Personal & Führung

Schulpraktikum bringt Azubis ins Handwerk

Joachim Kreuz, Chef eines SHK-Handwerksbetriebs, plant beim Thema Ausbildung langfristig. Um Kontakt zu potenziellen Lehrlingen zu finden, kooperiert er mit Schulen. Kritisch sieht er, dass immer mehr Selbständige keine Ausbildereignungsprüfung haben.

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Zum neuen Ausbildungsjahr starten bei der Kreuz GmbH in Schallstadt zwei Azubis, die den Beruf des Anlagenmechanikers erlernen. Einer ist 16 Jahre alt und hat gerade erfolgreich die Hauptschule abgeschlossen. Der andere ist schon 24. Obwohl sie heute, am 1. September, ihren ersten Arbeitstag haben, kennt mein Team die jungen Leute schon. Azubis werden bei uns nicht nach dem Zufallsprinzip eingestellt. Der Ausbildungsvertrag steht am Ende eines Prozesses, in dem wir die Nachwuchskräfte und sie uns meist über zwei Jahre hinweg kennenlernen.
Damit das funktioniert, arbeite ich kontinuierlich mit der Johann-Philipp-Glock-Schule in Schallstadt und der Hebelschule in Freiburg zusammen, beides Grund-, Haupt- und Werkrealschulen. Die Schüler lernen unseren Betrieb während der achten und neunten Klasse in mehreren Phasen kennen. Die Zusammenarbeit mit der Hebelschule ist sogar in einer schriftlichen „Vereinbarung zur Bildungspartnerschaft“ fixiert. Die Kooperation beinhaltet zum Beispiel, dass ich die Kreuz GmbH – aber auch generell die Berufe innerhalb der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik – bei Infoveranstaltungen in der Schule präsentiere. Dazu nehme ich am liebsten einen meiner Azubis mit. Die kommen mit den Schülern leichter ins Gespräch und können so Interesse wecken.

Migrationshintergrund ist kein Problem

In der achten Klasse werden die Schüler zeitweise zur Berufsfindung freigestellt. Dann kommen einige von ihnen am Donnerstag in den Betrieb und schnuppern in den Beruf hinein. In der neunten Klasse machen sie bei uns ein Berufspraktikum in den Pfingst- oder Sommerferien. Gut die Hälfte von ihnen hat übrigens einen Migrationshintergrund. Das spielt bei der Arbeit aber überhaupt keine Rolle. Gerade die jungen Schüler integrieren sich sehr schnell ins Team. Die Kooperation ist für mich das zentrale Element der Azubi-Rekrutierung. Absolventen von Haupt- und Mittelschulen sind die potenziellen Gesellen, die das Fundament meines Unternehmens bilden. Und wer bei uns Praktikant war, aber nicht Azubi werden kann oder will, geht deshalb dem Handwerk nicht verloren. Sein Einverständnis vorausgesetzt, übergebe ich seine Unterlagen der Innungsgeschäftsstelle in Freiburg. Die Geschäftsführerin sammelt sie und stellt die Profile in einem Rundschreiben vor. So fand auch in diesem Jahr ein Bewerber, den ich ablehnen musste, eine Stelle in Freiburg.

An die gesellschaftliche Verantwortung denken

Junge Leute in Lohn und Brot zu bringen,sehe ich als Aufgabe, die über die Interessen eines Betriebs hinaus geht. Das Handwerk insgesamt übernimmt sehr oft gesellschaftliche Aufgaben. Wir fangen Jugendlichen auf, die nicht so glatt durch unser Schulsystem kommen. Einer meiner Azubis hat beispielsweise einmal eine Gesellenprüfung mithilfe eines Sprachcomputers gemacht, da er eine extreme Lese-Rechtschreib-Schwäche hatte. Heute ist er sehr erfolgreich und sogar in Afrika als Entwicklungshelfer tätig. Darum ärgert es mich, wenn ich Einmischungen von politischer Seite sehe, die in der Regel zu Verschlechterungen führen – beispielsweise der Wegfall der Meisterpflicht. Mir läuft die Galle über, wenn ich die Folgen speziell unter dem Aspekt der Nachwuchsausbildung sehe.

Wir brauchen mehr Ausbildungsbetriebe

Jeder darf sich selbständig machen, auch ohne Meisterbrief, aber es gibt zugleich immer weniger Ausbildungsbetriebe. Dabei wäre dieses Problem leicht zu lösen: Die Politik könnte festlegen, dass sich niemand ohne Ausbildungseignerprüfung selbständig machen darf. So würde das Ungleichgewicht wieder etwas geradegerückt. Im Moment haben wir zahlreiche Betriebe, die im Sanitär- und Heizungsbau ihr Geld verdienen. Die für die Branche zentrale und auch gesellschaftlich wichtige Aufgabe, jungen Menschen eine Zukunftsperspektive zu geben, schultern aber lediglich die Meisterbetriebe.
Vita:
Joachim Kreuz ist Chef der Kreuz GmbH in Schallstadt. Er ist Handwerksmeister, Vorstand der SHK-Freiburg und setzt sich für nachhaltiges Denken im Handwerk ein.

Foto: dpa/Jan-Peter Kasper

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