Wirtschaft & Recht

Sind Testament und Vollmacht für das Netz ausgestellt?

Unternehmerische Aktivitäten verlagern sich verstärkt ins Internet, in der digitalen Welt finden Einkauf, Werbung und Netzwerken statt. Aber wenn Firmenchefs ausfallen, bleiben deren Accounts oft ohne Betreuung. Haben Sie schon festgelegt, wer Ihren digitalen Nachlass verwalten soll?

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Wo wir kürzlich beim Thema Facebook, Xing & Co. waren – falls Sie ausgiebig soziale Medien nutzen und womöglich sogar wichtige Geschäfte online erledigen: Haben Sie schon darüber nachgedacht, was passiert, wenn Sie mal ausfallen?
Ja, ich weiß: Unternehmer werden nicht krank. Aber Scherz beiseite und ohne gleich den Teufel an die Wand malen zu wollen: Ich hatte im engen Freundes-, Familien- und Bekanntenkreis schon Fälle, in denen jemand von heute auf morgen monatelang außer Gefecht gesetzt war. Und unter Experten gilt es nicht gerade als exotisches Risiko, dass Firmenchefs bei einem Unfall oder durch einen Herzinfarkt überraschend sterben. Darum sollten Sie sich, so wie Sie bestimmt auch eine Vorsorgevollmacht oder ein Testament beim Rechtsanwalt hinterlegt haben, Gedanken über Ihren digitalen Nachlass machen. Ihre Profile in sozialen Netzwerken sollten dabei ebenso Thema sein wie Online-Konten oder Accounts auf Handelsplattformen im Internet.

Bei Facebook gibt es bald einen Nachlassverwalter

Facebook bietet seit Neuestem – vorerst nur Nutzern in den USA – eine Option an: Sie können in den Sicherheitseinstellungen einen Nachlassverwalter bestimmen. Er kann die Freunde des Verstorbenen informieren. Dieser Post bleibt dann auf der Profilseite oben stehen. Außerdem darf er neue Freundschaften schließen und Kontakte halten. Allerdings kann der Facebook-Nachlassbevollmächtigte weder die persönlichen Mitteilungen des Verstorbenen lesen noch in dessen Namen posten. Wer solch einen Nachlasskontakt bestimmt, für den wird die Seite als eine Art Gedenkseite weitergeführt. Das soll am Schriftzug „Remembering“ über dem Namen des Profilinhabers erkennbar sein. Nutzer können alternativ nach wie vor ihr Profil nach ihrem Tod einfach löschen lassen. Es wird sicher nicht lange dauern, bis das Netzwerk die Änderung auch in Deutschland einführt.

Firmenauftritte im Netz sollten nicht verwaisen

Aber erstens ist es noch nicht so weit, und zweitens gibt es sicher weit mehr als nur soziale Netzwerke, wo Auftritte von Unternehmern nach deren Tod praktisch verwaisen – vom eigenen Blog bis zum Ebay-Account. So etwas kann durchaus problematisch werden, wenn mit dem Firmenchef nicht gleich sein ganzer Betrieb aufhört zu existieren. Dann besteht parallel zu den neuen Internet-Aktivitäten des Nachfolgers, also beispielsweise von Sohn oder Tochter, im Netz eine Art historische Schattenpräsenz des Verstorbenen, der so lange das Gesicht des Unternehmens war. Für eine gewisse Zeit lenken Suchmaschinen Interessenten weiterhin auf diese Seite. Zudem verliert der Nachfolger, wenn er keinen Zugriff auf bestehende Accounts hat und überall neue einrichten muss, unter Umständen gute Bewertungen oder interessante Kontaktdaten.
Deshalb ist es sinnvoll, beispielsweise Ihrem Ehepartner oder einem engen Mitarbeiter die Zugangsdaten zu wichtigen Ressourcen in einem sogenannten Notfallordner bereitzustellen. Zu Ihrem Online-Bankzugang. Zu Ihrem Internet-Shop. Zu Ihrer Lohn- und Gehaltssoftware oder was auch immer in Ihrem Unternehmen wichtig ist. Nur so ist gewährleistet, dass der Betrieb weiterläuft, wenn Sie plötzlich für längere Zeit ausfallen.

Anwaltskanzleien bieten inzwischen einen Komplettservice

Am besten ist es, eine Liste mit den Konten beziehungsweise Accounts sowie mit den aktuellen Passwörtern aufzustellen und sicher zu verwahren. Zuvor sollten Sie mit der Person Ihres Vertrauens und einem Experten klären, ob der Zugang wirklich klappt. Und wie garantiert ist, dass die sich regelmäßig ändernden Passwörter stets aktuell sind. Dafür gibt es technische Lösungen, aber dafür sind auch Aktualisierungsroutinen erforderlich. Außerdem müssen Sie festlegen, was genau passiert, wenn der Ernstfall eintritt. Wer gibt die Informationen weiter, wann darf in Ihrem Namen gehandelt werden? Natürlicher Partner dafür ist der Rechtsanwalt, bei dem auch die Liste mit Passwörtern gut aufgehoben ist. Es gibt mittlerweile Kanzleien, die diesen Service als Komplettpaket anbieten.
Das Thema mag unangenehm sein. Aber je eher Sie es angehen, desto eher können Sie es auch erleichtert abhaken – mit dem guten Gefühl, verantwortungsbewusst für Unternehmen, Nachfolger und Mitarbeiter gehandelt zu haben.
Foto: Fotolia/LiliWhite

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Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter lady-godiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.

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