Wirtschaft & Recht

Wer einen langen Prozess gewinnt, ist oft ein Verlierer

Manche Firmenchefs riskieren eine Klage aus Starrsinn, andere sehen keine Alternative. Dabei wären viele Konflikte im Betrieb oder zwischen Unternehmen besser durch eine Schlichtung oder Mediation lösbar. Vor Gericht erstrittene Urteile kosten den Sieger nämlich häufig sehr viel mehr Geld.

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Bitte, bitte, lieber Herr Weselsky. Ich bitte Sie inständig: Schauen Sie sich das folgende Video an. Und akzeptieren Sie dann das Angebot der Deutschen Bahn AG, den aktuellen Konflikt durch eine Schlichtung zu lösen. Es wäre wirklich das Beste, mit Ihrem Tarifpartner zu reden – der ja nicht umsonst Partner heißt – und im Dialog eine Lösung zu finden, statt Ihren Streit weiter auf dem Rücken der Fahrgäste auszutragen. Das schadet dem Ruf Ihrer GDL, der Gewerkschaft der Lokführer, ebenso wie der Wirtschaftskraft Ihres Arbeitgebers – und gefährdet damit langfristig eventuell sogar Jobs.

Der amerikanische Unternehmer Andrew Carnegie hat einmal gesagt: „Je älter ich werde, umso weniger achte ich darauf, was die Menschen sagen – ich achte darauf, was sie tun.“ Das sollte auch für die Auseinandersetzung zwischen Lokführern und Deutscher Bahn gelten: Es ist Zeit, dass die Führer der – derzeit ruhenden – Verhandlungen die gegenseitigen Vorwürfe vergessen und sich bemühen, eine faire Einigung zu finden. Dazu empfiehlt sich das Instrument der Schlichtung oder Mediation, bei der die streitenden Parteien unter Moderation eines neutralen Dritten gemeinsam nach einer Lösung suchen. Das gilt übrigens nicht nur für Tarifkonflikte, sondern für viele Arten von Unstimmigkeiten innerhalb eines Betriebs oder zwischen verschiedenen Unternehmen. Häufig lassen sich Konflikte auf diesem Weg schneller und preiswerter beilegen als im Gerichtssaal – und die Beteiligten können weiter zusammenarbeiten, weil Probleme einvernehmlich ausgeräumt wurden.

Sturheit bei Konflikten kostet viel Zeit und Geld

Leider gibt es Sturköpfe nicht nur bei Bahn und Lokführern, sondern überall. Jedes Jahr geben deutsche Unternehmen einige Milliarden für Gerichtsverfahren aus, statt durch alternative Methoden des betrieblichen Konfliktmanagements die Kosten für juristische Auseinandersetzungen zu verringern und damit den Gewinn zu steigern. Selbst für mittlere und große Unternehmen mit eigenen Rechtsabteilungen, so eine Studie, ist der konsensorientierte Umgang mit Konflikten die Ausnahme. Dabei könnten gerade in Verträgen zwischen Unternehmen leicht Mediationsklauseln vereinbart werden. Vorgeschrieben ist die Einschaltung von Schlichtungsstellen übrigens schon bei vielen Reklamationen von Verbrauchern, etwa wenn es um Fluggastrechte oder Ansprüche gegen Banken und Versicherungen geht, wo dann ein Ombudsmann für die außergerichtliche Beilegung eines Streits zuständig ist.

Dass eine Mediation billiger als ein Prozess ist, belegt auch die Praxis der meisten Rechtsschutzversicherer, Verträge mit Mediationsverfahren anzubieten. Die Erfahrungen seien gut, so Gerhard Horrion vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV): „Die Erfolgsquote bei Mediationsverfahren liegt bei rund 80 Prozent.“ Allerdings ist auch die Mediation mit Aufwand verbunden: Man muss sich zunächst mit dem Konfliktpartner auf dieses Vorgehen einigen und dann den passenden Schiedsrichter suchen. Wer das im Internet tut, findet kommerzielle Anbieter und eingetragene Vereine wie die Deutsche Gesellschaft
für Mediation in der Wirtschaft, den Bundesverband Mediation in Wirtschaft und Arbeitswelt oder den Fachverband für Wirtschaftsmediation. Ob man hier aber richtig ist, was Erfahrung und Branchenspezialisierung angeht, bleibt offen. Sollten Sie sich also für eine Mediation interessieren, wäre es am besten, mit Unternehmern aus Ihrem Freundeskreis und dem Steuerberater oder Rechtsanwalt Ihres Vertrauens darüber zu reden, ob sie Erfahrung mit dem Thema haben oder einen entsprechenden Experten nennen können.
Foto: gettyimages/Martin Poole

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Frank Wiercks

ist Mitglied der Redaktion von TRIALOG, dem Unternehmermagazin für Mittelständler, Selbständige und Freiberufler. Außerdem arbeitet er für verschiedene Wirtschafts- und Managementmagazine. Zuvor war er unter anderem Chefredakteur von handwerk magazin und Markt und Mittelstand.