Personal & Führung

Bei Ausbildung und Praktika trifft die Regelung nur wenige

Der Mindestlohn werde Praktikums- und sogar Ausbildungsplätze kosten, befürchteten manche vor dem Bundestagsbeschluss. Unternehmer Walter Mennekes glaubt das nicht. Im Interview betont er, dass eine gute Bezahlung für ihn auch eine Frage der Fairness ist.

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TRIALOG: Herr Mennekes, ich nehme mal an, dass sich in Ihrem Unternehmen durch die Einführung des Mindestlohns für die Praktikanten nichts ändern wird. Richtig?

Walter Mennekes: Stimmt. Es ändert sich insofern nichts, als bei uns Praktika überwiegend unter drei Monaten liegen und damit von der Regelung nicht betroffen sind. Außerdem greift für uns gerade in der Gemengelage zwischen der Ausbildungsleistung des Unternehmens einerseits und der Arbeitsleistung eines Praktikanten das Gebot der Fairness. Auch für Praktikanten gilt: Ein Hungerlohn beziehungsweise ein Taschengeld ist schließlich so sittenwidrig, wie ein Rechtsanspruch auf Mindestlohn falsch wäre.

TRIALOG: Wie beurteilen Sie die neue Mindestlohnregelung speziell mit Blick auf Praktikanten? Halten Sie sie für sinnvoll?

Walter Mennekes: Ich beurteile sie eher mit Skepsis. Wir brauchen Vorschriften dieser Art nicht. Sinnvoll mag die Regelung höchstens sein, weil sie wenige schwarze Schafe unter den Unternehmern treffen will. Die möglichen Kollateralschäden – schrumpfendes Angebot der Praktika, Verstoß gegen das Prinzip des Lohnabstands, Vermeidung einer abgeschlossenen Berufsausbildung unter anderem – ignoriert sie. Dennoch: Ein Mindestlohn nach drei Monaten für über 18-Jährige sollte machbar sein selbst in Betrieben, die mit dem Cent rechnen. Und dass auch Praktikanten Geld verdienen, weil sie leben müssen, gebietet schon der Anstand. Allein aus Gründen der Startchancengerechtigkeit muss eine angemessene Vergütung auch für Praktikanten sein. Denn weniger betuchte Eltern zum Beispiel können ihren Kindern kein mehrmonatiges Praktikum bei extrem geringer Bezahlung finanzieren. Der geplante, per Gesetz vertraglich vorgeschriebene Qualitätsrahmenvertrag – klare Zielsetzung, Zeugnis und so weiter – verlangt, was ohnehin durchweg üblich ist.

TRIALOG: Sie setzen sich bereits seit Jahren auch in Ihrer Region für mehr Ausbildung ein und sprechen darüber viel mit Ihren Unternehmerkollegen. Wie ist Ihr Eindruck aus anderen Betrieben? Wird sich dort das Angebot an Praktikumsplätzen verändern?

Walter Mennekes: Zunächst: Eine gründliche Ausbildung ist mehr als ein Praktikum. Im Blick auf die Ausbildung galt immer und gilt für uns das Motto: Keiner darf verloren gehen. Deshalb haben wir immer mehr Ausbildungsplätze angeboten, als wir mussten und als sie sich rechneten. Unser Beispiel färbt ab auch auf andere Unternehmen in der Region. Was die Betriebspraktika angeht, muss jedes Unternehmen selbst entscheiden, wie es damit klarkommt. Da erteile ich keine Ratschläge. Und ob der unter bestimmten Bedingungen jetzt auch an Praktikanten zu zahlende Mindestlohn das Angebot schmälert, bleibt abzuwarten. Gleichwohl und selbst bei aller Kritik sollten wir – Mindestlohn hin oder her – das wichtigste Ziel nicht vergessen: die Zukunft unserer Jugendlichen. Sie haben die Aussicht auf ein gelingendes Leben verdient, am besten durch eine solide berufliche Ausbildung – auch, wenn sinnvoll, mithilfe eines Praktikums.

Vita

Walter Mennekes leitet als geschäftsführender Gesellschafter die 1935 gegründete Mennekes Elektrotechnik GmbH & Co. KG in Kirchhundem. Sein Familienunternehmen ist als führender Hersteller von Industriesteckvorrichtungen mit Tochtergesellschaften und Vertretungen in über 90 Ländern aktiv und beschäftigt weltweit mehr als 1.100 Mitarbeiter, über zwei Drittel davon in Deutschland. Die Produktpalette reicht von genormten industriellen Steckvorrichtungen in über 11.000 Ausführungen und Bauformen bis zu Ladesteckvorrichtungen für Elektrofahrzeuge.
Foto: Shutterstock

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Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter lady-godiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.

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