Steuern & Finanzen

Ansparen für Ideen – wie bei einem Bausparvertrag

Betriebe ohne viel Eigenkapital haben Probleme, das Geld für geplante Entwicklungen aufzubringen. Banken geben oft nichts, weil Sicherheiten fehlen. Fördermittel erhalten sie nicht, weil sie die Bedingungen nicht erfüllen. Dabei gäbe es eine einfache Lösung. Sie ähnelt der für Häuslebauer.

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Mit manchen Gesprächspartnern telefoniere ich alle ein bis zwei Jahre, um zu hören, was sich getan hat. Vergangene Woche war Michael Petz dran, ein Innovationsförderer bei den Industrie- und Handelskammern Stade und Lüneburg-Wolfsburg. Er hat eine interessante Lösung für kleine Firmen gefunden, die Innovationen ohne viel Eigenkapital finanzieren müssen. Grundsätzlich tun die sich schwer damit, Geld für Entwicklungen bei der Hausbank lockerzumachen, weil die Unwägbarkeiten groß und Sicherheiten kaum vorhanden sind. Und wer auf öffentliche Fördermittel hofft, scheitert oft daran, dass er nur ein bestehendes Produkt verfeinern will. Die meisten Förderprogramme gelten allein für Neuentwicklungen, dieser Aspekt des deutschen Fördersystems hat schon für so manches Projekt das Aus bedeutet.

Unternehmer sind sogar ohne Vergünstigung begeistert

Petz hatte also die Idee für eine Art Innovationsbausparvertrag. Damit könnten Unternehmen einen Teil der Investitionssumme bei ihrer Bank ansparen. Ist der Vertrag zuteilungsreif, bekämen sie dieselbe Summe als Darlehen und dazu vom Staat eine Förderung, etwa in Form eines Steuerrabatts – so würde die Ansparsumme für den Innovationsbausparvertrag den zu versteuernden Gewinn genauso mindern wie andere Betriebsausgaben. Die Volksbank Stade-Cuxhaven hat aus der Idee sogar ein Produkt gemacht, es aber wie geplant nach der Testphase eingestellt. Dabei waren die Unternehmer, mit denen ich damals gesprochen habe, sogar ohne Steuervergünstigung begeistert.

Die Politiker wollen das Thema nicht angehen

Petz wirbt seit Jahren vergeblich dafür, den Investitionsabzugsbetrag um eine Klausel für vorgezogene Innovationskosten zu erweitern. Nur scheint jetzt, nachdem der reine Steuerspareffekt der früheren Ansparabschreibung bereits gekippt wurde, der ganze Paragraph politisch unter Beschuss zu stehen. Mittlerweile ist Petz egal, wie das Innovationssparen gefördert wird: „Hauptsache, die Ansparsumme wird steuerfrei gestellt“, hebt er hervor.
Wir werden sehen, was die Zukunft bringt. Ich wundere mich seit Jahren über die deutsche Steuerpolitik. Alle reden vom innovativen Mittelstand als Herz der Wirtschaft. Aber Unternehmen, die ihre Entwicklungskosten nicht auf einen Schlag aus eigener Kraft finanzieren können und stattdessen ansparen müssen, dürfen das nicht aus unversteuerten Mitteln tun.

Unternehmer und Mitarbeiter würden profitieren

Wenn Sie als Journalist recherchieren, spüren Sie schnell, wie sensibel ein Thema ist. Die Brisanz wurde mir sofort klar, als ich vor ein paar Jahren in den Pressestellen der Ministerien zu diesem Aspekt nachgefragt habe – schon wegen der in höchstem Maß besorgten Rückfragen. Dabei geht es nicht um Zuschüsse, sondern nur darum, dass Unternehmer ihr für Innovationen angespartes Geld nicht versteuern müssen. Aber das erklären Sie mal dem Wähler – Politiker haben offenbar Angst davor, dass ihr Name mit einem Steuernachlass für Unternehmen in Verbindung gebracht wird.
Dabei würde diese Lösung den Wirtschaftsstandort Deutschland wirklich stärken, indem sie Innovation planbar macht. „Man müsste nur gucken: Wie viele Sparverträge werden wann zuteilungsreif? Dann weiß man, welche Investitionen in Entwicklung mindestens getätigt werden könnten – auch in einer Krise“, meint Petz. Man könnte so den leidigen Schweinezyklus in der Entwicklung mildern, die ständig mit der Konjunktur hoch- und runtergeht. Durch bessere Finanzierbarkeit und mehr Stetigkeit hätte man am Ende wahrscheinlich einiges mehr an Innovation – was wiederum gut für die Betriebe und für die Jobs wäre.
Also eigentlich politisch eine feine Sache. Aber gut, mit Vernunft und Weitblick in der Politik war es ja auch immer schon nicht so weit her …
Foto: Getty Images/ Jonathan Kitchen

Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter ladygodiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.