Wirtschaft & Recht

Drohen Sie besser nicht mit einem Schufa-Eintrag

Dieser Tage erreichten mich gleich zwei Neuigkeiten in Sachen Wirtschaftsauskunfteien. Eine kam per Briefpost an mich persönlich, eine ging per E-Mail-Newsletter an die Allgemeinheit. Eine könnte Sie als Opfer betreffen, eine als Täter. Klingt interessant? Ist es auch.

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Fangen wir mit der Opferrolle an. Wer bei Crefo, Schufa und Co. einen schlechten sogenannten Scorewert erhält – er beziffert das Risiko eines möglichen Zahlungsausfalls – oder sogar als jemand gilt, bei dem von Geschäftsbeziehungen abgeraten wird, hat kaum Chancen, einen Leasing- oder Kreditvertrag zu bekommen. Für Unternehmer kann dies schnell das Aus bedeuten. Man sollte also in jeder Situation – selbst bei Streitigkeiten über eine Rechnung – zwar auf seinem Recht bestehen, aber doch möglichst so handeln, dass das eigene Zahlungsverhalten weiter als gut gilt.

Nutzen Sie regelmäßig Ihr Recht auf Selbstauskunft

Und man sollte regelmäßig durch eine kostenlose Selbstauskunft nach § 34 Bundesdatenschutzgesetz prüfen, ob die den Auskunfteien vorliegenden Informationen stimmen, sowie falls nötig das Löschen falscher Einträge verlangen. Bei meinem letzten Selbstcheck war der Inhalt in Ordnung, aber die Form ließ zu wünschen übrig. Dass ich als verlässlicher Zahler gelte, erfuhr ich von einigen der angeschriebenen Dienstleister erst spät oder nachdem falsch übernommene Daten wie Name und Adresse korrigiert worden waren. Und in einem Fall – damit kommen wir zu dem Brief, der mich erreichte – erhielt ich die Antwort auf mein Auskunftsersuchen vor ein paar Tagen. Sechs Monate nachdem ich es losgeschickt hatte. Wären falsche Informationen über meine Kreditwürdigkeit so lange im Umlauf gewesen – na danke.

Drohen Sie Schuldnern besser nicht mit der Schufa

datev-mittelstand-classic-pro_02Die Angst vor einer falschen Beurteilung plagt viele Menschen. Und damit wären wir bei dem E-Mail-Newsletter, der mich über ein sehr interessantes Urteil informierte. Als Unternehmer können Sie nämlich in Sachen Schufa schnell zum Täter werden. Und zwar dann, wenn Sie säumigen Zahlern zu aggressiv mit einem entsprechenden Eintrag drohen. Der Bundesgerichtshof erklärte, Vodafone habe seine Kunden durch Mahnschreiben mit dem Hinweis, man sei verpflichtet, die „unbestrittene“ Forderung der Schufa mitzuteilen, sofern die Interessenabwägung nicht etwas anderes ergebe, in wettbewerbswidriger Weise unter Druck gesetzt. Beim Adressaten werde so der Eindruck erweckt, er müsse mit einer Übermittlung seiner Daten an die Schufa rechnen, wenn er der geltend gemachten Forderung nicht innerhalb der gesetzten Frist nachkomme. Unternehmen müssten die rechtlichen Anforderungen für eine Datenübermittlung an die Schufa aber deutlich machen. Das habe Vodafone nicht getan, hieß es.
Meine Empfehlung: Gehen Sie mit Steuerberater und mit Rechtsanwalt durch, ob Ihr Forderungsmanagement noch den aktuellen Anforderungen und Möglichkeiten entspricht. Und drohen Sie säumigen Zahlern besser nicht pauschal mit der Schufa. Ob es einen intelligenten und individuellen Weg gibt, den Hinweis auf einen Eintrag bei den einschlägigen Auskunfteien in Ihren Mahnprozess einzubauen, sollten Sie unbedingt detailliert mit einem Rechtsanwalt besprechen. Sonst werden auch Sie noch zum Täter im Sinne des BGH.
Foto: Shutterstock

Frank Wiercks

ist Mitglied der Redaktion von TRIALOG, dem Unternehmerblog für Mittelständler, Selbständige und Freiberufler. Außerdem arbeitet er für verschiedene Wirtschafts- und Managementmagazine. Zuvor war er unter anderem Chefredakteur von handwerk magazin und Markt und Mittelstand.