Personal & Führung

Alkohol ist eine Frage der Sicherheit und Gesundheit

Nicht nur morgen am Vatertag trinken viele Menschen gerne Bier und Wein. Aber geselliges Feiern darf nicht verdecken, dass Alkoholismus eine Suchterkrankung ist – und jeder Arbeitgeber sich diesem Thema stellen muss. Schon wegen der Sicherheit in seinem Betrieb.

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Morgen rollen wieder die Bollerwagen – in vielen Bundesländern wird an Christi Himmelfahrt der Vatertag gefeiert. Den nehmen nicht nur Väter zum Anlass, in Gruppen die Gegend zu durchstreifen und ein mit Bier und Schnaps gefülltes Wägelchen hinter sich herzuziehen. Das ist ein allgemein bekanntes Bild für Geselligkeit: Man feiert mit Verwandten, Freunden oder Kollegen. Und Alkohol gehört natürlich dazu.

Alkoholismus gilt offiziell als Krankheit

Vermutlich denken auch in Ihrem Betrieb viele Mitarbeiter bei Spaß und Geselligkeit gleich an Alkohol. Das Thema Sucht dagegen dürfte im Alltag keine große Rolle spielen. Aber Alkohol als Suchtmittel muss für Sie als Firmenchef ein Thema sein – aus professioneller Fürsorgepflicht für Ihre Beschäftigten sowie Verantwortung für Ihren Betrieb, wie ein aktuelles Urteil des Bundesarbeitsgerichts zeigt. Die obersten Richter erklärten, Alkoholsucht sei eine Erkrankung, und verdonnerten ein Unternehmen der Baubranche dazu, einem rückfällig gewordenen Mitarbeiter das Krankengeld für die ersten sechs Wochen seiner zehnmonatigen Krankschreibung nachzuzahlen. Der Arbeitgeber hatte darauf beharrt, der Mann sei selbst schuld an seinem Rückfall gewesen. War er nicht, stellten die Richter klar.

Denken Sie an Sicherheit und Prävention

Als Arbeitgeber sollten Sie an Alkoholismus den gleichen Maßstab anlegen wie an andere längerfristige und schwere Erkrankungen. Nicht nur bei der Lohnfortzahlung, sondern auch bei der schrittweisen Wiedereingliederung nach einer Therapie sowie in Sachen Prävention: Als Erstes müssen Sie für Sicherheit sorgen. Und dann sollten Sie sich ruhig um Prävention kümmern. Immerhin gelten fünf Prozent der Beschäftigten nach Expertenschätzungen als alkoholkrank. Denn Alkoholismus ist eine langwierige und vor allem schwere Erkrankung.

Auf Nüchternheit bestehen und Hilfe anbieten

Klar kann es witzig sein, was Betrunkene auf Feiern machen. Aber für Sie als Arbeitgeber sind angetrunkene Mitarbeiter zunächst einmal ein Sicherheitsrisiko. Im Führerhäuschen eines Lastwagens, am Steuer eines Vertriebskombis oder am Führerstand einer Maschine gefährden sie sich selbst und andere. Langfristig ist Alkohol aus Arbeitgebersicht auch bei Büroangestellten problematisch: Die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit sinkt, Konflikte nehmen zu. Sie sollten also klar auf Nüchternheit bestehen – einzelne Ausrutscher nach Hoffest, Kirmes oder Familienfeier aber auch nicht gleich abmahnen.

Holen Sie Unterstützung von Suchtexperten

Außerdem sollten Sie Suchtgefährdeten per Aushang durch geeignete Kontaktadressen Hilfe anbieten. So erreichen Sie unauffällig erkrankte Mitarbeiter, von denen es mehr gibt, als man denkt – wer seinen Alkoholspiegel hält, verbirgt dies oft erfolgreich. Ihrem Gefühl, bei einem Mitarbeiter könne Alkohol im Spiel sein, sollten Sie ruhig trauen, rät Martina Rummel, Diplom-Psychologin und Expertin für betriebliche Alkohol- und Drogenprogramme vom Institut für Betriebliche Suchtprävention Berlin. Denn der Eindruck stimme fast immer. Im Gespräch sollten Sie Hilfe anbieten, etwa Kontaktadressen vor Ort. Und wo Großbetrieben auf ihre betriebsärztlichen Dienste oder Sozialberatungsstellen setzen, können Sie stundenweise einen Sozialarbeiter engagieren, um Mitarbeitern zu helfen. Ist jemand tatsächlich süchtig, können Sie mit Gespräch und Hilfsangebot Leben retten, davon sind auch die Experten überzeugt.

Eine Kündigung ist gar nicht so einfach

Natürlich kommt es vor, dass Mitarbeiter sich sperren und Probleme bleiben. Bei einer Suchterkrankung wirken verhaltensbedingte Abmahnung oder Kündigung nicht. Aber durchaus – wie bei anderen Erkrankungen auch – krankheitsbedingte Kündigungen. Aber Sie müssen den Therapieerfolg abwarten. Und Sie sollten nicht vergessen, dass Sie zu Eingliederungsmaßnahmen verpflichtet sind, wenn ein Mitarbeiter sechs Wochen im Jahr arbeitsunfähig ist. Und auch im Arbeitszeugnis darf sich am Ende kein Hinweis auf Alkoholmissbrauch oder -abhängigkeit finden.
Foto: ddp-images

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Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter lady-godiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.

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