Personal & Führung

Ein fundiertes Bauchgefühl weist oft den richtigen Weg

Wer gute Entscheidungen treffen will, darf keinen Mythen nachhängen. Er muss Informationen sammeln und die Fakten richtig bewerten. Klingt einfach, ist aber eine hohe Kunst. Und ein wichtiger Erfolgsfaktor. Grund genug, ein paar Regeln zu beachten.

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Friedlich grasende Hirsche und Rehe am Flussufer. Was passiert, wenn Wölfe kommen? Schadet das der Natur, oder ist es gut? Tatsächlich verwandelte das Auswildern der Raubtiere im US-Nationalpark Yellowstone eine kahl gefressene Landschaft wieder in ein Biotop mit immenser Artenvielfalt. Klingt verwirrend, ist aber logisch. Hirsche und anderes Wild wurden gerissen oder wichen teilweise aus. Deshalb konnte das Gras wieder wuchern. Die Bäume wuchsen auf das Fünffache heran. Ihre Beeren lockten Adler, Raben, Singvögel, Bären. Weil das die Kojoten verdrängte, kamen Nerze, Füchse, Hasen und Mäuse zurück. Und Biber, die dank der üppigen Bäume genug Nahrung und Baumittel hatten. Ihre Dämme sorgten dafür, dass der Fluss wieder natürlich zu mäandern begann. Die Landschaft hatte sich erholt.

Fehlentscheidungen durch Fehlinformationen

Wieder etwas gelernt. Nicht nur über Wölfe – ich musste gleich an unsere alltäglichen Entscheidungen denken. Die liegen nämlich häufig daneben, weil wir Fakten falsch interpretieren oder Mythen anhängen, so wie eben der verbreiteten Vorstellung, Wölfe würden Tiere töten und damit die Artenvielfalt verringern. Was die Entscheidungen in der deutschen Wirtschaft anbelangt: Sicher handeln gerade Mittelständler überdurchschnittlich oft richtig, sonst gäbe es nicht so viele erfolgreiche Hidden Champions mit über Jahrzehnte hinweg treuen Kunden und Mitarbeitern. Trotzdem gelten Fehleinschätzungen als wichtigster Faktor für das Scheitern, weil regelmäßig mit Blick auf Mythen statt harte Informationen entschieden wird. Dazu nur eine Zahl: Haie gelten als lebensgefährlich. Tatsächlich gab es 2009 in den USA 28 Haiangriffe – und im gleichen Zeitraum wurden 4,5 Millionen Menschen von Hunden gebissen, oft mit schlimmsten Folgen.

Halten Sie sich an Fakten, Fakten, Fakten

Zum Problem werden Mythen kurioserweise durch das Verlangen des Menschen, alles verstehen zu wollen. Wir akzeptieren lieber unsinnige und unlogische Erklärungen, als keine zu bekommen. Dann werden aus Vermutungen schnell Erkenntnisse. Nachgewiesen haben Psychologen das am Beispiel eines Lagerhausbrandes. Zunächst erhielten die Versuchspersonen eine falsche, aber plausible Information zum Unfallhergang. Dann wurden sie über die Fehlinformation aufgeklärt. Trotzdem nannten viele in einem anschließenden Gespräch über die Brandursache die Fehlinformation als Begründung, statt zuzugeben, dass sie den Grund nicht kennen – und machten damit den Mythos zur Tatsache. Link 3 Was bedeutet das für Sie im Unternehmensalltag? Ersetzen Sie eine falsche Information, sonst bleibt sie im Gehirn verankert. Machen Ihnen also Fachleute im Betrieb oder von außen einen Vorschlag, der Ihnen nicht einleuchtet, diskutieren Sie die Gründe. Vielleicht gehen Sie von falschen Annahmen aus.

Und denken Sie immer an die korrekte Beurteilung

Natürlich müssen Sie dann noch die maßgeblichen und korrekten Fakten richtig bewerten. Das geht ebenfalls oft schief, wie Jochen Mai in seinem Blog „Karrierebibel“ darlegt. Im beschriebenen Fall ging es zum Glück nur um den Kauf einer Hautcreme, nicht um einen Geschäftsabschluss oder Kauf einer teuren Maschine. Doch der Fehler ist typisch: Mathematisch durchaus versierte Probanden setzten die absoluten Zahlen über den Erfolg nicht ins Verhältnis zueinander. Deshalb dachten sie, ein Produkt mit 223 positiven und 73 negativen Bewertungen sei besser als eins mit nur 107 positiven und 21 negativen Rückmeldungen. Ein Trugschluss: Tatsächlich waren trotz in absoluten Zahlen größerer Zustimmung nur 75 Prozent vom ersten Angebot überzeugt, aber fast 84 Prozent vom zweiten. Achten Sie also bei Zahlen immer auf die Bezugswerte, oder setzen Sie sie in solch einfachen Fällen direkt in Bezug zueinander. Das bekommen Sie oft schon im Kopf hin – Sie müssen nur dran denken.

Aber auch das Bauchgefühl kann weiterhelfen

Und der Instinkt? Intuitive Bauchentscheidungen seien rein logisch begründeten Entscheidungen oft überlegen, meint Gerd Gigerenzer, Leiter des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin. Aber nur, wenn man sich mit dem, über das man entscheidet, grundsätzlich auskennt, so Gigerenzer im Buch Bauchentscheidungen. Auch hier zählt also die Qualität und Einordnung irgendwann zuvor gesammelter Fakten. Hinterfragen Sie deshalb vor wichtigen Entscheidungen ruhig, ob Sie sich auf Ihre Erfahrungen verlassen können – die Situation also mit vorherigen Situationen vergleichbar ist – oder ob Sie Zusatzinformationen brauchen. Und wenn es sinnvoll ist, entscheiden Sie aus dem Bauch heraus. Ihr Vorteil: Als Chef können Sie intuitive Entscheidungen notfalls ohne viele Fakten zur Begründung durchziehen, während in Konzernen viele Führungskräfte teuer Fakten zusammensuchen lassen, um ihre Bauchentscheidung zu rechtfertigen, wie Gigerenzer berichtet. (Anmerkung: Wer Gerd Gigerenzer live erleben will, dem sei der DATEV-Kongress ans Herz gelegt)
Was Sie erreichen wollen, müssen Sie selbst wissen. Wie Sie Ihr Ziel erreichen, dabei helfen die Regeln. Und wenn Sie mal mehr Bäume, Vögel und einen natürlicheren Flusslauf irgendwo erreichen wollen, wäre ein kleines Wolfsrudel eine gute Idee – das wissen Sie ja jetzt.
Foto: Shutterstock

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Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter lady-godiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.

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