dort anlegen. Prüfen Sie, welche Einlagensicherung greift. Verzichten Sie lieber auf einen Zehntelprozent-Punkt, als hohe Risiken einzugehen. Und verteilen Sie Ihr Geld – falls möglich – lieber auf mehrere Konten. Dann versiegt Ihre Liquiditätsquelle gerade bei Tagesgeld nicht auf einen Schlag, falls wieder eine Bank in Schieflage geraten sollte.
Foto: Shutterstock

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Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter ladygodiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.