Personal & Führung

Vorurteile entkräften und Jugendliche begeistern

Am heutigen Girl’s (und Boy’s) Day öffnen viele Firmenchefs ihr Unternehmen für junge Leute und stellen sich deren Fragen. Die teilnehmenden Betriebe haben erkannt, dass solche Aktionstage ein wichtiges Element bei der schwieriger werdenden Suche nach Auszubildenden sind.

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Neulich fragte meine zehnjährige Tochter: „Mama, was ist eigentlich der beste Beruf?“ Ich: „Welche Berufe beliebt sind, kann ich dir sagen, aber welcher der beste ist, hängt davon ab, was du gern tust und gut kannst.“ Dann hat sie erzählt, was sie werden will und wofür sie sich interessiert – ein Berufswunsch kam für mich überraschend, vom anderen höre ich schon seit Jahren immer wieder. Beide jedenfalls sind sie erfreulich weit weg von den allgemein üblichen Top Ten der Berufe, die sich Mädchen sonst gern aussuchen. Oder Jungs.

Girl’s Day und Boy’s Day gegen die Klischees

Das ist nicht selbstverständlich. Viele Jugendliche scheinen bei der Berufswahl erstaunlich festgefahren. Seit Jahren kursieren die immer wieder gleichen Hitlisten der Wunschberufe für Jungen und Mädchen. Daran zu rütteln ist mit Blick auf die Mädchen erklärtes Ziel des heutigen Girl’s Day. Dieser Informationstag, gestartet in der Hochzeit des New-Economy-Booms 2001, soll Mädchen vor allem für technische und auch handwerkliche Berufe interessieren.
Falls auch Sie heute jungen Leute Ihren Betrieb vorstellen, wünsche ich viel Spaß und Erfolg. Falls nicht: Denken Sie darüber nach, ob Sie nicht beim nächsten Mal dabei sein sollten. Dieser Aktionstag ist eine gute Gelegenheit für Nachwuchsarbeit. In Kooperation mit vielen Schulen und Verbänden können Sie potenziellen beruflichen Nachwuchs – Siebt- bis Zehntklässler sind die Zielgruppe – relativ einfach auf Ihr Unternehmen und die sich dort bietenden beruflichen Chancen aufmerksam machen. Im Übrigen nicht nur Mädchen: Seit fünf Jahren gibt es das entsprechende Pendant dazu auch für Jungs, den Boy’s Day, mit dem Jungs für männeruntypische Berufe interessiert werden sollen, ebenfalls heute.

445 Seiten unbekannte Ausbildungsberufe

Ob nun Girl’s oder Boy’s Day – Nachwuchsaktionstage können generell nicht schaden. Information aus erster Hand ist bei der beruflichen Orientierung immer eine gute Sache und weitaus wertvoller für die Orientierung als Tage im Berufsinformationszentrum (BIZ) der Arbeitsagentur oder Gespräche mit eher praxisfernen Lehrern. Den Blick zu erweitern ist eine wirklich gute Sache. Auch mir fallen auf Anhieb vielleicht zwei Dutzend Ausbildungsberufe ein – also nur ein ganz kleiner Teil der vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) anerkannten offiziellen Ausbildungsberufe –, das Verzeichnis umfasst 445 Seiten. Und Jungs wie Mädchen nahezubringen, welche Chancen diverse Ausbildungsberufe für ein erfolgreiches und glückliches Berufsleben bieten, kann generell nicht schaden. Auch und gerade den Unternehmen. Die haben nämlich heute nicht nur mit sinkenden Schulabgänger- und damit Bewerberzahlen zu kämpfen. Sondern die aus den Schulen strömenden Jugendlichen gehen heute offenbar generell lieber studieren, als eine Berufsausbildung zu absolvieren, wie der aktuelle Berufsbildungsbericht zeigt.
Welches der beste Beruf und auch der beste Ausbildungsweg für sie ist, müssen die Jugendlichen natürlich selbst entscheiden. Aber Sie als Firmenchef können immerhin Ihr Bestes tun, um mögliche Vorurteile bei der Entscheidungsfindung zu entkräften. Dass sich das für Unternehmen lohnt, darauf können Sie sich verlassen.
Foto: imago/Felix Jason

Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter ladygodiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.