Personal & Führung

Für Unternehmer ist es höchste Zeit zu handeln

Verträge anpassen, Löhne erhöhen, Auszahlungsmodalitäten ändern, Stunden erfassen – der gesetzliche Mindestlohn beschert den meisten Firmenchefs viel Arbeit. Und die Zeit wird knapp. Sie sollten dringend mit Ihrem Steuerberater oder Anwalt klären, was Sie ab Januar tun müssen.

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Wäre die Angelegenheit nicht so ernst, man könnte fast darüber lachen: Wenn ich in Google nach „Mindestlohn“ suche, erhalte ich – neben bezahlten Anzeigen, Wikipedia und Newseinblendungen von Tageszeitungen oder Rundfunkanstalten – auf Seite eins nur Treffer der Befürworterfraktion. Hinter www.mindestlohn.de verbirgt sich der DGB. Hinter www.der-mindestlohn-kommt.de steckt ebenso das Bundesministerium für Arbeit und Soziales von Andrea Nahles wie hinter www.bmas.de. Einige Nachrichtentreffer später folgt unter www.boeckler.de die Hans-Böckler-Stiftung des Deutschen Gewerkschaftsbunds. Auf Seite zwei kommt mit www.ihk-praktikumsportal.de die erste arbeitgebernahe Information, und die auch nur für einen kleinen Ausschnitt des ganzen Themenkomplexes. Es folgen unter anderem: Bundesregierung, Minijob-Zentrale, Zoll, Linksfraktion sowie SPD. Überwiegender Tenor: soziale Gerechtigkeit. Und was finde ich nicht? Handlungshilfen der Wirtschaftsverbände für betroffene Unternehmer.

An die neuen Dokumentationspflichten denken

Mindestlohn DATEV Arbeitshilfen Tipps ChecklisteDas darf jetzt ruhig als Kritik verstanden werden. Allerdings mehr an der Unfähigkeit, Arbeitgeberseiten zu diesem Thema prominent in der Google-Suche unterzubringen. Und weniger am Fehlen konkreter Tipps, wie sich Unternehmer verhalten sollen, die ab Januar die Bestimmungen des neuen gesetzlichen Mindestlohns einhalten müssen. Denn der Teufel liegt bei diesem Thema im Detail. Es gibt zwar generelle Checklisten oder Übersichten wie die der IHK-München, aber keinen Königsweg zur Einhaltung aller Vorgaben. Hier muss jeder Firmenchef seinen eigenen Weg finden und ihn rechtzeitig, also möglichst noch vor Weihnachten, mit seinem Steuerberater und Rechtsanwalt besprechen. Schließlich gilt es, ab 1. Januar das richtige Entgelt zu zahlen, dies in einer rechtssicheren Vereinbarung mit dem Beschäftigten festzuhalten sowie außerdem die umfassenden Dokumentations- und Aufbewahrungspflichten zu erfüllen.

Urlaubs- und Weihnachtsgeld anders auszahlen

Zur Erinnerung: Es reicht nicht aus, einfach geringere Stundenlöhne auf die vorgeschriebenen 8,50 Euro anzuheben. Sie als Firmenchef müssen klären, ob für Ihren Betrieb Ausnahmen vom gesetzlichen Mindestlohn gelten und neue Verträge für Praktikanten erforderlich sind. Sie müssen sicherstellen, ob von Ihnen eingesetzte Subunternehmer den Mindestlohn zahlen, weil Sie für deren Verstöße eventuell mithaften. Sie müssen überlegen, ob sich Arbeitsverträge so ändern lassen, dass Leistungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld anteilig monatlich ausgezahlt werden. Die würden dann nämlich kontinuierlich zur Berechnung des Mindestlohns mitzählen – und nicht nur im Monat der Auszahlung. Und Sie müssen die technischen wie organisatorischen Voraussetzungen dafür schaffen, dass Sie bei einer Betriebsprüfung belegen können, wann Ihre Beschäftigen gekommen sind, Pausen gemacht und die Arbeit beendet haben – dies verlangt das Gesetz als Nachweis, dass ein gezahltes Entgelt geteilt durch die geleisteten Stunden tatsächlich Mindestlohnniveau erreicht.

Unbedingt die Verträge von Minijobbern anpassen

Ach ja – und die Verträge beziehungsweise Stunden der Minijobber müssen natürlich so angepasst werden, dass mindestens 8,50 Euro pro Stunde gezahlt werden, aber nicht mehr als 450 Euro pro Monat. Die simple Rechnung: 450 geteilt durch 8,50 sind 52,9 Stunden. Wer der Einfachheit halber auf 53 Stunden aufrundet, schuldet einen Mindestlohn von 450,50 Euro – und verliert wegen dieser 50 Cent alle Vorteile der Pauschalierung. Also: Reden Sie noch vor Weihnachten mit Steuerberater und Anwalt. Sie kennen den aktuellen Stand der Anwendungsverordnungen durch die Verwaltung und können helfen, das eine oder andere Problem zu lösen.
Foto: Fotolia/Belamy

Frank Wiercks

ist Mitglied der Redaktion von TRIALOG, dem Unternehmermagazin für Mittelständler, Selbständige und Freiberufler. Außerdem arbeitet er für verschiedene Wirtschafts- und Managementmagazine. Zuvor war er unter anderem Chefredakteur von handwerk magazin und Markt und Mittelstand.