Personal & Führung

Der Mitarbeiter als Filmstar kann auch zur Belastung werden

Demonstrationsvideos oder Imagefilme sind für Kundenservice und Firmenpräsentation wichtig. Aber wer auftritt, kann wegen des Rechts am eigenen Bild sein Einverständnis zurückziehen. Setzen Sie Mitarbeiter vorsichtig ein. Und prüfen Sie mit einem Anwalt, ob Vergütungen hier mehr Sicherheit bringen.

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Wie schnell sich die Rechtslage doch manchmal ändert – na ja, nicht wirklich ändert, sondern eher noch weiter auffächert. Vor kurzem habe ich hier darüber berichtet, dass Firmenchefs das Recht der Beschäftigten am eigenen Bild achten müssen, wenn sie eine Firmenbroschüre drucken, ein Imagevideo produzieren, eine Web-Seite gestalten lassen. Wer gezeigt wird, so die klare Regelung, muss schriftlich sein Einverständnis zur Veröffentlichung erklären, idealerweise als Anlage zum Arbeitsvertrag. Es ging um Belegschaftsfotos im Internet. Die salomonischen Urteile: Zwar muss der Bitte eines Mitarbeiters um Entfernung entsprochen werden. Aber erst dann, wenn er sie ausspricht. Eine zuvor gegebene Einwilligung erlischt nicht automatisch zum Ende des Arbeitsverhältnisses. Und es kann genügen, den Ex-Kollegen etwa in einem PDF-Dokument durch Verpixeln, Retuschieren oder einen schwarzen Balken unkenntlich zu machen. Eine komplette Entfernung ist nicht immer zwingend erforderlich. Allerdings sollte jeder Einzelfall mit einem Rechtsanwalt besprochen werden.

Einwilligung gilt nach Ausscheiden aus dem Betrieb weiter

Jetzt hat das Bundesarbeitsgericht die Frage beantwortet, wie es sich in diesem Zusammenhang mit Videos verhält. Die gute Nachricht: Im Grundsatz bleibt es auch für Filme dabei, dass Aufnahmen nur mit schriftlicher Einwilligung des Arbeitnehmers gezeigt werden dürfen. Und dass die einmal gegebene Erlaubnis nicht automatisch mit Ende des Arbeitsverhältnisses erlischt, sondern mit einem plausiblen Grund widerrufen werden muss und erst das den Firmenchef zum Handeln zwingt. Im konkreten Fall war der Kläger, der vier Jahre in einem Betrieb für Klima- und Kältetechnik mit rund 30 Beschäftigten gearbeitet hatte, an zwei Stellen eines Werbefilms zu erkennen. Einige Wochen nach seinem Ausscheiden erklärte er den Widerruf der Einwilligung und forderte, das Video binnen zehn Tagen aus dem Netz zu nehmen. Dem folgte das Unternehmen einige Wochen später. Der Kläger verlangte die Unterlassung der weiteren Veröffentlichung und Schmerzensgeld. Die Richter verneinten diesen Anspruch. Ein späterer Widerruf sei zwar möglich, aber der Kläger habe dafür keinen plausiblen Grund angegeben. Er könne daher eine weitere Veröffentlichung nicht untersagen lassen und werde durch diese in seinem Persönlichkeitsrecht nicht verletzt.

Besser Bilder entfernen als einen Rechtsstreit riskieren

Was bedeutet dies für Sie als Unternehmer? Theoretisch könnten Sie sich auf den Standpunkt stellen, wer einmal der Veröffentlichung eines Videos zugestimmt hat und keinen guten Grund für seinen Widerruf nennt, wird eben weiter gezeigt. Das wäre mir aber zu riskant – schließlich droht dann in jedem Einzelfall wieder eine Klage, was immer einen hohen zeitlichen und eventuell finanziellen Aufwand nach sich zieht. Nein, ich rate Ihnen – parallel zur sauberen Dokumentation der Einverständniserklärung – etwas ganz anderes: Überlegen Sie schon bei der Konzeption eines Videos gemeinsam mit der ausführenden Agentur, ob es sich nicht in modularer Bauweise realisieren lässt.

Manchmal kann das Verpixeln des Gesichts ausreichen

Oft aber schlagen sich die Richter auf die Seite der Mitarbeiter. Zwar meinte das Landesarbeitsgericht Mainz, die Teilnahme an der Fertigung eines Belegschaftsfotos zu Präsentationszwecken begründe eine Einwilligung zur Veröffentlichung. Sie gelte auch für den Internet-Auftritt und erlösche nicht automatisch mit der Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Deshalb stehe einem Ex-Beschäftigten für die Entfernung eines Gruppenfotos erst ein Jahr nach seinem Ausscheiden kein Schmerzensgeld wegen Persönlichkeitsverletzung zu. Andererseits muss man handeln, falls ein Mitarbeiter die Einverständniserklärung gemäß Arbeitsvertrag widerruft, und Bilder oder Namensnennungen von der Homepage entfernen. In einem konkreten Fall genügte es nach Meinung des Arbeitsgerichts Frankfurt am Main zwar, Gesicht und Namen der Klägerin – etwa in einem PDF-Dokument auf der Homepage – durch Verpixeln, Retuschieren oder einen schwarzen Balken unkenntlich zu machen. Eine komplette Entfernung sei nicht erforderlich. Aber generell verweigern dürfe das Unternehmen der Ex-Angestellten die Anonymisierung nicht.

Das Recht am eigenen Bild ist ein hohes Gut

Jetzt läuft gegen das Urteil eine Berufung beim Hessischen Landesarbeitsgericht. Aber unabhängig von deren Ausgang müssen Unternehmer klare Verfahrensweisen für den Umgang mit Fotos und Namen der Mitarbeiter auf der Web-Seite festlegen. Erstens sollte schriftlich das Einverständnis zur Veröffentlichung erteilt werden, am besten im Rahmen des Arbeitsvertrags – und es sollte ausdrücklich auch für die Zeit nach einem möglichen Ausscheiden gelten. Zweitens muss auf jeden Wunsch der Mitarbeiter, nicht mehr auf der Homepage zu erscheinen, sofort reagiert werden, denn das Recht am eigenen Bild ist ein hohes Gut. Am besten werden Fotos komplett entfernt, das ist heute technisch kein Problem mehr. Um vor allem im Streitfall auf der sicheren Seite zu sein, sollte nur ausnahmsweise mit Verpixelungen gearbeitet werden.
Foto: gettyimages/Freudenthal Verhagen

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Frank Wiercks

ist Mitglied der Redaktion von TRIALOG, dem Unternehmermagazin für Mittelständler, Selbständige und Freiberufler. Außerdem arbeitet er für verschiedene Wirtschafts- und Managementmagazine. Zuvor war er unter anderem Chefredakteur von handwerk magazin und Markt und Mittelstand.