Wirtschaft & Recht

Hilfsprogramme nutzen und Versicherungsschutz prüfen

Erste Hilfe leisten bei Überschwemmungen oder anderen Naturkatastrophen oft Bundeswehr und Freiwillige. Finanzielle Unterstützung oder steuerliche Erleichterungen kommen von Politik und Fiskus. Aber um Versicherungen und Lieferverträge, die solche Ereignisse berücksichtigen, muss sich der Firmenchef selbst kümmern – vorher!

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Wie sich die Bilder gleichen: Pegel auf Höchstständen, Freiwillige beim Durcharbeiten, Politiker an aufgeweichten Deichen. Dann ziehen sich Wasser und Helfer langsam zurück. Ob die Jahrhundertflut unter Bundeskanzler Schröder im Jahr 2002 oder das Rekordhochwasser unter Bundeskanzlerin Merkel im Frühjahr – die Chronologie ist ähnlich und endet damit, dass die Betroffenen bei sinkenden Pegelständen allein bleiben. Dabei stehen in den von der Flut betroffenen Gebieten von Bayern bis Sachsen-Anhalt Tausende Unternehmen vor dem Aus – selbst wenn gar nicht sie abgesoffen sind, sondern ihre Auftraggeber. Porsche und Südzucker etwa mussten die Produktion einstellen, Bauern haben nichts mehr zu ernten und Gastronomen oder Hoteliers ihre Schwierigkeiten. Ganz zu schweigen von den vielen Händlern, Werkstätten und sonstigen Dienstleistern in den Hochwassergebieten.

Hilfsprogramme mit dem Steuerberater diskutieren

Aber es gibt auch gute Nachrichten für die Flutopfer. Vor wenigen Tagen erklärte die Bundeskanzlerin bei einem Besuch in Sachsen-Anhalt, Geld aus dem acht Milliarden Euro umfassenden Hilfsfonds von Bund und Ländern würde noch im August fließen. Schon zuvor hatte die öffentliche Hand mit Soforthilfen reagiert. Das Bundesfinanzministerium schonte die Liquidität betroffener Unternehmen, indem es unter anderem eine unbürokratische Anpassung der Vorauszahlungen auf Einkommen- und Körperschaftsteuer, die Stundung fälliger Steuern sowie den Verzicht auf Vollstreckungsmaßnahmen und Säumniszuschläge ankündigte und erklärte, die Bildung steuerfreier Rücklagen und die Abschreibung bei Ersatzbeschaffung würden erleichtert. In Brandenburg wurde beschlossen, dass Betriebe für den Wiederaufbau ganz oder zum Teil zerstörter Gebäude Sonderabschreibungen bis zu 30 Prozent erhalten und für die Neubeschaffung beweglicher Güter bis zu 50 Prozent der Anschaffungs- oder Herstellungskosten. Und der Bund übernimmt unter anderem bei Kurzarbeit in von Hochwasser betroffenen Unternehmen die Sozialversicherungsbeiträge. Mehr dazu erfahren Sie auch hier. Wer sich für solche Leistungen qualifiziert, sollte rasch mit seinem Steuerberater besprechen, wie er weiter vorgehen will und was ihm wirklich nützt.

Oder doch in eine teure Versicherung investieren?

Ein Thema darf man angesichts der anlaufenden Hilfsprogramme aber nicht vergessen: Die Flut zeigt auf dramatische Weise, wie wichtig ein guter Versicherungsschutz für Unternehmen ist. Einige Tausend niederbayerische Firmen dürften mangels einer solchen Police von der Flut in die Pleite getrieben werden, fürchtet die IHK Niederbayern. Natürlich ist der Schutz durch eine Betriebsunterbrechungsversicherung besonders teuer, wenn ein Unternehmen in einem Hochwassergebiet sitzt – logisch: wegen des höheren Risikos. Auch Elementarversicherungen sind, wenn sie wegen der Lage nicht ganz ausgeschlossen werden, sehr teuer. Doch sich nur aus Kostengründen diesen Schutz zu sparen, ist – wie wiederholte Flutkatastrophen zeigen – reines Roulette. Tatsächlich rechnet sich im Ernstfall auch eine teuere Police – wenn sie existenzielle Risiken gut abdeckt. Außerdem sollten Firmenchefs mithilfe eines Rechtsanwalts durchgehen, welche juristischen Probleme bei solchen Naturereignissen noch drohen und wie sie sich versichern oder mit Vertragsklauseln schützen können, etwa durch Haftungsbegrenzung bei Lieferausfällen in Form einer „Härte- beziehungsweise Höhere-Gewalt-Klausel“.

So hart es auch klingen mag – für viele Unternehmer in Wassernähe gilt der Spruch: „Nach der Flut ist vor der Flut.“ Und für alle anderen gilt der Rat, aus den Erfahrungen der jetzt Betroffenen zu lernen – und so für möglichst viele denkbare Unglücksfälle vorzusorgen, dass sie nicht sofort den Betrieb ruinieren. Nehmen Sie sich die Zeit dafür.

Foto: iStock

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Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter lady-godiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.

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