Technologie

Wird das „Teilen“ künftig zur teuren Angelegenheit?

Der Share-Button von Facebook sorgt für Aufregung, weil Nutzer damit möglicherweise das Urheberrecht verletzen. Eine erste Abmahnung ist kein Grund zur Panik – aber Anlass genug, die Aktivitäten des Unternehmens im Internet mit einem Anwalt zu überprüfen.

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Für den Stern hat der Fall eine enorme Tragweite. Unter der Überschrift „Großer Streit um kleine Facebook-Bildchen“ berichtete das Hamburger Magazin darüber, dass die Betreiberin einer Fahrschule fast 1.100 Euro an Abmahn- und Lizenzkosten zahlen soll. Durch Anklicken des Share-Buttons unter einem Beitrag auf bild.de über den Fußballer Marco Reus, der wiederholt ohne Führerschein gefahren war, erschien in ihrer eigenen Facebook-Chronik ein kurzer Post, der den Artikel anteasert und eine verkleinerte Variante des Artikelbildes zeigt. Der Fotograf hielt das für eine Verletzung seines Urheberrechts und veranlasste die Abmahnung.

Nutzen Sie Facebooks Share-Button mit Vorsicht

Von der Komplexität des Urheber- und Persönlichkeitsrechts im Internet war hier schon wiederholt die Rede – etwa Bildern der eigenen Mitarbeiter auf der Web-Seite des Unternehmens, Bewertungen in Internet-Portalen oder einem möglichen Mitspracherecht des Betriebsrats bei der virtuellen Pinnwand einer Firmenpräsenz auf Facebook. Umstritten sind unter Experten auch die Folgen dieses jüngsten Falles – eine neue Abmahnwelle zumindest ist bisher noch nicht über Nutzer des Share-Buttons von Facebook hinweggerollt. Warum das so sein könnte, beleuchtet ein sehr informativer Beitrag auf Legal Tribune Online mit Blick auf den Hintergrund der aktuellen Auseinandersetzung sowie die generelle Rechtsauslegung von Juristen zum Teilen von Inhalten im Internet. Einfach ignorieren sollten Firmenchefs die jüngsten Entwicklungen aber keinesfalls, denn die sozialen Medien sind für viele ein wichtiges Kommunikations- und Marketinginstrument geworden.

Informieren Sie sich über Recht und Technik

Am besten wäre es, mit einem darauf spezialisierten Anwalt die eigene Web-Seite sowie generelle Internet-Funktionen darauf zu überprüfen, ob hier eventuell Rechtsverstöße drohen, und auch den Mitarbeitern zu erklären, was für das Unternehmen im Internet geht und was nicht. Dabei ist es unter anderem wichtig, zwischen dem Firmenauftritt bei Facebook und einer rein privaten Präsenz zu unterscheiden – Unternehmen dürfen so manches nicht, was Privatleuten erlaubt ist. Auch der Austausch mit einem Technikexperten kann helfen. Denn es ist beispielsweise möglich, Beiträge nicht durch den Share-Button auf der eigenen Seite anzuteasern, sondern durch Kopieren des Links. So lassen sich Bilder – um die sich Urheberrechtsstreitigkeiten im Internet häufig drehen – gezielt ausblenden. Auch hier gilt, wie so oft im Leben: gewusst, wie.

Kopieren Sie grundsätzlich nicht großflächig

Eines aber sollten Sie als Unternehmer auf jeden Fall wissen und beachten: Großflächiges Kopieren ohne Genehmigung, zumal für wirtschaftliche Zwecke, geht gar nicht. Vergangenes Jahr musste eine Facebook-Nutzerin die Kosten für die Abmahnung und Schadensersatz zahlen, weil sie den Artikel einer Redakteurin komplett in ihr eigenes Profil kopiert hatte, statt den Share-Button zu nutzen. Ihrer Argumentation, durch die Share-Funktion habe die Redakteurin das Einverständnis zum Kopieren des Artikels in fremde Facebook-Profile erklärt, folgte das Landgericht Frankfurt am Main nicht. Durch Setzen des Share-Buttons werde ausschließlich das Einverständnis zum Teilen des Artikels gegeben. Hierbei erscheine nicht der gesamte Artikel an anderer Stelle, sondern nur die Überschrift neben einem kurzen Ankündigungstext, gegebenenfalls einem Miniaturbild sowie natürlich dem Link auf das Original. Allein darauf habe sich das Einverständnis der Klägerin bezogen.
Denken Sie immer daran: Social Media sind wirtschaftlich enorm interessant – und auch deshalb schon seit langem kein rechtsfreier Raum mehr. Deshalb empfehle ich Ihnen die Lektüre des Beitrags „Legal liken und teilen“ im aktuellen DATEV-Magazin, in dem die juristischen Hintergründe von Links, Shares oder Feeds beleuchtet werden.
Foto: Shutterstock/Hadrian

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Frank Wiercks

ist Mitglied der Redaktion von TRIALOG, dem Unternehmermagazin für Mittelständler, Selbständige und Freiberufler. Außerdem arbeitet er für verschiedene Wirtschafts- und Managementmagazine. Zuvor war er unter anderem Chefredakteur von handwerk magazin und Markt und Mittelstand.

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