Steuern & Finanzen

Einmal nicht genau aufgepasst – und schon viel Lehrgeld gezahlt

Inkassobüros helfen dabei, offene Forderungen einzutreiben. Aber als Unternehmer müssen Sie sich permanent davon überzeugen, dass alles reibungslos läuft. Sonst kann es Ihnen so gehen wie mir – plötzlich will ein Insolvenzverwalter von Ihnen Geld zurück.

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Ich habe Inkasso – seriöse Unternehmen, nicht das Inkasso-Team Moskau – immer für eine gute Sache gehalten. Zwar nicht genutzt, aber im Hinterkopf gehabt für den Fall, dass mein Betrieb tatsächlich einmal Probleme mit einer offenen Forderung haben sollte. Vor ein paar Jahren war es so weit: Kunde zahlt nicht, wiegelt in Telefonaten ab, stellt sich tot. Kaum hatte ich ein Inkassobüro eingeschaltet, kam auch schon Geld auf mein Konto. Alles klar, dachte ich mir, da sind Profis am Werk – und dann stand ich plötzlich vor Gericht, da der Teufel wie immer im Detail steckt und mein Dienstleister doch nicht so sorgfältig gearbeitet hatte, wie ich zunächst dachte. Da habe ich ganz schön Lehrgeld gezahlt, und aus dieser Erfahrung können auch Sie einiges lernen – aber der Reihe nach.

Eigentlich ist Inkasso eine sinnvolle Erfindung

Fünf Jahre lang hat mein Unternehmen für einen Auftraggeber wöchentlich mehrere Bauteile bearbeitet. Die Stückzahlen stiegen, die Rechnungen wurden immer pünktlich beglichen. Schließlich beendete mein Geschäftspartner die Zusammenarbeit, er wollte den Standort in unserer Nähe auflösen und die Produktion im 60 Kilometer entfernten Stammhaus konzentrieren. Schade, dachte ich, die Aufträge sind gut gelaufen. Dann machte ich die letzten Abrechnungen und sah mich, als nach vier Monaten noch kein Geld eingegangen war, wie erwähnt gezwungen, ein Inkassobüro einzuschalten. Das vereinbarte mit dem Schuldner eine Zahlung in Raten. Die wurden zunächst vertragsgemäß überwiesen, dann blieben sie aus. Das Inkassobüro beantragte daraufhin einen Mahnbescheid und später, weil sich nichts mehr tat, einen Vollstreckungsbescheid. Erst danach kamen zögerlich die weiteren Raten. Letztlich war der offene Posten binnen eines Jahres beglichen und der Vorgang damit für mich erledigt.

Plötzlich will ein Insolvenzverwalter Geld zurück

Zu früh gefreut. Zwei Jahre später bekam ich Post von einem Insolvenzverwalter. Direkt nach Zahlung der letzten Rate hatte mein damaliger Geschäftspartner nämlich Insolvenz angemeldet. Und ich hatte im Anfechtungszeitraum gemäß Paragraph 131 der Insolvenzordnung eine Ratenzahlung nach angedrohter Vollstreckung von ihm erhalten. Ein Gespräch mit meinem Anwalt ergab, dass ein Rechtsstreit in diesem Fall kaum Aussicht auf Erfolg hat. Notgedrungen gab ich das Geld zurück. Obwohl ich es nicht eingesehen habe, weil ich doch lange vor der Insolvenz geliefert und diese alten Rechnungen bezahlt bekommen hatte.

Ich hätte die Warnzeichen erkennen müssen

Ein Jahr später lag wieder ein Schreiben des Insolvenzverwalters im Briefkasten. Nun ging es um den Gläubigerbenachteiligungsvorsatz. Plötzlich sollte ich auch Zahlungen nebst Zinsen zurückerstatten, die im Rahmen der Ratenvereinbarung weitere drei Monate vor der Insolvenz eingegangen waren. Nach einem kurzen Schriftverkehr zwischen dem Insolvenzverwalter und meinem Anwalt trafen wir uns vor dem Landgericht. Dort erläuterte ich die Geschäftsbeziehung zwischen den beiden Betrieben und legte ausführlich dar, dass mir eine Zahlungsunfähigkeit zu keinem Zeitpunkt erkennbar war. Meine Erklärungen waren sehr umfassend und wurden vom vorsitzenden Richter nicht beanstandet. Aber er stellte klar, auf meiner Seite sei ein Fehler passiert: Das Inkassobüro hätte nach dem ersten Stocken bei der Ratenvereinbarung merken müssen, dass der Schuldner nicht mehr in der Lage war, seine Schulden zu bedienen. Ein Indiz hierfür seien der Mahn- und der Vollstreckungsbescheid auf die Zahlungsverzögerung gewesen. Völlig frustriert habe ich einem Vergleich zugestimmt und das Geld teilweise zurückgezahlt.

Mit dem Steuerberater Rückstellungen klären

Und ich habe meine Lektion gelernt: In bestimmten Fällen darf man sich als Unternehmer niemals nur auf seinen Dienstleister verlassen. Wer eine Forderung an ein Inkassobüro abgibt, so die Aussage des Richters, sei als Firmenchef trotzdem in der Pflicht, darauf zu achten, wie das geldeintreibende Unternehmen agiert. Und er müsse schon das erste Anzeichen einer Zahlungsstockung als Hinweis darauf erkennen, dass der Schuldner seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann – mit der Konsequenz, dass eingehendes Geld bei einer möglichen Insolvenz zurückgefordert werden kann.
Ich habe das Thema Inkasso nicht für mich abgehakt. Aber ich weiß, wie ich mich künftig verhalten muss. Ich werde mich von meinem Dienstleister genau über den Stand der Dinge und jede Auffälligkeit bei der Geldeintreibung informieren lassen. Und wenn es die beschriebenen Warnzeichen gibt, werde ich mit meinem Steuerberater besprechen, ob und wie ich Rückstellungen für den Fall bilden sollte, dass ich tatsächlich etwas an einen Insolvenzverwalter zurückzahlen muss. Dann bin ich wenigstens auf den Ernstfall vorbereitet.
Foto: Shutterstock

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Carsten Röttgers

ist Geschäftsführer der auf Oberflächenbeschichtung spezialisierten Karl Röttgers GmbH in Papenburg. Der Diplom-Betriebswirt war unter anderem Bundesvorsitzender der Junioren des Handwerks und hat sich auf deutscher und europäischer Ebene für die Interessen kleiner und mittlerer Betriebe aus dem Handwerk eingesetzt. Er twittert unter twitter.com/roettgers

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