Wirtschaft & Recht

Wo ist die Grenze zwischen Privatsphäre und Verschleiern?

Google wird vergesslich. Der Suchmaschinenbetreiber entfernt auf Antrag Links, damit unliebsame Beiträge nicht gezeigt werden. Die Kehrseite der Medaille: Wollen Unternehmer die Seriosität eines Geschäftspartners prüfen, müssen sie künftig noch mehr auf klassische Auskunfteien ausweichen.

Teilen auf

LinkedIn Xing Whatsapp

Die hitzige Diskussion um das „Recht auf Vergessenwerden im Internet“ und das „Google-muss-auf-Antrag-Internet-Links-löschen-Urteil“ sind abgeflaut, wohl auch wegen der Sommerpause. Nachdem der Pulverdampf des Duells zwischen, etwas pauschal zusammengefasst, Suchmaschinenbetreibern und Datenschützern verflogen ist, kann man die Sache in Ruhe genauer betrachten.
Und da ergibt sich folgendes Bild: Wenn Sie bei Google nach einem Namen suchen, steht unten auf der Seite mit den Treffern oft folgender Hinweis: „Einige Ergebnisse wurden möglicherweise aufgrund der Bestimmungen des europäischen Datenschutzrechts entfernt.“ Sogar bei meinem Namen – dabei habe ich nichts löschen lassen, das wird eine Standardmitteilung sein. Mittlerweile ist das so einfach, dass es zum Standard werden könnte. Man kann Daten oder Links bei Facebook, Twitter, Google und Co. selbst löschen lassen, auch ohne Anwalt, wurde neulich beim Deutschen Anwaltstag in Stuttgart festgestellt. Bei Google etwa reicht es, ein Formular auszufüllen, dann werden die von Ihnen angegebenen Suchergebnisse gemäß den Google-Richtlinien nicht mehr angezeigt.

Über 150.000 Links wurden schon entfernt

So einfach ist das seit einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom Mai 2014. Die Richter erklärten, Suchmaschinen müssten Verweise auf Web-Seiten mit sensiblen persönlichen Daten unter Umständen aus ihren Ergebnislisten streichen. Erstritten hat das Urteil ein Spanier, der zuvor erfolglos versucht hatte, eine Zeitung zum Entfernen eines Artikels zu bewegen, in dem sein Name in Verbindung mit einer Zwangsversteigerung auftauchte. Bis Mitte Juli beantragten laut „Stern“ 91.000 europäische Internet-Nutzer bei Google die Entfernung von 328.000 Links, davon 17.500 aus Frankreich und 16.500 aus Deutschland. 53 Prozent der betroffenen Links wurden gelöscht.

Abzocker sollen nicht unsichtbar werden

Man kann jetzt also aus Google beispielsweise Links zu Berichten entfernen lassen, dass man an einer Krankheit leidet, einer Sekte angehört oder insolvent war. Diese Aufzählung zeigt aber zugleich, wie zweischneidig das „Recht auf Vergessenwerden im Internet“ doch ist. Denn für jeden Firmenchef, der einmal pleite war und das nicht verbreitet sehen will, gibt es einen potenziellen Geschäftspartner, der genau diese Information ganz gerne hätte, weil sie eben auch zur beruflichen Vergangenheit gehört. Zwar bleiben die Artikel selbst im Netz. Mit dem entsprechenden Know-how findet man sie ohne Google auch weiterhin. Aber das ist nicht jedermanns Sache.
Wenigstens kann nicht jeder Abzocker darauf vertrauen, dass seine üblen Methoden jetzt aus dem einem breiten Publikum zugänglichen Netz verschwinden. Google wird künftig nicht blind allen Löschanträgen entsprechen, sondern erst die Datenschutzrechte der Einzelperson gegen das öffentliche Interesse an den Informationen und das Recht auf Informationsfreiheit abwägen: „Zum Beispiel lehnen wir den Antrag möglicherweise ab, wenn es um Betrugsmaschen, berufliches Fehlverhalten, strafrechtliche Verurteilungen oder das öffentliche Verhalten von Amtsträgern geht.“

Nutzen Sie klassische Auskunfteien

Solche Themen werden Sie also weiter bei Google finden. Trotzdem sollte das „Recht auf Vergessenwerden im Internet“ als Erinnerung dafür dienen, dass das Netz allein noch nie die beste Informationsquelle vor wichtigen Entscheidungen war. Überlegen Sie lieber noch mal mit Ihrem Steuerberater oder Rechtsanwalt, ob und wie klassische Auskunfteien noch gezielter eingesetzt werden können. Für Bonitätsauskünfte vor größeren Aufträgen etwa sind immer noch etablierte Anbieter wie Creditreform oder D&B Deutschland/Hoppenstedt erste Wahl. Wenn Sie prüfen wollen, ob ein Unternehmen existiert, um nicht etwa nach einer Lieferung an einen Phantom-Kunden in der EU auch noch Umsatzsteuer auf die Ware nachzahlen zu müssen, können Sie eine Handelsregisterauskunft einholen, entweder auf einer zentralen Seite oder über die einzelnen Länder. Dies verursacht im Gegensatz zu einer Google-Suche manchmal Ausgaben, kann aber durchaus das Geld wert sein.
Foto: Shutterstock

Hat Ihnen der Beitrag gefallen?

Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter lady-godiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.

  • Schwerpunktthemen
  • Trialog-Newsletter

    Sie möchten künftig keine wichtigen Tipps für Ihr Unternehmen verpassen?
    Mit dem kostenlosen Newsletter halten wir Sie auf dem Laufenden.

  • Experten-Suche

    Kein einfaches Thema!
    Am besten hilft ein steuerlicher Berater! Sie haben noch keinen? Dann können Sie auf DATEV SmartExperts nach den passenden Experten suchen.

    Ich suche








  • Auf Facebook mitdiskutieren

    Sie möchten das Thema vertiefen?
    Dann werden Sie gerne Fan und beteiligen sich an der Diskussion auf unserer Facebook-Fanpage

    Jetzt TRIALOG-Fanpage besuchen

  • DATEV im Web
    YouTube LinkedIn