Wirtschaft & Recht

Bauernhof zum Anfassen und Regenwürmer zum Genießen

Die weltgrößte Nahrungsmittelschau, die Grüne Woche in Berlin, läuft auf Hochtouren. Bei der Messe gibt es von Politikern die üblichen ernährungspolitisch korrekten Vorstöße und bei den Ausstellern viele Gelegenheiten, ganz neue Geschmackswelten zu entdecken.

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Neulich habe ich mich gewundert. Im Radio lief ein Bericht über eine Demonstration von Bauern gegen Qualitätsprobleme bei Lebensmitteln. „Wo sie doch größtenteils selbst für die Herstellung der Produkte verantwortlich sind?“, habe ich mich gefragt. Aber es war so. Bessere Kennzeichnung und eine Art Fleischpfennig vom Handel haben die Landwirte unter anderem gefordert. Und ihr Traktorenzug bildete nur einen von drei oder mehr Demonstrationszügen –Bioland-Betriebe und Veganer gingen ebenfalls auf die Straße zum Beginn der Grünen Woche in Berlin.

Verpflegen Sie sich und Ihre Mitarbeiter besser

Zugegeben, es gibt einigen Handlungsbedarf bei der Herstellung und Kennzeichnung unserer Lebensmittel, bei der Aufzucht der Tiere vor allem, aber auch beim Anbau von Obst und Gemüse. Ich mag die immer neuen Skandalmeldungen gar nicht mehr sehen. Gerade erst wieder: Fast alle Putenfleischproben aus Supermärkten waren mit gegen Antibiotika resistenten Keimen verseucht. Zum Glück muss ich es so genau nicht wissen. Weder schreibe ich darüber, noch esse ich Supermarktfleisch. Fleisch und Gemüse besorge ich im Biosupermarkt. Milchprodukte, Kartoffeln und Eier haben wir beim Biobauern abonniert. Nur sehr gelegentlich gibt’s mal Rind oder Ente beim Asiaten – und da leiste ich mir den kleinen Luxus, nicht über die Herkunft nachzudenken. Dazu passend habe ich gerade gelesen, erstmals seit Jahrzehnten hätten Pharmazeuten ein neues Antibiotikum entwickelt, das sogar gegen hochgefährliche multiresistente Keime wirkt. Aber darauf zu bauen – das halte ich dann doch für grundverkehrt. Qualitativ hochwertigeres Essen schmeckt besser, ist nahrhafter und risikoärmer für Mensch und Tier. Falls Sie also über ihre Firmenverpflegung nachdenken

Erlebnisbauernhof zum Experimentieren

Um gute oder wenigstens bessere Nahrungsmittel geht es denn auch Jahr für Jahr auf der Grünen Woche. Neben den Dauerthemen der vergangenen Jahre – gesunde Lebensmittel und artgerechte Tierhaltung – auch trendgemäß um das umstrittene Freihandelsabkommen mit den USA, TTIP, das unter anderem, fürchten Kritiker, genmanipulierten Lebensmitteln den Weg auf den deutschen Markt bahnen könnte. Partnerland ist diesmal Lettland. Auch die anderen baltischen und osteuropäischen Länder sind mit ihrer starken Landwirtschaft auf der Messe vertreten. Zum üblichen und durchaus appetitanregenden Grüne-Woche-Gewimmel gibt es als Kuriosität des Jahres riechende Regenwürmer. Schön finde ich die Idee der Anbieter aus Gatersleben in Sachsen-Anhalt: Sie sind mit einem Erlebnisbauernhof auf der Messe vertreten, auf dem Schüler das ein oder andere landwirtschaftliche Experiment machen und auch zu Hause fortführen können, beispielsweise mit Kresse.

Gerettetes Obst als Snack

Am besten gefällt mir dieses Jahr aber das Angebot eines jungen Berliner Herstellers, der gar nicht auf der Grünen Woche vertreten ist: eine Art Esspapier aus sehr fein püriertem, schonend gedörrtem Obst. Und zwar aus überschüssigem Obst hergestellt, das völlig in Ordnung ist, von Händlern aber wegen einer kleinen Delle entsorgt würde. Slogan: „Jede Frucht ist schön.“ Solche pfiffigen Lösungen für ein echtes Problem – Nahrungsmittelüberschuss – mag ich. Falls Sie vor Ort sind: Vielleicht schauen Sie ja mal dort vorbei – und organisieren abseits der Messe noch ein bisschen Kantinen- oder Snackverpflegung für Ihre Mitarbeiter oder sich selbst?

Foto: Shotshop/Urs Flueeler

Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter ladygodiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.